Gutenstetten: Notfallseelsorge in Fokus gerückt

Elke Rogler-Klukas und Dietmar Rückert überreichten Dr. Ulrike Schorn und Helmut Spaeth (v. l.) neben der Geldspende das Kunstwerk “Notfallseelsorge“ und freuten sich mit Evi Pfeiffer, Karin Wacker und Alexandra Lampe über den Erfolg der Aktion.

Elke Rogler-Klukas und Dietmar Rückert überreichten Dr. Ulrike Schorn und Helmut Spaeth (v. l.) neben der Geldspende das Kunstwerk “Notfallseelsorge“ und freuten sich mit Evi Pfeiffer, Karin Wacker und Alexandra Lampe über den Erfolg der Aktion. © Harald Munzinger

Beide berichteten bei der Spendenübergabe im Sportheim über ihr ehrenamtliches Wirken in Extremsituationen. „Wenn wir auftauchen, ist etwas Schreckliches passiert“, schilderte Dekanatsbeauftragte Ulrike Schorn die Einsätze der Notfallseelsorge, bei denen neun Pfarrerinnen und Pfarrer der evangelischen und katholischen Kirche sowie vier ebenfalls speziell ausbildete nichttheologische Trost in trostlos scheinender Lage spenden.

Dabei gilt ihre Zuwendung in christlicher Verantwortung Unfallbeteiligten und Angehörigen von Unglücks- oder anderen Todesfällen ebenso wie Rettungskräften in Extremsituationen. Angefordert wird die Notfallseelsorge über die Leitstelle, die Einsatzkoordination obliegt den jeweiligen Beauftragten in den vier Dekanaten Neustadt, Bad Windsheim, Uffenheim und Markt Einersheim.

43 Einsätze unterschiedlichster Art im Jahr 2015

43 Einsätze ganz unterschiedlicher Art hatten die Notfallseelsorger 2015 im Landkreis, bei denen es in erster Linie galt, Menschen beizustehen, die durch einen Unglücksfall oder anderes schicksalhaftes Ereignis „einer psychischen Betreuung und Begleitung bedürfen“. Die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst sowie die Polizei wissen es zu schätzen, wenn sich die Notfallseelsorge an Unglücksorten der mittelbar Betroffenen oder auch unter Schock stehenden Augenzeugen annehmen.

Und gerne nehmen sie deren Beistand in Anspruch, wenn es darum geht, „mit dem Erlebten besser zurechtzukommen und für weitere Einsätze psychisch wie physisch stabil wieder zur Verfügung zu stehen“. Die Betreuten können sich der Verschwiegenheit der Notfallseelsorger sicher sein, erklärte Regionalbeauftragter Helmut Spaeth aus Bad Windsheim, der aus seinen Erfahrungen aus dem Rettungsdienst heraus die zusätzliche diakonische Aufgabe übernahm, seine Kollegin Ulrike Schorn diese ebenso als Berufung versieht, wie ihren Beruf als Pfarrerin in Gutenstetten.

Die Zusatz-Sonderausbildung helfe zwar, die schwere Aufgabe „als Todesengel“ bei der Überbringung schrecklicher Nachrichten und der Hilfe bei der Bewältigung posttraumatischer Situationen zu bewältigen, doch müsse man zum Selbstschutz auch möglichst schnell wieder aus dem Fall rauskommen, so Spaeth, der dann die Betreuung Betroffener bei den Ortsgeistlichen in besten Händen weiß.

Überwiegend spendenfinanziert

 „Gott tröstet, wie eine Mutter tröstet“ lautet die Jahreslosung, die Dr. Ulrike Schorn auf die Notfallseelsorge bezieht, die trösten will, wenn „alle nicht mehr bei Trost“ zu sein scheinen, man in eine intakte Welt einbricht, die danach nicht mehr so ist, wie sie einmal war. Neue Wege zu bahnen, nennt Pfarrer Spaeth denn auch eine der Aufgaben des ehrenamtlichen und prinzipiell kostenlosen Dienstes. Der wird neben einem kleinen Zuschuss der evangelischen und katholischen Dekanate nahezu ausschließlich aus Spendengeldern finanziert.

So nahmen die beiden Geistlichen die Spende des SV Gutenstetten dankbar an, die in die Beschaffung von neuen Jacken und Sicherheitsschuhen investiert werden wird. Man benötige immer wieder Material, um effektiv und problemlos Menschen in Not helfen zu können, sollte die Aktion des Sportvereins der Nachahmung empfohlen sein. Schließlich ist auch eine optimale Ausbildung für die menschlich gute Begleitung in Not und Trauer, Leid und Schmerz zu finanzieren.

Wer dazu helfen will, kann auf das Konto der Notfallseelsorge bei der Sparkasse Neustadt/Aisch spenden (IBAN DE77 7625 1020 0000 0374 32/BIC BYLADEM1NEA). Eine Reihe tragischer Ereignisse in unmittelbarer Nähe hatten zur Entscheidung geführt, den Erlös des letzten Adventsmarktes der Notfallseelsorge zukommen zu lassen. Empfänger waren schon die Elterninitiative krebskranker Kinder in Würzburg, die Camphill-Dorfgemeinschaft Hausenhof bei Altheim, der Kindergarten Gutenstetten, die Cnopf’sche Kinderklinik und die Fürther Stiftung für Menschen mit Downsyndrom.

Engagiertes Gemeinschaftswerk

Rund drei Dutzend ehrenamtliche Kräfte aus dem Verein stellten sich zum Backen an den Herden, zum Geschirrspülen in die Küche oder bei vielen anderen Arbeiten in den Dienst der guten Sache, den mit dem Vorsitzenden Dietmar Rückert und Stellvertreter Gerhard Birkner Alexandra Lampe, Karin Wacker und Evi Pfeiffer organisierten. Sie freuten sich mit Initiatorin Elke Rogler-Klukas über einen starken Publikumszuspruch: „Das ganze Dorf war auf den Beinen“.

Zum Erfolg trugen auch die 16 Aussteller und eine mit attraktiven Preisen zugkräftige Tombola bei. Der SV Gutenstetten spendete, wie in den vergangenen Jahren, neben dem stattlichen Geldbetrag ein für die jeweilige Einrichtung individuell konzipiertes Bild. Die Künstlerin Elke Rogler-Klukas stellte es unter den Titel „Notfallseelsorge“ und bezieht mit Spiegelflächen den Betrachter als Teil des Bildes ein, „reflektiert seinen eigenen Standpunkt“ zu einem in der Öffentlichkeit viel zu wenig bekannten Dienst. So sollte diesem der Adventsmarkt nicht nur materielle Hilfe zukommen lassen, sondern auch dazu beitragen, eine großartige Leistung der Bevölkerung bewusst zu machen, wie es SV-Vorsitzender Dietmar Rückert ausdrückte.

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