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Der Markgraf, der als bester Landesfürst in die europäische Geschichte einging

Karl Alexander gilt als ein Förderer der Bildung - 20.03.2019 19:28 Uhr

Der Historiker und Kreisheimatpfleger Dieter Mäckl erwies sich einmal mehr als „der“ Markgrafenkenner. © Harald Munzinger


Von Vorsitzender Carola Kabelitz als „der“ Markgrafenkenner gewürdigt, sorgte dieser Ruf für ein bis auf den letzten Platz gefülltes Gewölbe und auch beim 67.Vortrag Mäckls im Geschichts- und Heimatverein für interessante Einblicke in große historische Zusammenhänge mit lokalen Bezügen. So war die von Markgraf Christian Friedrich Karl Alexander geförderte Lateinschule in Neustadt einst so berühmt, dass sie Schüler von den Niederlanden bis St. Petersburg besuchten. Die Friedrich Alexander-Universität Erlangen oder das Neustädter Friedrich Alexander Gymnasium tragen den Namen eines Mannes, dem zum Beginn der neuen Epoche des aufgeklärten Absolutismus die Landesbildung besonders am Herzen gelegen hatte. Ebenso wie das Heil seiner Untertanen, das er eng mit seinem eigen verband.

Am 24. Februar 1736 in Ansbach als Sohn des Markgrafen Karl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach und Friederike Luise von Preußen geboren, rückte er bereits einjährig nach dem plötzlichen Tod des älteren Bruders Karl Friedrich August zum Erbprinzen des Fürstentums auf und begann mit 12 Jahren das Studium in Utrecht. Mäckl berichtete von der folgenschweren Begegnung des „reiselustigsten fränkischen“ und den Frauen stets zugeneigten Markgrafen in jungen Jahren mit einem „liederlichen Weib“ in Venedig, wonach ihn eine mit einer Quecksilberkur behandelte Geschlechtskrankheit zeugungsunfähig werden lassen sollte. So blieben „zwei Ehren und diverse Beziehungen“ kinderlos.

Von starkem Arbeitsethos geprägt

Der Historiker schilderte Markgraf Karl Alexander als ungeheuer fleißig. Dass er sehr viel leistete, würdigte Friedrich der Große mit dem Titel des „besten Landesfürsten“. Seine 33-jährige Amtszeit sei von einem „starken Arbeitsethos geprägt“, sein Wirken richtungweisend für das weitere Schicksal Frankens gewesen. Fortdauernden Hindernissen sowie vielfach im Klein-Klein erstickenden Bemühungen entfloh der Markgraf immer wieder mit Reisen, wobei England und dem englischen Lebensstil seine Vorliebe galt. Der Markgrafenbrunnen in Uffenheim zeugt von einer abgebrochenen Reise und auch die Mautsäule bei Oberickelsheim steht im Bezug zu dem reisenden Herrscher über ein Territorium mit 410.000 Einwohnern und davon 270.000 direkten Untertanen.

„Triesdorfer Tiger“ eingeführt

Das Einkreuzen englischer Pferderassen, die Empfehlung zur Herstellung von englischen Käsen oder die Umwandlung barocker Gartenanlagen in englische Parks schlugen sich in der fränkischen Heimat nieder, in der er die Rinderrasse „Triesdorfer Tiger“ und die Schafzucht auf der Frankenhöhe förderte. Verheiratet mit Friederike Caroline von Sachsen-Coburg-Saalfeld, hielt sich der Markgraf weniger in der Residenz Ansbach auf, bevorzugte vielmehr seinen Jagd- und Landsitz Triesdorf, wo er das sogenannte Weiße Schloss für seine Geliebte Hippolyte Clairon und das Rote Schloss als sein Wohnhaus um- beziehungsweise neu bauen ließ, ebenso die „Villa Rotunda“ für seine Mätresse Elizabeth Craven. Nach dem Tod seiner Frau und von Cravens Ehemann wurden beide ein Paar.

Um die Staatsschulden, die bei seiner Amtsübernahme fünf Millionen Gulden betragen hatten, zu tilgen, vermiete der Markgraf dem britischen König Soldaten für dessen Kolonien in Amerika, wo sie am „nördlichen Feldzug“ und in der „Schlacht von Yorktown“ im Einsatz waren. Etliche der Soldaten blieben in Amerika, wo ihnen Gelegenheit für eine neue Existenz geboten worden war. Weitere Truppen wurden nach Holland vermietet. Über die Einnahmen wollte Karl Alexander selbst verfügen und gründete die „Hochfürstlich-Brandenburg-Anspach-Bayreuthische Hofbanco“, mit mäßigem Erfolg, wie der Historiker Mäckl anmerkte.

Englisches Herz, französische Kultur

Als sich der Markgrafen mit dem englischen Herzen und der französischen Kultur in der Enge seiner Heimat immer mehr als Fremder fühlte, trat Karl Alexander am 16. Januar 1791 in einem Geheimvertrag seine Fürstentümer an Preußen ab. Er verließ am 19. Mai Triesdorf Richtung England, unterzeichnete am 2. Dezember seine Abdankung in Bordeaux und verbrachte mit der zweiten Ehefrau Lady Elizabeth Craven sein Leben als Privatmann nahe London und widmete sich der Pferdezucht. Am 5. Januar 1806 erlag Karl Alexander einer Lungenkrankheit. An den „Margrave of Brandenbourg, Anspach and Bareith“ erinnert eine Gedenktafel in der St. Mary´s Church von Speen nahe Newbury. Bei der Renovierung der Kirche seien seine Gebeine auf dem Friedhof bestattet worden, die Grabstätte unbekannt, beendete Dieter Mäckl das Portrait einer beeindruckenden Persönlichkeit, um mit seinem profunden Wissen in Gesprächen noch auf manche Eigenart des letzten Markgrafen seiner Dynastie einzugehen. 

Harald J. Munzinger

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