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"Grüne Energie" für Neustädter Bürger

Neustädter Grüne stellen neue Stromkonzepte vor - 23.02.2015 07:54 Uhr

Von der Kreisversammlung in Mosbach ging die Botschaft aus, dass es weiter sinnvoll ist, selbst Strom zu erzeugen. Zumal, wenn man “so tolle regionale Initiativen im Landkreis” habe. Dr. Christine Krämer und Erich Wust waren zur gut besuchten Versammlung eingeladen, um die Konzepte von “Regional Versorgt” und “Regio GrünStrom” vorzustellen. Bei “Regional Versorgt” handelt es sich um eine Genossenschaft, die neben der Energie auch in den Bereichen Kultur, Bildung und Soziales auf eine “zukunftsfähige Region” ausgerichtet ist. “Regio GrünStrom” ist ein von Erich Wust gegründetes Wirtschaftsunternehmen mit 12 Mitarbeitern, das als “Direktvermarkter” den Endverbraucher mit Energie aus der Region (Windkraft und Photovoltaik) versorgt.

Die Energiewende ist und bleibt ein zentrales gesellschaftspolitisches Thema. Das stellten Erich Wust, Dr. Christine Krämer, Bundestagsabgeordneter Uwe Kekeritz und die Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Ruth Halbritter (v. l,) bei einer Kreisversammlung fest. © Harald Munzinger



“Wust – Wind & Sonne GmbH & Co. KG” gilt als Pionier unter den Betreibern von Bürgerwindanlagen. Sie entwickelt, errichtet und finanziert Erneuerbare-Energien-Anlagen und verwaltet derzeit einen Bestand von mehr als 50 Bürgerwindenergieanlagen und Solaranlagen in Bayern. “Regio GrünStrom” wurde nach der Schilderung von Erich Wust als neue “Ökostrommarke” entwickelt, um die Energie aus der Region zu bündeln und direkt an den Verbraucher zu bringen. Dabei werde der  von Bürgern erzeugte erneuerbare Strom vor Ort vermarktet.

Wust schilderte den “physikalischen und bilanziellen Stromfluss” und das Zusammenwirken mit dem Dienstleister “GrundGrün” in Berlin - da sich in Bayern kein “umfänglicher und wirtschaftlicher” Partner - der grünen Strom an der Börse handelt, wobei er in einem komplizierten Verfahren grau und mit Zertifikaten wieder grün werde. Entgegen der mutmaßlichen Verteuerung des Strompreises durch regenerative Energien, erfolgten durch diese Milliardeneinsparungen, müsste die Bezugspreise eigentlich sinken. Der regionale Strom gehe nicht an die Börse, sondern direkt zum Verbraucher, versicherte Erich Wust, der das Marktsegment von Haushalten, kleinen mittelständischen Unternehmen und landwirtschaftlichen Betrieben um Stadtwerke, größere Unternehmen und die Gastronomie erweitern möchte.

Prädikat "sehr gut" für Ökostrom

 Der regionale Ökostrom der Genossenschaft “Regional Versorgt” wird von einem Windrad in Zweifelsheim erzeugt, berichtete Vorsitzende Dr. Christine Krämer. Andere Anlagen könnten je nach Nachfrage dazukommen. Der regional produzierte, TÜV-zertifizierte  und von Ökotest mit dem Prädikat “sehr gut” ausgezeichnete Ökostrom werde direkt an die Kunden geliefert. Wehe kein Wind werde der Bedarf durch andere erneuerbare Energien gedeckt. Vertrieben wird er über die Elektrizitätswerke Schönau. Die lückenlose Versorgung ist garantiert.   
Der “RegionalVersorgt”-Ökostrom bestehe aus 100 Prozent erneuerbaren Energie, die überwiegend in neuen Anlagen produziert werden und so den Anreiz geben, weitere neue Anlagen zu bauen, so die Genossenschaft, die den Klimaschutz und den Atomausstieg voranbringen möchte. Dass sich dies bei Photovoltaik nach wie vor lohne, wurde in der Kreisversammlung betont.
   Zwar sei der Markt für Windkraftanlagen definitiv eingebrochen - der Rückgang wird auf 70 bis 80 Prozent beziffert - doch könnten Windräder durchaus auch unter der 10H-Abstandsregelung gebaut werden, wozu das historische  Zinstief ein Anreiz sein könnte. Das brauche allerdings einen Gemeinderat mit Rückgrat, erklärte Erich Wust. Von Nachbarorten sei kein Veto zu befürchten, das buchstäblich “in den Wind gesprochen” wäre.

Auszeichnung von "RegionalVersorgt"

Dr. Christine Krämer zeigte auch auf, wie “RegionalVersorgt”
mit den Einnahmen aus dem Stromverkauf Projekte finanziert, die dem Gemeinwohl zugute kommen, die Lebensqualität vor Ort fördern. Die Umsetzung oder Unterstützung von Projekten zur Nahversorgung - Uffenheimer “Altstadtmarkt-genial zentral” , umweltfreundlicher Mobilität - Carsharing des Emskirchner Gemeinschaftsautos - sowie im kulturellen und sozialen Bereich erfuhr eine hohe Auszeichnung. Die “Energie- und Nahversorgung in Bürgerhand” überzeugte die Jury des bundesweiten Innovationswettbewerbes “Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen 2014”. Die gemeinsamen Investitionen machten die gesamte Region zukunftsfähiger, wurde mit einem der 100 Preise beachtliches Engagement und Ideenreichtum gewürdigt.

Grüne: TTIP stoppen!

Über das Freihandelsabkommen “TTIP” und “die Gefahren für uns vor Ort” wird der Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz am Freitag, 20. März, ab 19.30 Uhr in der “Oberen Mühle” in Uffenheim sprechen und das entschiedene Nein der Grünen begründen. Am 19. April findet in Markt Erlbach ein “Tag der E-Mobilität” statt, an dem Erfahrungen der Nutzer im Vordergrund stehen sollen, wie es Ursula Pfäfflin Nefian ankündigte.
Trauer löste im Grünen-Kreisverband die Nachricht vom Tod von Elisabeth Bahr nach langer schwerer Krankheit aus, die Vorsitzende Ruth  Halbritter mit ehrendem Nachruf übermittelte. Unerschrocken kritisch, aber auch eine selbstkritische Kraft innerhalb der Partei sei sie für die Grünen im Kreis eine Frischzellenkur gewesen, würdigte Bundestagsabgeordneter Uwe Kekeritz Bahr, die auch eine sehr humorvolle Kollegin gewesen sei. Ihrer couragierte Landratskandidatur 2002 auf aussichtslosem Posten wird noch heute hoher Respekt gezollt.  Auch der Bund Naturschutz ehrte “eine engagierte und aufrechte Mitstreiterin für den Natur und Umweltschutz”. Elisabeth Bahr war Trägerin der Bayerischen Naturschutz.

 

Harald J. Munzinger

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