Montag, 09.12.2019

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Dettendorfer waren wieder zur "Deponie-Kerwa" eingeladen

Ärger über geplante Erweiterung der Bauschuttdeponie ist Geschichte - 20.10.2019 17:43 Uhr

Zu Informationen und regen Gedankenaustausch fanden sich viele Teilnehmer auf der schon traditionellen „Deponie-Kerwa“ ein. © Harald Munzinger


Der Ärger über die geplante „Süderweiterung“ um eine Bauschutt- und Erddeponie ist Geschichte, gegen die damals die entschiedene Verweigerung der Bürgerschaft angesagt war, deren Protest Erfolg haben sollte. Die Deponieerweiterung erfolgte mit Hilfe der Gemeinde Diespeck im Norden und damit im Sinn der Dettendorfer, aus deren Reihen jetzt keine Klagen über den Deponiebetrieb zu vernehmen waren. Auch wenn Landrat Weiß bewusst war, dass die Nachbarschaft der Deponie „in den letzten Jahren auch Belastungsproben ausgesetzt war“.

Umso wichtiger sei ihm der Kontakt mit der Bürgerschaft, die Pflege der Beziehungen. Der dient schon traditionell die „Deponie-Kerwa“ mit den Informationen über die Betriebsabläufe der „Energie- und Verwertungsanlage“ – kurz „EVA“ - am Ortsrand von Dettendorf und der Blick in deren Zukunft. Dies stieß erneut auf großes Interesse der Bevölkerung, der nach den Berichten des Landrates und der Abfallwirtschaft auch Gelegenheit zum offenen Gedankenaustausch in gemütlicher Vesperrunde mit etlichen Kreisräten gegeben war. In deren Reihen freute sich nicht nur Ronald Reichenberg über „EVA’s“ Entwicklung zur „komfortablen Einrichtung zur Abgabe von Wertstoffen“.

Ein zentrales Thema sollte die Einführung der „Gelben Tonne“ zur Entsorgung der sogenannten „Leichtverpackungen“ sein, zu der ausführlich mit der im Gästekreis bestätigten Erkenntnis Stellung genommen wurde, dass „sowohl in der Bevölkerung, als in der Kreispolitik nicht alle mit ihr glücklich sind“. Das Unverständnis für die „Aufgabe eines bewährten Bringsystems“ mischte sich mit der Überzeugung, dass die erhoffte höhere Erfassungsquote lediglich aus dem leichtfertigeren Umgang mit dieser gerade durch die extreme Umweltbelastung im Fokus stehenden Müllfraktion resultieren wird.

Kompliment für hervorragende Arbeit

Bei der Besichtigung des Wertstoffhofes gab es durchaus interessante Entdeckungen. © Harald Munzinger


Besonderes Interesse der Dettendorfer galt den Ausführungen des Landrates und der Fachkräfte der Abfallwirtschaft buchstäblich naheliegend zur Deponie. Auf der seien nach den Großprojekten der vergangenen Jahre mit Bauschuttdeponie, Wertstoffzentrum und Biogasanlage 2019 keine größeren Vorhaben umgesetzt worden, was jedoch keine Stillstand bedeute, so Weiß: „Die Bewältigung des Betriebs mit all seinen Anforderungen ist auch im ‚Alltagsmodus‘ eine Herausforderung für unsere Mitarbeiter“. Diesen zollte er denn auch seine Anerkennung für eine „hervorragende Arbeit“, zumal „die Obliegenheiten etwa bei der Überwachung und Verwertung von Abfällen oder auch bei der Arbeitssicherheit stetig steigen „würden".

Als nächstes Projekt sprach der Landrat die Sanierung des alten Eingangsbereiches an, die durch Gasemissionen erforderlich werde. Nach Abschluss der Maßnahme solle dieses Areal als Werkstatt und Lagerbereich genutzt werden. Für Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen soll nach dem kürzlich erfolgten Förderbescheid rasch mit den Planungen begonnen werden. Jene zur Abdichtung der schon lange verfüllten Abschnitte A und B sollen in absehbarer Zeit konkretisiert werden, so Weiß mit dem Hinweis auf die mit der Nachsorge abgeschlossener Verfüllabschnitte verbundenen hohen Anforderungen für die Mitarbeiter.

Flug von Kleinteilen eindämmen!

Schließlich machte der Landrat auch deutlich, wie wichtig für ihn wie auch den Kreistag mit seinen Ausschüssen die optimale Ausstattung für einen professionellen Anlagenbetrieb ist. Und ebenso die gute Nachbarschaft mit der Bevölkerung von Dettendorf. Deshalb sei man um entsprechende Schutzvorrichtungen bemüht, „um den Flug von Kleinteilen, Folien und auch anderen Abfällen einzudämmen“.

Ein Regenschauer durchkreuzte den Plan des Rundganges über die Deponie, auf dem deren Stratege Jochen Zellner die Daten der diversen Abfallfraktionen und den Energiesektor erläutern wollte. So wurde die Lagerhalle des neuen Wertstoffhofes zum „Hörsaal“, in dem die große Gästeschar erfuhr, dass auf der Anlage 2018 insgesamt 58.302 Tonnen Anfälle angeliefert worden waren, davon 13.493 Tonnen Wertstoffe. Den höchsten Anteil habe, wenngleich mit verringerter Menge gegen 2017 das Papier mit den 8.814 Tonnen ausgemacht vor Holz mit leichtem Anstieg auf 2.123Tonnen, gefolgt von E-Schrott (919), Metall (677) und Folien (469).

Für die nächste Jahre auf der sicheren Seite

In der Deponieklasse 1 wurden 2019 bisher 8.192 Tonnen (ein Plus von 40 Prozent gegenüber 2018) erfasst, darunter 1.020 Tonnen Asbest und 5.348 Tonnen verunreinigte Böden. 16.148 Tonnen wurden in der Klasse 0 bislang in diesem Jahr deponiert. 8.046 Tonnen waren es 2017, was einer Menge von 9.146 Kubikmetern entsprach. Bei einem Restvolumen von 89.644 Kubikmetern in dieser Klasse und 90.000 in der Deponieklasse sah der Umwelttechniker Zellner den Landkreis „für die nächsten Jahre auf der sicheren Seite“. Mit der neuen Bauschutt- und Erdaushubdeponie in Uffenheim verschafft dieser sich zusätzliche Kapazitäten, denen Landrat Weiß „eminente Bedeutung“ auch für die Menschen im westlichen Landkreis beimisst.

Ein Plus von 485 auf 5.769 Tonnen machte Zellner bei der Umladestation gegenüber dem Vorjahr aus. 397.000 kWh wurden nach seinen Ausführungen 2018 an Deponiegas gewonnen, 386.000 kWh über die Photovoltaikanlage (390.000 kWh waren es 2017). Durch den Umbau reduzierte sich die Kapazität der Biogasanlage auf 796.000 kWh gegenüber 1,2 Millionen in den beiden Vorjahren. Ausführlich wurden die Besucher der „Deponiekerwa“ über die Inhaltsstoffe der „Gelben Tonne“ und deren Kontrollen bei den Leerungen ab Anfang Januar 2020 informiert, ehe „ozapft“ und ein deftiges Büfett angerichtet war.

Harald J. Munzinger

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