12°

Donnerstag, 18.07.2019

|

Griechisch-fränkische Inspiration

Heiner Kramers künstlerische Entwicklung in der „Jubiläumsgalerie“ - 04.07.2019 20:59 Uhr

60 Stunden malte Heiner Kramer an der „Stadt der heiligen Schlange“, ehe er mit der Farbgebung des Bildes zufrieden war, in dem es viele Details zu entdecken gibt. © Harald Munzinger


Seine Werkschau mit Malerei und Handzeichnungen aus drei wichtigen Schaffensperioden ist zugleich die 350. „Jubiläumsgalerie in der Sparkasse“.

Mit dem Einblick in seine künstlerische Entwicklung, den Heiner Kramer von Frühwerken bis zu ganz aktuellen Arbeiten in der Kunstkreisgalerie kommt der Künstler aus Fürth nach Neustadt „zurück“, wo er von 1992 bis Februar 2018 als Kunstpädagoge am Friedrich-Alexander-Gymnasium tätig war und mit den jungen Talenten große Erfolge feiern konnte. Aus dem gemeinsamen Studium an der Akademie der Bildenden Künste entwickelte sich eine dauerhafte Freundschaft zwischen Heiner Kramer und Rainer Funk, der die Werkschau anregte, die sich auch auf den Kundenraum der Sparkasse Neustadt erstreckt und beim Herbstfest am 22. September zu besichtigen sein wird.

Dann wird der Künstler von 13 bis 17 Uhr anwesend sein und gerne über sein Wirken berichten. Dieses stellt er in drei Schaffensperioden dar, deren erste mit dem Studium begann, Aus dieser Zeit zeigt Kramer impressionistisch geprägte Landschaften und Stillleben in Ölmalerei. Selbst aktiver Sportler, widmete sich der Künstler in der zweiten Periode bewegten Bildern verschiedener Sportarten in Acryltechnik, wozu teilweise Fotografien als Vorlage dienten, der Pinselstrich und die Farben die Dynamik noch exponieren.

Emotionales Farbenspiel

Spielten Farben für Heiner Kramer schon immer eine wichtige Rolle, drückt er mit ihnen bei seiner aktuellen Acrylmalerei mit expressionistischen Zügen intensiv Emotionen und Stimmungen, „seine Haltung auf die äußere Welt und auf seine eigene innere aus“, wie er dies selbst beschreibt. Inspirieren lässt er sich stets stark bei seinen Griechenlandbesuchen, setzt aber ebenso gefühlbetont die fränkische Heimat in seiner ganz eigenen künstlerischen Handschrift um, hat es ihm der „Waldmannsweiher“ bei Fürth ebenso angetan, wie die mystische Landschaft um die zweite Heimat Tarmaros, kombiniert er gerne diese Gegensätze in seinem künstlerischen Schaffen.

Kramer skizziert zunächst die Landschaften in Handzeichnungen, die ihm nach eigener Schilderung ebenso als Vorlagen für die Acrylmalerei dienen, wie gelegentlich auch Fotografien. Beim Malen jedoch entfernt er sich mit spontaner Pinselführung immer mehr vom „Original“, lässt Gefühlen und Fantasie freien Lauf. Es könne vorkommen, dass er bei schlechtem Schlaf die ganze Nacht im Atelier verbringe, lässt der Künstler wissen, wie stark seine Bilder, die er mitunter mehrmals übermalt, von Emotionen beeinflusst sind.

Ganz individuelle Bildauffassung

Alles, was er an theoretischen Kenntnissen über Farbwirklichkeit und Farbwirkung, über Kontrastphänomene oder Kompositionsprinzipien, über raumschaffende Mittel und Perspektiven jahrzehntelang seinen Schülern gelehrt habe, gingen in seine Gestaltungen ein, so Heiner Kramer, dessen ganz eigener Stil sich in keine Schublade pressen lässt und der keinen kunsthistorischen Regeln folgt: „Dieser theoretische Unterbau sowie die Erkenntnisse aus Stilepochen, die die gesamte Kunstgeschichte betreffen, ergeben meine eigene individuelle Bildauffassung“. Er male so lange an einem Bild, bis er zufrieden sei, erzählt der Künstler beim Galerierundgang, der als Zeitreise durch seine Schaffensperioden gestaltet ist. Im großen Acrylbild „Stadt der heiligen Schlange“ etwa steckt ein 60-stündiger Gestaltungsprozess.

Das Ergebnis seiner Malerei sei nicht von vornherein geplant, es ergebe sich aus der oftmals langwierigen Auseinandersetzung mit dem Bildmotiv“ plaudert der Künstler beim Aufbau der 350. Kunstausstellung und zugleich seiner Ausstellungspremiere aus dem Ateliernähkästchen. „Das Denken beim Malen ist das Malen“ hält er es mit dem namhaften Maler, Bildhauer und Fotografen Gerhard Richter. Ein Teil seiner Bilder, in die es sich zu vertiefen lohnt, um manch verstecktes Detail zu entdecken, haben einen so starken emotionalen Bezug, dass sie ab Oktober wieder in Kramers „offenes Atelier“ in der Königsberger Straße in Fürth zurückkehren. Die Mehrzahl der Malerei und Handzeichnungen kann erworben, die Ausstellung während der Öffnungszeiten der Sparkasse in Neustadt besichtigt werden. 

Harald J. Munzinger

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Neustadt