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Für Kirchenasyl: Gemeinde erhält Friedenstaube

Symbol der Mitmenschlichkeit kehrt nach Langenfeld zurück - 26.01.2017 20:27 Uhr

Christa Bacherle und Margit Betz von der Caritas-Flüchtlingsberatung gaben die Friedenstaube mit Vorsitzender Sabine Herderich an Pfarrer Manfred Lehnert weiter, der Sakhar Hajikheder (v. l.) mit dem Kirchenasyl vor der Abschiebung bewahrt hatte. © Harald Munzinger


In einem Asylcafé hatte Pfarrer Lehnert, Asylbeauftragter im Dekanat Neustadt/Aisch, vom Schicksal des damals 29-jährigen Irakers erfahren, der vor der gnadenlosen mörderischen Verfolgung aller Jesiden durch die IS-Kämpfer geflohen war und in Neustadt Zuflucht gefunden hatte. Das Verwaltungsgericht lehnte seine Klage gegen das versagte Asyl ab, womit ihm die Abschiebung drohte. Nach Ungarn, woher er eingereist war.

Nach dem dort bekannten unmenschlichen Umgang mit Flüchtlingen hätte man das nicht mit dem Gewissen vereinbaren können, worin Pfarrer Lehnert und die Kirchenvorstände von Langenfeld und Ullstadt übereinstimmten und dem Flüchtling in der Kirche Asyl gewährten. Ein im Kirchturm eingerichtetes Zimmer sollte Sakhar Hajikheder als schützendes Obdach dienen, während seine Frau Vian und der damals zweijährige Sohn Masoud nach Deutschland kamen und in Neustadt Unterkunft fanden.

So habe man zu Weihnachten 2015 Josef, Maria und ein Jesuskind in der Gemeinde gehabt, erzählt der Pfarrer heute erleichtert schmunzelnd. Inzwischen ist über eine Härtefallkommission für die ganze Familie das Asyl anerkannt.

Bewundernd spricht Lehnert über seine Gemeinden, die sich fürsorglich des Mannes angenommen hatte, dem während des Kirchenasyls jegliche staatliche Leistungen versagt waren und es eine heikle Situation mit einem kurzen Krankenhausaufenthalt zu überstehen galt. Er sei sehr "angetan von der Hilfsbereitschaft auf ganz unterschiedliche Weise", so Lehnert, der denn auch für den Helferkreis die Friedenstaube entgegennahm.

Bereicherung durch "unseren Sakhar"

"Unser Sakhar" habe in den drei Monaten des Kirchenasyls - "eine spannende und schöne Zeit" - die Gemeinde bereichert, den Horizont erweitert, erklärte der Geistliche, dass sich "alles zum Guten aufgelöst und gelohnt" habe, sich in dieser Zeit anhaltende Freundschaften entwickelt hätten.

Buchstäblich "spielend sprechen lernen" beziehungsweise den Wortschatz erweitern, können Flüchtlinge jetzt im "Asylcafé", in dem sie mit Einheimischen zu Spielen eingeladen sind. © Harald Munzinger


Es liege an den Christen, sich für Frieden und Menschenrechte einzusetzen, nicht nur darüber zu reden, sondern zu handeln, Anderen gegenüber offen zu sein, soll die nun in Langenfeld "gelandete" Taube "als Friedenssymbol ansteckend" wirken.

So wie sich das auch der Künstler Richard Hillinger aus Landshut gedacht hatte, als er 2008 anlässlich des 60. Jahrestags der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte die Friedenstaube als Skulptur für Menschen und Organisationen gestaltete, die sich aktiv für Menschenrechte und Völkerverständigung einsetzen. 30 Tauben "flogen" damals aus, für jeden Artikel der Charta eine.

In Langenfeld war der Anfang gemacht

Eine davon landete zunächst in der Gemeinde Langenfeld, deren soziales Engagement damit gewürdigt wurde, wie sich Zweiter Bürgermeister Wolfgang Rückert erinnert. Von dort ging sie an die Wirtschaftsschule in Bad Windsheim und an diese nach einer Etappe bei Pater Anselm Grün in Münsterschwarzach wieder zurück. Nächster Empfänger war dann die Berufsschule in Neustadt, die sie an die Caritas-Flüchtlingsberatung weiter gab. Dort entschieden sich nun Margit Betz und Christa Bacherle, das Kirchenasyl damit zu ehren.

Caritas-Kreisvorsitzende Sabine Herderich sah Pfarrer Manfred Lehnert und seine Kirchengemeinden als die richtigen Empfänger des Symbols für den Frieden, hätten sie doch "ihr Herz für ein friedliches Miteinander geöffnet". Die Taube sei Erinnerung und Mahnung gerade in einer Zeit, in der es Gewalt und Kriege zu überwinden gelte, für den Frieden zu arbeiten. Frieden, so Herderich, beginne bei den Menschen, egal welcher Herkunft.

Die Flüchtlingsberatungsstelle war für sie ein guter Hort für die Friedenstaube, das Asylcafé ein großer Schatz, da es Gelegenheit biete, Kontakte zu knüpfen und "sich Menschen Heimat schenken".

"Aufopferungsvolle Hilfe"

Bürgermeister Klaus Meier hatte beim Neujahrsempfang der Kreisstadt das Wirken der Flüchtlingshelfer und des Unterstützerkreises als "aufopferungsvolle und zeitintensive Hilfe" besonders gewürdigt.

Dass sich diese im Lauf der Zeit geändert habe, stellte Margit Betz beim 25. Asylcafé fest. Mit der abnehmenden Zahl neuer Flüchtlinge – in Neustadt ist die Zahl der Asylbewerber in den Unterkünften von 304 auf 237 gesunken – und den Verpflichtungen von Flüchtlingen in Beruf oder Familie, reduziere sich die Zahl der Besucher, kämen diese jetzt häufig mit dem Wunsch, die erlernte deutsche Sprache auch anzuwenden, wofür man sich mehr Einheimische als Gesprächspartner wünscht.

Das Kolping-Bildungswerk schließt sich dem Asylcafé an, um jungen unbegleiteten Flüchtlingen Möglichkeiten der Begegnung zu eröffnen. Mit einem neuen Angebot von Spieltischen könnten sich diese buchstäblich ebenso spielerisch ergeben, wie sich damit der Wortschatz erweitern ließe. Bonhoeffer-RealschülerInnen und auch Konfirmandinnen bringen sich engagiert bei der Kinderbetreuung ein.

Vor neue Aufgaben sieht man sich in der Flüchtlingsberatung auch mit der Wohnungssuche für anerkannte Asylanten gestellt. Ein hartes Brett, das mit vielen klischeehaften Vorurteilen von potenziellen Vermietern zu bohren ist. An die appelliert der Langenfelder Pfarrer Lehnert für Sakhar Hajikheder ebenso, der mit seiner kleinen Familie gern in eine Wohnung ziehen möchte, wie an Arbeitgeber für den gelernten Installateur, der nach den hier gemachten guten Erfahrungen gerne in der Region bleiben würde. 

Harald Munzinger

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