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Montag, 25.01.2021

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Infektionszahlen stark gestiegen: Landrat äußert sich

Landrat nahm im Kreisausschuss zur aktuellen Lage Stellung - 30.11.2020 19:48 Uhr

Landrat Helmut Weiß nahm besorgt zur Entwicklung der Pandemie mit immensen Herausforderungen für deren Bewältigung Stellung. Foto:o.n.

30.11.2020 © o.n.


Belegen sollten dies die aktuelle Zahl von 1231 labordiagnostisch bestätigten Corona-Fälle, von denen sich 209 aktive Infektionen in Quarantäne befinden. Nach sechs Todesfällen in der sogenannten ersten Welle im Frühjahr, sind in der zweiten weitere zehn Personen im Zusammenhang mit COVID-19 verstorben. Eine Entwicklung auch im Land, die zur Verschärfung der Regelungen zur Pandemiebekämpfung führen sollte die mit der neunten "Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung" am 1, Dezember in Kraft treten und zunächst bis 20. Dezember gelten.

Mit dieser Verordnung würden zahlreiche der bislang schon geltenden Maßnahmen - wie beispielsweise die Maskenpflicht im ÖPNV und in Schulbussen, die Schließung der Gastronomie außer für die Abgabe und Lieferung von Speisen und Getränken, die Schließung von Kulturstätten wie etwa Museen, Ausstellungen oder auch Kinos, sowie die Untersagung von Mannschaftssportarten weiter verlängert, führte der Landrat aus. Er wies auch darauf hin, dass es zu einer Verschärfung der Regelungen vor allem bei den Kontaktbeschränkungen komme.

Beschränkt sei nunmehr der gemeinsame Aufenthalt von Personen im öffentlichen Raum, in privaten Räumen und auf privaten Grundstücken ab 1. Dezember auf Personen eines Hausstandes und zusätzlich eines weiteren Hausstandes, "solange die Gesamtzahl von fünf Personen nicht überschritten wird, wobei die zu diesen Hausständen gehörenden Kinder unter 14 Jahre bei der Gesamtzahl unberücksichtigt bleiben". Weitere schärfere Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung treten bei einer Überschreitung des Wertes von 200 beziehungsweise 300 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von Sieben-Tage in Kraft. Maßgeblich hierfür sind die Werte der 7-Tages-Inzidenz, die durch das Robert-Koch-Institut veröffentlich werden.

Zeitweise Inzidenzwert 200 überschritten

Aktuell unterschreite der Landkreis nach den Ausführungen von Landrat Helmut Weiß diese Werte. Das Landratsamt werde selbstverständlich über die weiteren Entwicklungen und Maßnahmen informieren. Der Inzidenzwert bewege sich bereits seit einiger Zeit im Bereich von über 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern, lag zeitweise sogar auf über 200.

Der Landrat ging auch darauf ein, dass nun vermehrt Senioren- und Pflegeeinrichtungen im Landkreis betroffen seien. So sei "in der Hospitalstiftung in Bad Windsheim, im Marie-Juchacz-Heim in Neustadt sowie in der Kiliani-Klinik in Bad Windsheim jeweils ein größerer Ausbruch zu verzeichnen gewesen". Ebenso seien derzeit in einigen Schulen und Kindertageseinrichtungen einzelne Klassen und Gruppen in Quarantäne.

Die Zahlen der Kontaktpersonen seien damit auch weiterhin sehr hoch. Aktuell haben wir insgesamt 3447 Kontaktpersonen der Kategorie 1 und 670 aktive Kontaktpersonen der Kategorie 1, berichtete Weiß. Die Pandemie fordere die Verwaltung deshalb immer stärker. Die Ermittlung, Unter-Quarantänestellung und Betreuung der positiv getesteten Personen sowie der Kontaktpersonen seien "jeweils riesige Aufgabenbereiche". Dazu kämen nun regelmäßig Reihentestungen, die für die Einrichtungen vorgenommen werden müssten.

Auch die Versendung von Bescheiden (z.B. häusliche Absonderung) oder der Erlass von ergänzenden Allgemeinverfügungen, die ständig neuen Regelungen und damit verbundenen Aufgaben und Fragen, die von Bürgern kommen, würden enorme Arbeitskräfte binden. Das gelte auch für das Bürgertelefon, das Bürgerfragen in den Bereichen Recht, Gesundheit und Wirtschaft beantworte. Es werde weiterhin stark nachgefragt. Allein im "Bereich Recht" seien bis letzte Woche über 5.600 Anfragen eingegangen.

Ein enormer Kraftakt zu bewältigen

"Dazu kommen zahlreiche Anfragen vor allem im Bereich Gesundheit und im Bereich Wirtschaft", so Weiß. Über das Telefon des Corona-Testzentrums seien seit der 39. Kalenderwoche bis zur vergangenen Woche über 4.300 Telefonanrufe bearbeitet worden. Wie man an der Anzahl der Telefonate sehe, sei auch der Betrieb des Corona-Testzentrums in Neustadt "weiterhin ein Kraftakt. Es läuft nun seit Montag, 7. September, an allen Werktagen. Bei den täglichen Abstrichnahmen unterstützen uns abwechselnd jeweils zwei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des örtlichen Arbeiter-Samariter-Bundes sowie des örtlichen Bayerischen Roten Kreuzes. Bis heute wurden 2538 Personen getestet. 65 Testergebnisse waren bisher positiv.

