Gelebte Integration begeisterte Neustädter

23.6.2013, 12:29 Uhr
Die Gruppe „Altin-Kizlar“ aus Nürnberg entführte mit traditionellen Tanzformationen nach Anatolien.

© Munzinger Die Gruppe „Altin-Kizlar“ aus Nürnberg entführte mit traditionellen Tanzformationen nach Anatolien.

Ludmilla Gröner mochte dies aus eigener Erfahrung bestätigen. Als sie nach Neustadt kam, erlebte sie das erste „Fest der Begegnung“ auf dem Marktplatz. Heute ist sie für den Verein „Integra“ in die Organisation mit eingebunden und konnte sich mit Moderator Josef Merrath vom „Jugendtreff „Lazarett“ über eine erneut überwältigende Resonanz auf die Einladung freuen, sich mit anderen Kulturen und Religionen auszutauschen und „viel voneinander zu lernen“.

Integration sehr mehr als nur die Einbeziehung in die Gesellschaft, führte Gröner aus, die auf viele Möglichkeiten verwies, Anderen zu helfen, was auch das eigene Leben bereichere. Sie bezog dabei alte und behinderte Menschen mit ein, wenn es darum geht, Außenstehende am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen. Für die Integrationsarbeit bedürfe es der Unterstützung seitens der Politik, der Sponsoren und der Mitbürger, um die Ludmilla Gröner bei der Eröffnung des heiter-bunten Festreigens warb.

Gutes Beispiel für Toleranz

Amtierender Landrat Helmut Weiß zeigte sich angesichts des attraktiven Programmes beeindruckt, „was da von Menschen für Menschen auf die Beine gestellt wurde“. Hier werde beeindruckend deutlich, wie man in Toleranz zusammenleben könne, was Weiß bei der Aufnahme der Asylbewerber vermisst und in diesem Zusammenhang manch „leidige, emotionsgeladene Diskussion“ beklagte. „Ohne den Verein 'Integra“, der eine wichtige, unbezahlbare Arbeit leistet, wäre der Landkreis ärmer“, erklärte Weiß unter dem Beifall einer stattlichen Gästekulisse.

Dritte Bürgermeisterin Ruth Billmann freute sich, dass es zu einer guten – und sicher auch fortwährenden – Tradition geworden sei, Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion eine wunderbare Gelegenheit gegeben werde, sich kennenzulernen und Freundschaften zu schließen. Ihr Dank galt allen, die sich dafür engagierten.

Sicher bedeute Integration, sich den Sitten und Gebräuchen anzupassen, doch müsse dabei die Freiheit bleiben, seine Kultur und Traditionen zu leben“, erklärte Billmann, die in diesem respektvollen Miteinander die Chance sah, dass sich neue kulturelle Perspektiven eröffneten. Deshalb sollte jede Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen genutzt werden, man für Neues offen sein.

Über 30 Kinder und Jugendliche aus Neustadt, Bad Windsheim und Ansbach begeisterten mit irischen Tänzen.

Über 30 Kinder und Jugendliche aus Neustadt, Bad Windsheim und Ansbach begeisterten mit irischen Tänzen. © Munzinger

Für Johann Sack war es neben dem Bemühen, Zuwanderer zu integrieren, auch wichtig, dass diese die Integration zuließen, um nicht zu vereinsamen. Er rief dazu auf, ohne Vorurteile aufeinander zuzugehen. Integration bedeute geben und nehmen, so der Vertreter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, der „bewunderte, was für dieses 'Fest der Begegnung' alles organisiert wurde“.

Kurzweilige Stunden

Den Anfang des vielseitig-kurzweiligen Programmes machte mit mächtigem „Trommelwirbel“ die „Batukeros Space-Groove-Gang“ aus Markt Erlbach mit mitreißenden Rhythmen. Dem folgten leisere Töne der Bläserklasse der „Stadtkapelle Frankenland“ sowie einer Kindergartengruppe aus Schornweisach mit einer gesungenen Geschichte vom bunten Elefanten Max.

Dann entführte die Gruppe „Altin-Kizlar“ mit traditionellen Tanzformationen nach Anatolien, wonach ein kasachischer Volkstanz von Kindern des Integra-Vereins sowie 30 Kinder und Jugendliche der „Celtic Cross School“ von Tatjana Kramhöller mit irischen Tänzen den Reiz der unterschiedlichen Kulturen vermittelten.

Auch fränkisches Element

Einen „Hauch von 1001 Nacht“ zauberte Bauchtänze der Sternchen und Sterne des Morgenlandes (aus Scheinfeld) in die Kulisse des einstigen Markgrafenschlosses, vor der auch das fränkische Element nicht fehlen sollte. Dargeboten wurde es von Kindern der Comenius-Grundschule ebenso wie von einer Tanzformation mit dem Stadträten Heike Gareis, Norbert Kirsch und Helmut Mondel. Lust auf das „Neustadt-Mystical“ des Spielraum-Nea-Ensembles sollten Ausschnitte aus der Inszenierung „Kein Bock“ machen und zeigen, dass da mit „viel Bock“ Neustädter Geschichte ganz neu erlebt werden kann.

Die Bubbels“ rockten für die Kids in der Torhausbühne und Zauberer „Ernesto“ begeisterte sie mit fantasievollen Luftballonfiguren. Schließlich sorgten der Liedermacher Ivan Bard und die Sängerin Christina Stieben für einen klangvollen Abschluss des „Festes der Begegnung“. Das hatte auch wieder mit kulinarischen Spezialitäten aus der türkischen, russischen, kenianischen oder asiatischen sowie fränkischen Küche vermittelt, wie reizvoll das Kennenlernen „anderer Länder und anderer Sitten und Gebräuche“ ist.

Während für die Kinder im Schulhof ein eigenes Programm geboten war, konnten sich die Erwachsenen an verschiedenen Ständen unter anderem über Angebote vom Kolping-Bildungswerk, Caritasverband oder dem Landratsamt sowie die Vereinsarbeit etwa bei Integra oder der Internationalen Frauengruppe informieren.

Stadt, Integra und Jugendtreff konnten als Veranstaltungsteam nach einem erlebnisreichen Nachmittag bei bestem Wetter ein zufriedenes Fazit ziehen und aus dem Erfolg den Ansporn mitnehmen, zum zehnten „Fest der Begegnung“ 2014 „noch mehr auf die Beine zu stellen“, wie es Josef Merrath ankündigte. Wie das bei dem vielfältigen Programm noch möglich sein soll, bleibt abzuwarten.

 

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