-1°

Mittwoch, 11.12.2019

|

Flucht aus Neustädter Rathaus möglich

Stahlkoloss zur Sicherheit für Mitarbeiter und Besucher montiert - 19.11.2019 18:19 Uhr

Mit einem Autokran wird der vier Tonnen schwere Stahlkoloss für den „zweiten Fluchtweg“ am Südgiebel des Rathauses in Position gebracht. © Harald Munzinger


Erster Bürgermeister Klaus Meier beobachtete es mit gemischten Gefühlen, als die vier Tonnen schwere Stahlkonstruktion vor der Ratshauskulisse zu dem Giebel schwebte. Einen Schönheitspreis werde man damit sicher nicht gewinnen meinte er angesichts des krassen Kontrastes der schmucken Fassade und des verzinkten Kolosses am Haken des Autokranes.

Beim Konflikt von Denkmal- und Brandschutz war die Sicherheit der Menschen der ausschlaggebende Faktor der Entscheidung für die stählerne Treppe als „zweiter Fluchtweg“, für den es im Rathaus keine Alternative gab. Bei einem möglichen Brandanschlag im Erdgeschoss – „rechnen muss man heute ja mit allem“ – mochte sich der Bürgermeister die katastrophalen Folgen ohne Fluchtweg lieber nicht ausdenken und die lange diskutierte Lösung der Stahltreppe akzeptieren.

Über die können in kurzer Zeit viele Menschen durch eine extra angebrachte Fluchttüre im Sitzungssaal und daneben liegende Büroräume im zweiten Obergeschoss des Rathauses in Sicherheit gebracht werden, was mit der Rettungsleiter der Feuerwehr nicht möglich wäre. Gerhard Hofmann aus dem städtischen Bauamt erklärt diesen Vorzug der breiten stählernen Treppe, während diese von Fachkräften an der Fassade in Position gebracht wird.

Flucht durch Fenster auf die Treppe

Auf diese gelangen die Flüchtenden durch Fenster, die noch umgebaut werden müssen. So muss die Öffnungsbreite vergrößert werden, sind Zwischensprosse abzuschneiden und an Flügel zu montieren, so Gerhard Hofmann. Zudem müssen noch feste Leitern zu den Fensterbänken angebracht werden. Nach einem Farbanstrich wie bei den Innenstadtlampen wird der Kontrast der Stahlkonstruktion zur Fassade „gedämpft“. Sie ruht auf dem dafür stabilisierten Dach der öffentlichen Toiletten neben dem Rathaus, das reichlich Platz für die Menschen auch aus dem ersten Obergeschoss bietet, bis sie über die Feuerwehrleiter zum Marktplatz gelangen.

Ein Jahr Planungs- und Bauzeit stecken in der circa 50.000 Euro teuren Stahlkonstruktion, wozu für Planung, Statik und Prüfstatik sowie Baugenehmigung weitere rund 15.000 Euro kommen: Der Preis für die vom Brandschutz geforderte Sicherheit für Mitarbeiter wie Besucher im Rathaus. Dass diese der Ästhetik unterzuordnen ist, war im langen Entscheidungsprozess bei allen Bedenken gegenüber den letztlich alternativlosen Stahlkolossen – wie auch schon für die Museumsbesucher am alten Markgrafenschloss – unstrittig.

Harald J. Munzinger

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Neustadt