Insgesamt sind nach Mitteilung von Landrat Weiß aktuell 57 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamtes im Corona-Einsatz, davon 15 stundenweise. " Glücklicherweise haben wir inzwischen viel Unterstützung bekommen. Neben den fünf Kräften für das CTT und drei Hygienekontrolleuren, sind viele Unterstützungskräfte dazugekommen: zwei Mitarbeiterinnen des Robert-Koch-Instituts, 13 Ad-Hoc-Unterstützungskräfte, davon sieben von der Polizei und sechs aus anderen Ressorts (Verwaltungskräfte). Dazu kommen ein CTT-Reservist, eine Verwaltungskraft aus dem Hauptzollamt, drei Personen vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen sowie insgesamt zwölf Soldaten der Bundeswehr, davon zehn in der Kontaktpersonennachverfolgung und zwei im Sanitätsdienst".

Ohne Unterstützung nicht zu bewältigen

"Für diese Unterstützung sind wir äußerst dankbar! Ohne sie könnten die notwendigen Maßnahmen gar nicht geleistet werden", führte Weiß aus. Weitere Unterstützung komme ab 1. Dezember durch den Freistaat. Hier seien Neueinstellungen von einer Ärztin, neun CTT-Sachbearbeiter sowie vier Verwaltungskräfte geplant. Außerdem würden dem Landkreis bis auf Weiteres auch noch zwei CTT-Sachbearbeiter der Einsatzgruppe der Regierung von Mittelfranken

zur Unterstützung zugewiesen. Die Bewerbungsphasen und die Einstellung der Kräfte sowie die Bereitstellung der Infrastruktur – EDV und Telefon seien ein weiterer Kraftakt, den es derzeit zu bewältigen gebe.

Das Landratsamt platze hier nochmal mehr aus allen Nähten. Man habe deshalb das benachbarte Blockschülerwohnheim mit Arbeitsplätzen zur Pandemiebewältigung ausgestattet. Nicht zu vergessen sei die Einrichtung des Impfzentrums für den Landkreis als großer Arbeitsbereich. Weiß zeigte sich dankbar, dass man dies im Bad Windsheimer KKC einrichten könne (NN-Online berichtete) und von dessen Geschäftsführer Mike Bernasco starke Unterstützung erfahren habe. Jetzt könne man beginnen, sich um die Einrichtung der Infrastruktur, der Räumlichkeiten, der Kühlmöglichkeiten und der Organisation des Personals zu kümmern. Der Landrat: "Wir stehen bereits mit den bewährten Hilfsorganisationen des Landkreises in Verbindung, dem ASB und dem BRK, die hier wieder zur Verfügung stehen. Auch dies ist noch viel Arbeit, die wir zu tun haben".

Pandemie wird weiter stark beschäftigen

Es sei derzeit schwer einzuschätzen, wie sich die Pandemie-Lage entwickle. Prinzipiell gehe er davon aus, "dass sie uns weiterhin eine geraume Zeit stark beschäftigen und unsere Kräfte binden wird", so Weiß. Diese Leistung habe ihren Preis. Das Personal im Landratsamt sei normalen Zeiten schon auf Kante genäht. Es sei in diesen Pandemie-Zeiten "schier unmöglich, den regulären Betrieb im gewohnten Umfang aufrecht zu erhalten". So lasse es sich unter anderem nicht vermeiden, dass gewisse Dienstleistungen oder Genehmigungen für unsere Bürgerinnen und Bürger länger dauerten. Gewisse Bereiche würden auf ein Mindestmaß heruntergefahren. Für entstehende Einschränkungen des regulären Dienstbetriebs bat der Landrat um Verständnis und dankte seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für "ihre großartige Arbeit". Ebenso allen weiteren Institutionen, den Schulen, den Kliniken des Landkreises, den weiteren Krankenhäusern und Kureinrichtungen, den Rettungskräften und Hilfsorganisationen für eine "immer ausgezeichnete Zusammenarbeit". immer ausgezeichnet.

"Wir werden auch auf längere Sicht noch viel zu tun haben mit der Pandemie. Sie wird auch weiterhin viele Arbeitskräfte binden und Mitteleinsatz erfordern. Die Zahl der Neuinfektionen ist weiterhin hoch", führte Landrat Weiß besorgt aus und ging auf die neue Verordnung ein, mit der jetzigen Maßnahmen verlängert würden und es, wie berichtet, an der ein oder anderen Stelle noch Verschärfungen gebe. Er rief dazu auf, "weiter so gut zusammen zu arbeiten, sowie die Maßnahmen und Regelung zu beachten, um die Pandemie mit möglichst wenigen Betroffenen zu überstehen". Aufgrund der Corona-Pandemie schlug er vor, dass alle Reden zum Haushalt 2021 in der Kreistagssitzung am 18.Dezember auf maximal zehn Minuten beschränkt werden.

nb

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