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Dienstag, 25.06.2019

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"Jazz an einem Oktoberabend": Musikvergnügen in Altheim

Veranstaltung im Zauberkeller traf exakt den Nerv des Publikums - 13.10.2015 18:45 Uhr

Rehan Seyd (l.) gastierte mit seinem Ensemble im "Altheimer Zauberkeller" und sorgte für einen furiosen Jazz-Oktoberabend" in alter AZK-Tradition. © Harald Munzinger


Es war wie immer: eng auf der Bühne und eng "im Saal". Und doch war es anders. Der "Altheimer Zauberkeller" hat sich verwandelt. Seine Wände erzählen illustriert, was sich in diesem kleinen Raum abgespielt hat, der sich mit großen Namen nicht nur in der Magie - Weltmeister finden sich im Gästebuch - verbindet, sondern auch mit geistreichem Kabarett ohne den heute üblichen Comedy-Touch oder musikalischen Höhepunkten.

Einen solchen erlebten nun auch die Gäste des Jazzabends, an dem die Gastgeber Brigitte und Karlo Reichel so lange wie möglich festhalten wollen, sich damit zumindest einmal im Jahr im "AZK" mit seinem unvergleichlichen Charme und Flair der Vorhang öffnet. Diesmal für das "Rehan Syed Ensemble", das die Gäste mit seiner ganz eigenen Art des Gypsy Jazz begeisterte.

Der Titel "von Djano bis Tango" sollte den Einfluss von Django Reinhardt auf den Bandleader und Komponisten Rehan Syed deutlich machen, der das Debutalbum seines Quartetts als Hommage an den großen Meister einspielte, der als erster Vertreter dieser Jazzrichtung Weltruhm erlangt hatte. Und Seyd besetzte sein Sinti-Swing-Quartett auch in der Tradition von Django Reinhardt, erwies ihm mit einigen seiner besten Kompositionen die Ehre.

Doch der Sologitarrist Rehan Syed hat auch einen eigenen Stil entwickelt, lässt in seine Kompositionen unterschiedliche musikalische Stilrichtungen einfließen, Walzertakte anklingen, in Tangoschritt wiegen oder im rasanten Bossa seine Combo über die Saiten von Violine (Thomas Buffy), Rhythmusgitarre (Alex Bomba) sowie Kontrabass (Simon Ort) wirbeln. Jeder ein Virtuose, der seinem Instrument ungeahnte Töne zu entlocken versteht, etwa wenn Thomas Buffy seine Geige streicht oder streichelt, zupft, tupft oder auch mal klopft.

Spielerische Leichtigkeit und bestechende Perfektion

Das Ensemble versteht sich nicht nur mit spielerischer Leichtigkeit und bestechender Perfektion auch das Wechselspiel der munter kommunizierenden Instrumente, sondern trifft mit emotional-swingenden "Jazz an einem Oktoberabend" exakt "den Nerv des Publikums". Immer wieder reagiert dieses auf die Darbietungen mit einem Aufschrei der Begeisterung.

So will es denn auch Rehan Syed und sein Ensemble auch dann noch lang nicht von der Bühne gehen lassen, als sich Brigitte und Karlo Reichel für das musikalische Feuerwerk mit einem funkensprühenden Präsent bedankten. Da wurde bei den Zugaben noch zu den ohnehin schon faszinierend schnellen Griffen und Läufen der "Turbo" gezündet und schließlich für einen romantischen Ausklang gesorgt.

Dass im "Zauberkeller" auch die Pause ein Genuss ist, hat bei Brigitte Reichel Tradition. Und so war es mal wieder, wie immer ein besonderes Erlebnis am Altheimer Zauberberg, der noch lange seine Magie auf die Kulturszene der Region ausstrahlen mag. Auch wenn es "nur noch" an einem Jazz-Oktoberabend ist.

Mit Rehan Seyd und seinem Ensemble gastierte ein Quartett mit brillant-virtuosem Sinti-Swing im "AZK", von dem man in der Gypsyjazz-Szene sicher noch viel hören wird, die in den 70-er und frühen 80-er Jahren ihre größte Popularität hatte und nach einer "ruhigeren" Zeit gegenwärtig im deutschsprachigen Raum eine prickelnde Renaissance erlebt. 

Harald J. Munzinger

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