Jägerverein Neustadt bläst zur Waldrettung

6.11.2019, 16:38 Uhr
Stefan Schopf (l.) stellte die Eckpfeiler eines

Stefan Schopf (l.) stellte die Eckpfeiler eines "ausgefeilten Jagdkonzeptes" vor, mit dem der BJV zur Rettung der Wälder beitragen möchte. © Harald Munzinger

Über das große Interesse daran, freute sie der Vorsitzende der Kreisgruppe, Walter Billmann, der mit der Jagdhornbläsergruppe den Willkommensgruß im gut besetzten Saal der Wilhelmsdorfer "Brennereistuben" auch nach alter Jagdtradition übermittelte. Dieser galt insbesondere Dr. Ludwig Albrecht als Förster und Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, dem stellvertretenden BBV-Kreisobmann Heinz Weißkopf, Richard Höfler von der Unteren Jagdbehörde und dem Referenten Stefan Schopf.

Der gehört dem vom Bayerischen Landesjagdverband (BJV) gegründeten "Arbeitskreis Waldumbau, Klimawandel und Jagd" an. In diesen bringen Fachleute aus dem Forst, Waldbesitzer und Jäger ihr Wissen ein. Er stellte die wichtigsten Eckpfeiler eines "ausgefeilten Jagdkonzeptes" vor, mit dem der BJV die Waldbesitzer in extrem schwerer Zeit eines sich durch Hitze und die Trockenheit zuspitzenden Waldsterbens begleiten. Dass Jäger und Waldbesitzer als Partner den Waldumbau umsetzen müssten, ist dabei ein Grundsatz und für Dr. Albrecht der "Wunsch einer großen Solidarität", geprägt davon, "gemeinsam das Positive zu erarbeiten". Die Forstverwaltung stehe dabei beratend zur Seite. Wie der Wald künftig aussehe, dem es nach übereinstimmenden Kommentaren "sehr schlecht geht"? Ob er sich vom Wirtschafts- zum reinen Naturwald entwickle und wo die Jagd in diesem Prozess stehe, stellte Billmann die besorgte Frage, die alle Beteiligten angesichts der Auswirkungen der Trockenheit mit massenweisem Bausterben Schädlingsbefall umtreibt. Zum Waldumbau gezwungen, ist dieser noch mit vielen Zweifeln behaftet, welche Baumarten dafür tatsächlich geeignet sind.

Mut zu Versuchen auf kleinen Flächen

Dr. Albrecht nannte dazu unter anderem die Schwarzkiefer, den Baumhasel, die Tanne, die Libanonzeder oder die Douglasie, Eichen oder Rotbuchen und machte Mut zu Versuchen auf kleinen Flächen. Er begrüßte den Vorschlag des Jagdverbandes von regelmäßigen runden Tischen und riet Jägern wie Waldbesitzern zu gemeinsamen Waldbegängen, um die jeweiligen Interessen im Sinn eines gesunden, artenreichen Waldes abzustimmen. Dazu bot er die Begleitung des Amtes an und verwies auf die Vegetationsgutachten als Basis.

Aus dem abgestimmten Jagdkonzept nannte Stefan Schopf die "Schaffung von Ruhezonen im Wald, in denen das Wild nicht gestört wird" und die "Einhaltung von Ruhezeiten auch während der Jagdzeit mit Intervalljagd" ebenso als Ziele, wie eine "Besucherlenkung", um die Unruhe im Wald zu minimieren; alles Maßnahmen, die sich auch auf den Verbiss auswirken sollten. Die Schwerpunktbejagung in den Forstkulturen, Lebensraum verbessernde Maßnahmen oder hochwertige Biotopflächen, vor allem auch an den Waldrändern sowie "Maßnahmen zur Innenraumgestaltung des Waldes" mit "deckungsreichen Strukturen auch in der Flur" waren weitere Stichworte.

Ablenkungsfütterungen gescheitert

Schopf sprach auch eine "Kraut- und Strauchvegetation" und eine "Ablenkungsfütterungen" an, die Dr. Ludwig Albrecht allerdings als bisher überall gescheitert bezeichnete, während er ansonsten im abgestimmten BJV-Konzept viele Gemeinsamkeiten für Jäger und Waldbesitzer ausmachte. Naturverjüngungen 2015 und 2018 hätten ein wertvolles Potenzial erkennen lassen, so Dr. Albrecht, der in der "Eiche eine Grundbaumart der Zukunft" und die "Kiefer nicht komplett verschwinden" sah.

BBV für erhöhte Abschusszahlen

Heinz Weißkopf verwies im Widerspruch zu Situationsanalysen von Stefan Schopf auf die kleineren Strukturen in Franken, denen man "kein Konzept aus Oberbayern überstülpen" könne. Er beklagte den Freizeitdruck auf den Wald, betonte die Notwendigkeit einer nachhaltigen Bewirtschaftung des Waldes als CO2-Speicher und wollte die Abschusszahlen erhöht sowie den Wildschutz beim Mähen verbessert wissen. Der Forderung des Zusammenwirkens bei der Rettung des Waldes stimmte Walter Billmann seitens der Jägerschaft gerne zu, da es "ohne Wald kein Wild" gebe. Man sei interessiert und bemüht die Abschusspläne zu erfüllen und wolle mit den Waldbesitzern "an einem Strang am gleichen Ende ziehen".

Bei der Forderung von Ministerpräsident Dr. Markus Söder, der Wald solle primär nicht mehr der Gewinnerzielung sondern dem Klimaschutz und der Artenvielfalt dienen, hat sich der BJV auf die Seite der privaten Waldbesitzer gestellt, die vom Holzverkauf leben und denen ein Wirtschaften natürlich weiterhin möglich sein müsse. Deshalb fordert er, dass Privat- und Staatswald gesondert betrachtet werden sollten. Dem Staatswald komme dabei "vor allem eine Vorbildfunktion zu. Dort müssen die Schwerpunkte auf Ökologie und Klimaschutz, Arten- und Naturschutz, und die Funktion des Waldes als CO2-Speicher gelegt werden". Am Freitag, 8. November, lädt der Jägerverein Neustadt/Aisch und Umgebung zur "Hubertusmesse" ein. Sie findet in der evangelischen Stadtkirche in Neustadt statt und beginnt um 19 Uhr.

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