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Jugend erfuhr beim Klimastreik breite Unterstützung

Politik zum Handeln treiben - "Gier und Geld als Ruin der Welt" - 20.09.2019 19:49 Uhr

Der Jugend schlossen sich beim Klimastreik in Neustadt viele Erwachsene an und unterstützten ihre engagierte Forderung zum „Klimaschutz jetzt!“ © Harald Munzinger


Immer wieder wurde diese Forderung auf dem Demonstrationszug vom Schulzentrum zum Marktplatz im lautstarken Chor skandiert und an die Passanten auf der Wegstrecke appelliert, „nicht zu klotzen“, sondern sich einzureihen. Das hatten viele auch ohne diese Aufforderung getan und sich schon zum Start eingefunden, bei dem Alena Lautner mit ihrem selbst geschriebenen und komponierten Song deutlich machte, dass „die laute Stimme der Vernunft“ nicht mehr zum Schweigen gebracht werden kann.

Diese Stimme wurde bei 5500 Aktionen in 149 Ländern sowie in 600 Orten in Deutschland an diesem Freitag erhoben, um die Sorge insbesondere der Jugend um ihre Zukunft auf einem noch lebenswerten Planeten zum Ausdruck zu bringen. Für diese zeigten auch zahlreiche Teilnehmer an der Kundgebung auf dem Marktplatz Verständnis, teilten sie und unterstützten die Forderung zum „Wandel beim Klimawandel“ an die Politik. Dies hatten sich die Organisatoren so gewünscht, hatten aber nicht mit einem so überwältigenden Rückhalt gerechnet. So fiel denn auch das Fazit nach dem reibungslosen Ablauf des von der Polizei begleiteten Protestmarsches und der Kundgebung mit einigen deutlichen Kommentaren rundum zufrieden aus.

Vom Friday zum Everyday!

Das konnte auch ein „Zwischenruf“ mit dem Vorwurf nicht ändern, dass mit der Friday for Future-Bewegung „der Standort Deutschland komplett ruiniert“ werde, man offenbar gar nicht wisse, „was man anrichtet und so dumm gar nicht sein kann“. Der Kritiker war in der mit heftigem Unmut reagierenden Menge rasch verschwunden, aus der es breite Zustimmung für den richtigen Weg mit der Aufmunterung gab, diesen konsequent weiter zu gehen, aus dem Friday ein „Everyday“ zu machen. So sollte der Druck auf die Politik hoch gehalten werden, die viel zu lange dem Klimawandel, der „Plünderung der Natur“ und „Vergewaltigung der Erde“ tatenlos zugesehen, sie der Profitgier geopfert und dabei ihrem Schicksal überlassen habe.

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"Klimaschutz jetzt!": Fridays-for-Future-Demo in Neustadt

Die bislang größte Fridays-for-Future-Demo in Neustadt wurde zum gewünschten generationenübergreifenden Appell für den "Klimaschutz jetzt!". Die Organisatoren konnten sich über einen alle Erwartungen übertreffenden Erfolg ihres Aufrufes freuen, dass sich „alle Generationen“ der Jugend anschließen sollten, und auch darüber, dass ihre Initiative breite Zustimmung fand, die Sorge um die Zukunft des Planeten bewusst zu machen.


Die Folgen wurden mit Dürren, Stürmen, Bränden und Überschwemmungen drastisch beschrieben und als Konsequenz prognostiziert, dass die Umweltkatastrophen und Bürgerkriege um die Lebensgrundlagen bis Mitte des Jahrhunderts „mehrere Hundert Millionen Menschen zwingen werden, ihre Heimat zu verlassen“. Sie habe keinen Bock mehr, dass die ganze Welt auf ihren Schultern laste, und mit den Ängsten aufzuwachen, ob sie noch lebenswert ist, brachte es die Jugend zum Ausdruck, die sich einmal nicht vorwerfen lassen will, vor ihrer Verantwortung davon gelaufen zu sein. Es gehe hier um „keine Unannehmlichkeiten, sondern um echte Katastrophen“, die an Beispielen und Schicksalen deutlich gemacht wurden. „Anstrengen statt abhängen“ war die klare Absage an ein „weiter so“ mit der Forderung „Fällt Entscheidungen statt Bäume“.

Weckruf der Jugend gewürdigt

ÖDP-Kreisvorsitzender Jürgen Osterlänger dankte Greta Thunberg und der Friday for Future-Bewegung für den Weckruf, ohne den man jetzt nicht auf dem Marktplatz stehe. Er warb für den „ökologischen Fußabdruck als Maßstab für das Alltagshandeln“ und „öko-logische neue Wege“ mit dem geplanten „Landkreis im Wandel“. Kreisvorsitzende Karin Eigenthaler sah von der Jugend auch das zentrale Anliegen des BN mit dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen und dessen Wunsch nach einer intakten Welt vertreten. Die Folgen der intensiven Sonne, der ausgetrockneten Böden und Schäden durch Starkregen sowie immer unüberschaubarer Hochwasser ließen sich nicht so einfach reparieren, wie es die Politik glauben lassen wolle.

Man wolle endlich Taten sehen, skandierte es die Menge, die beim „Hoch auf den Klimaschutz“ Hände und Transparente in die Höhe reckte und beim „runter mit der Kohle“ in die Knie ging. Ein älterer Teilnehmer der von Fiona Rauner moderierten „Talk-Runde“ nahm mit seiner Generation die Verursacherrolle für den Klimawandel auf sich, ein anderer forderte den Strukturwandel mit dem Stichwort Nahverkehr, den Abschied vom Wachstumsdenken, die ressourcen- und umweltschonendere Herstellung langlebigerer Produkte und auch die Rückbesinnung der Verbraucher auf durchaus ausreichende geringere Bedürfnisse.

„Nicht reden – machen!“

„Jetzt oder nie“ hallte die Forderung der Demonstranten durch die Innenstadt, die auf ihren Transparenten den Verpackungsmüll anprangerten, „Klimaschutz statt Kohleschmutz“ anmahnten, „Gier und Geld als Ruin der Welt“ ausmachten, Klimaschutz, Ethik und Verantwortung im Jahreszeugnis eine glatte sechs verpassten oder „nicht reden – machen“ forderten. Nachdem die Friday for Future-Kundgebungen nach dem Unterricht stattfinden konnte der Aufruf nur an die ältere Generation gerichtet „für unser Klima zu schwänzen“…die Arbeit eben. Breite Unterstützung beim Klimastreik gab es von zahlreichen Organisationen mit dem Appell gemeinsam auf die Straße zu gehen, um die Klimakrise zu stoppen: „Wenn wir alle zusammenstehen, können wir die Regierung zum Handeln treiben“.

Harald J. Munzinger

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