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Fridays for Future: Neustädter demonstrieren gegen "Umweltsauerei"

Erster Bürgermeister Meier ruft zu kritischer Haltung auf - 25.05.2019 13:42 Uhr

Zum Demonstrationszug für den Klimawandel hatten sich in Neustadt erneut viele Jugendliche formiert, denen sich auch die "ältere Generation" aufmunternd anschloss. © Harald Munzinger


Auch wenn mit rund 150 Teilnehmern die Stärke der ersten Demo am 15. März nicht ganz erreicht wurde, verstand es die Jugend, sich erneut eindrucksvoll für ihre Zukunft einzusetzen, die sie durch den Mangel am Willen der Politik zum nötigen raschen und effizienten Handeln bedroht sieht. So wurde lautstark "hopp, hopp – Kohlestopp" oder "Klimawandel -wann? -jetzt!!!" skandiert.

Vom Treffpunkt am Schulzentrum ging es zunächst zum Landratsamt, in dem kürzlich eine "Friday für Future"-Abordnung eine Abfuhr erhalten hatte. Das ihr versagte Rederecht in der Sitzung eines Kreisgremiums wurde als "Schlag ins Gesicht" empfunden. Wie in ganz Europa, werde man sich auch hier Gehör verschaffen, wurde deutlich gemacht und bedauert, dass die Jugend nicht mit für Europa und damit auch ihre Zukunft wählen dürfe, wozu sie mehr Recht als die 60 Prozent Nichtwähler hätte.

Im Landratsamt waren zu der Zeit schon "die Schotten dicht", so dass dort die laute Botschaft für den Klimawandel nicht ankam, wohl aber bei vielen Passanten auf der Zugstrecke durch die Innenstadt zum Marktplatz, auf dem die Demonstranten mit Beifall empfangen wurden. Die Polizei und Ordner begleiteten den Zug, den sich die Organisatoren friedlich und vor allem sauber wünschten. Abfall verursachen war tabu, Abfälle aufheben gerne gesehen.

Historische Moment nicht verschlafen

Es habe sich seit dem Beginn der weltweiten Protestbewegung am Klima zwar nichts geändert, schon gar nicht zum Besseren. Und auch die Symbolpolitik ausgerufener Klimanotstände in einigen Städten habe nichts bewirkt, doch sieht man "die Debatte angestoßen". Nun bei der Europawahl den historischen Moment nicht auch zu verschlafen, den Klimawandel "fünf nach zwölf" anzugehen, rief die Jugend lautstark und nachdrücklich aus: "Wacht auf, krempelt die Wirtschaftssysteme um – jetzt und sofort!" Schließlich sei nach der Mahnung der Wissenschaftler nur noch neun Jahre Zeit zu einer Wende. Dem aktuellen Artensterben folge sonst in letzter Konsequenz "der Mensch als Opfer seiner selbst ausgelösten Katastrophe".

Bilderstrecke zum Thema

Fridays for Future in Neustadt

Für den "Klimaschutz jetzt!" demonstrierte die Neustädter "Fridays for Future" Bewegung für die "Klimawahl" am Europa Wahltag.


Der Bundesregierung wurde mit Schlagworten wie "Umweltsauerei" oder "wirtschaftliches Desaster" das denkbar schlechteste Zeugnis ausgestellt und mit dem Kohleausstieg 2038 der Vorwurf einer umweltzerstörenden Politik gemacht. Deshalb müssten jetzt alle an einem Strang ziehen, forderten die Organisatoren der Demonstration, die mit der Europahymne deutlich machten, dass mit dem Wahltag ein Signal für ein "Europa, das in die Zukunft blickt" gesetzt werden müsse. Ihrer Aufforderung, sich dem Protestzug anzuschließen folgte etliche Erwachsene und auch bei der offenen Kundgebung auf dem Marktplatz wurde der Jugend der Rückhalt aus der Bevölkerung und Lokalpolitik versichert.

Kritisch und auch laut bleiben

"Bleibt kritisch" rief Erster Bürgermeister Klaus Meier der Jugend zu, der sich bei Landrat Helmut Weiß dafür einsetzen will, dass sie sie ihre Zukunftsängste nicht nur vor dem verschlossenen Landratsamt zum Ausdruck bringen können. Wie zu Zeiten der atomaren Aufrüstung, gegen die er demonstriert habe, sei auch heute ein Umdenken dringend nötig, was er mit der Plastikflut in den Meeren oder dem weiter abgeholzten Regenwald unterstrich. Amerikas Präsidenten bezeichnete er als "Brandstifter" und "größten Verbrecher an Umwelt und Klima, mahnte aber auch zum "Umdenken vor der Haustüre" und kritischen Überdenken des eigenen Verhaltens.

Auf dem richtigen Weg zu sein, bestärkte Imker Heinz Weize die demonstrierende Jugend, die er ermunterte, weiter ihren Herzen und Gefühlen zu folgen, zusammenzuhalten und laut zu sein. Kreisrätin Ursula Pfäfflin-Nefian wünschte ihr "einen langen Atem gegen mächtige Gegner" und Stadträtin Monika Gaubitz, die sich auch dem Demonstrationszug angeschlossen hatte, riet an deren Rand zum Engagement in lokalen Gremien. 

Harald J. Munzinger

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