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Höchste Esskastanie Bayerns steht bei Gunzendorf

Früchte sind exzellenter Stärkelieferant für den Menschen - 23.10.2017 14:44 Uhr

Hans Herrmann Möhring wäre für den Saatgutbestand bestens vorbereitet und hofft auf die Zertifizierung zugunsten einer für die Region interessanten Naturverjüngung. © Harald Munzinger


Der Riese hat zwar auch schon für Nachwuchs gesorgt, doch zum größten Ess- oder Edelkastanienbestand hat es noch nicht gereicht, der derzeit noch als einziger zertifizierter Saatgutbestand in der Gemarkung Klingenberg bei Aschaffenburg ist.

Mit dem "Ochsenweiher", ebenfalls in der Gemarkung Emskirchen, und dem nahen "Streitwald" würde man nach Feststellung der Landesanstalt für Landwirtschaft einen ausreichend großen Saatgutbestand erreichen. Sie erfasst diese Bestände. Zudem wird die Qualität der Früchte zur Zertifizierung als Saatgut-Bestand geprüft. Auf diese hofft der Land- und Forstwirt Möhring, der dann Saatgut abgeben und für eine "exzellente Naturverjüngung" beitragen könnte.

Mit der hat Hans Herrmann Möhring auf Waldflächen schon beste Erfahrungen gemacht, auf denen durch starken Borkenkäferbefall der gesamte Nadelholzbestand gefällt werden musste. Mit einer Weinbergsfräse habe er das Saatgut eingebracht, das bestens aufgegangen sei, was für den geeigneten Boden spricht. Dr. Albrecht, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, habe sich bei einem Ortstermin von der Nachzucht und den Perspektiven begeistert gezeigt, "Borkenkäferlöcher aufzufüllen". Nun müsse der Nachwuchs mit einem Zaun geschützt werden, da die Kastanienpflanzen vom Wild als Delikatesse geschätzt seien.

"A1" ist der Stammhalter des Kastanienanbaues südlich von Gunzendorf: Mit 37 Metern der größte Kastanienbaum in Bayern. © Harald Munzinger


Einst Stärkelieferant für den Menschen

Sei die Kastanie mit ihren stärkereichen Nussfrüchten vor der Kartoffel der Stärkelieferant für den Menschen – Faustregel ein Baum deckte den Stärkebedarf eines Menschen – gewesen, habe mit der Kartoffel sowie mit der Eisenbahn deren "Niederfall" begonnen, weiß Hans Herrmann Möhring zu berichten, der für die Verbreitung des mehr in Südeuropa angesiedelten Baumes im Raum Emskirchen zwei mögliche Erklärungen hat. Beim Bahnbau in den 1860er Jahren eingesetzte Italiener könnten Samen mitgebracht, vielleicht aber auch ein Förster mit der Kastanie experimentiert haben.

In Süd- und Westeuropa war der "Brotbaum" sowohl wegen der essbaren Früchte, aber zugleich auch als Holzlieferant angebaut worden. Noch widerstandsfähiger als die Eiche, stehe halb Venedig auf Kastanienstämmen, so Möhring. Im Zusammenhang mit dem Klimawandel bezeichnet er die Kastanie als "Baum der Zukunft", da sie sowohl Wärme als auch Trockenheit standhalte.

Vom Mittelalter bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts insbesondere in den Bergregionen Südeuropas das Hauptnahrungsmittel der Landbevölkerung, hatte im 20. Jahrhundert der Kastanienrindenkrebs die Bestände stark reduziert. Inzwischen erholen sich diese wieder, wird die Kastanie auch für die Küche wiederentdeckt, allerdings weniger als Stärkelieferant, denn als Delikatesse in vielen schmackhaften Variationen.

So könnte einmal mehr von Gunzendorf aus ein Impuls für die Landwirtschaft ausgehen. Hatte der Emskirchner Ortsteil mit den Hutewaldschweinen besondere Aufmerksamkeit geweckt, fand mit Elgersdorf dieser Tage das wohl erste Sojabohnen-Dreschfest in Bayern statt. Und für den zertifizierten Kastanien-Saatgutbestand hat Hans Hermann Möhring schon "den Samen gelegt".

Vielleicht rückt ja Deutschland einmal unter die ersten zehn "Ernteländer", die nach einer Erhebung von 2006 China mit 850.000 Tonnen vor Südkorea mit 76.447 Tonnen anführen. Nach der Türkei mit 53.814 Tonnen belegten Italien mit 52.000 und Portugal mit 29.133 Tonnen den vierten und fünften, Griechenland mit 20.946 Tonnen(nach Japan), Frankreich und Spanien mit 9670 beziehungsweise 9500 Tonnen die Ränge sieben bis neun. Platz zehn nahm Nordkorea mit 8000 Tonnen ein.

Harald J. Munzinger

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