Samstag, 14.12.2019

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Dokumentation erinnert an Klinik im Neustädter Schloss

Ausstellung von Walter Gramming und Kollegen startet am 10. September - 29.08.2017 09:17 Uhr

Blick auf dem Apothekergarten auf das "Alte Schloss", das 68 Jahre lang das Neustädter Krankenhaus beherbergte. Künstler erinnern daran in einer außergewöhnlichen Dokumentation. © Harald Munzinger


"Ich wurde hier sogar geboren", sagen noch immer viele Neustädter über das Alte Schloss und meinen damit das ehemalige Krankenhaus, das sich einst im Schloss befand. Diesem widmet sich jetzt die Ausstellung "Das Krankenhaus im Alten Schloss. Die Überschaubarkeit von Leben und Tod. Eine Ausstellung zwischen Kunst und Dokumentation". Mit verschiedenen Ausdrucksformen will die Ausstellung an das Krankenhaus im Alten Schloss erinnern, ehe es gänzlich in Vergessenheit gerät, nachdem es bereits 1958 seine Pforten schloss, die Klinik an der Peripherie der Kreisstadt 2018 ihr 60-jähriges Bestehen feiern wird.

Die Künstlergemeinschaft hat auf Initiative von Walter Gramming eine eindrucksvolle Dokumentation erstellt. In dieser gibt es Videos mit Zeitzeugen vor Ort um das Alte Schloss. Historische, medizinische Gegenstände aus dem Bestand der Familie Schnizlein werden präsentiert. Wenige erhaltene Fotografien und alte Pläne vom Krankenhaus und dem Personal sind Grundlage für graphische Arbeiten, die als Photodrucke in Erscheinung treten. Verschiedene Künstler thematisieren in freien Kommentaren das Thema "Altes Krankenhaus" mit den damit verbundenen Themen wie Geburt, Krankheit und Tod.

"Auffallend am Phänomen des Alten Krankenhauses ist, dass es ein lebendiges Organ der Stadt war, beinahe ein kleiner Bauernhof mit Selbstversorgung. Die Ränder waren fließend. Das Torhaus war bewohnt, zum Beispiel von der Bestatterin", wird aus den Erinnerungen der Zeitzeugen berichtet.

Ausführlicher Video-Rundgang

Einer der wichtigsten Zeugen im Video ist Dr. Peter Pfeiffer. In einem ausführlichen Rundgang, der an der Statue des Albrecht Achilles beginnt, spannt er den Bogen vom Beginn des Schlosses zur Gründung des Krankenhauses um 1890. Er führt durch die Räume des heutigen Museums und erklärt die ehemaligen Funktionen vom Hühnerstall über den OP bis zu den Wohnungen der Schwestern. Er spricht über Wasserversorgung, Röntgen und Betäubung bis zur Hygiene. Auch zeigt er Pläne des erhofften Erweiterungsbaues, die sein Vater als damaliger Leiter und die Belegärzte anfertigen ließen und deren Scheitern um 1958.

Die Familie Schnizlein war von Anfang an engagiert. Der Enkel des Sanitätsrates, der Arzt Bernd Schnizlein führt einige alte Instrumente und ein Skelett im Video vor und erzählt vom Vater und vom Großvater. Dieser leitete das Krankenhaus in den Anfängen. Peter Wagner, Christa Battenbacher und der Sohn der Bestatterin sprechen über ihre Kindheit in den angrenzenden Gehöften und Revieren. Von der ehemaligen Krankenschwester Christl Beck gibt es ein eindrucksvolles Tondokument über die "Weiße Frau" und eine Videoanimation.

Künstlerische Interpretationen: Die in Neustadt geborene und inzwischen international arbeitende Künstlerin Sabina Koch aus Wien gestaltet eine Video-Installation. Sie setzt sich mit dem Thema der Generationenfolgen auseinander und spielt mit der Ästhetik des Organischen. Die Künstlerin "ushi f" zeigt einen historischen Super8 Track, der in einem Krankenhaus spielt. Der in Ulm lebende Bühnenbildner und -Meister Peter Gramming, der im Alten Schloss geboren ist, hat in Watte das Ensemble einer Krankenhauseinrichtung modelliert.

Thema vielfältig künstlerisch aufbereitet

Angelika Summa und Wolf-Dietrich Weissbach (Herausgeber des FrankenMagazins), ein auch international bekanntes Künstlerpaar aus Würzburg, arbeiten mit den Medien Fotografie und Metall zur menschlichen Existenz und ihrer Gefährdung. Angelika Summa stellt ein Metallkostüm aus, das in seiner Präsentation an das Erscheinen der "Weißen Frau" gemahnen könnte.

Weissbach hat in einer Manufaktur für medizinische Objekte fotografiert und entfaltet die Wirkung aus Massenproduktion und leisem Grauen. Der Fotograf Robert Kahl, hat aus einer verfallenen Klinik in Brandenburg Aufnahmen mitgebracht. Manfred Hönig zeigt Malerei von Grab-Funden in Palermo, Andreas Riedel begegnet dem Thema gewohnt humoristisch und Dietmar Lisson präsentiert ein prekäres Objekt aus seinem Fundus.

"Da viele Neustädter und Menschen im Landkreis mit dem Alten Krankenhaus etwas Intensives verbinden", hoffen Künstler und Museum auf eine positive Resonanz und streben auch einen aktiven Einbezug der Besucher an. Neben der Vernissage wird es daher am 19. September um 19 Uhr eine öffentliche Abendveranstaltung mit Bernd Schnizlein und Dr. Peter Pfeiffer im Museum geben.

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