Sonntag, 08.12.2019

|

Kleinod der offenen Denkmale in Münchsteinach

Am Sonntag gibt es wieder Geschichte zum Anfassen - 13.09.2014 10:07 Uhr

Manch kurios anmutende Gerätschaft führt Gisela Wagner den Besuchern ihrer "hauswirtschaftlichen Sammlung" vor. © Harald Munzinger


Von 14 bis 17 Uhr kann man in Münchsteinach am Sonntag, 14. September, im Dach des Anwesens der Familie Wagner in der Neustädter Straße 17 auf eine Zeitreise gehen. Auf der werden sich ältere Besucher an die eigene Jugend erinnern und jüngere staunen, wie die “Altvorderen” in ländlichen Haushalt gelebt hatten, unter deren Bett der Nachttopf mit Deckel so üblich war, wie der Aussteuerschrank, die sorgsam behüteten Sammeltassen oder dekorativen Patenbriefe.

Als “privates fränkisches Museum mit Handwerks- und Haushaltssachen aus Omas Zeiten” ist die kleine Welt in einem Bauernhaus zwischen 1900 und Mitte des letzten Jahrhunderts in der Übersicht zum “Tag des offenen Denkmals” beschrieben. Nur darf sich nicht Museum nennen, was das Fenster in die Vergangenheit einen breiten Spalt öffnet.

“Nomen est omen”

Dann lädt sie eben an jedem letzten Sonntag in den Sommermonaten in eine “private hauswirtschaftliche Sammlung”, lacht Gisela Wagner über die manchem Gast kleinlich anmutende Auslegung und weicht am 14. September von der Regelöffnungszeit ab. “Nomen est omen”, spielt die Bezeichnung dessen, was aus der Familie aufbewahrt worden war und sich über Jahrzehnte an Gerätschaften aus früherer Zeit ansammelte, für beeindruckte und begeisterte Besucher keine Rolle.

Die melden sich in Gruppen auch “unter der Zeit” an und erhalten eine Führung, bei der jedes Exponat eine Geschichte zu erzählen hat. Mit Blick auf die 1100-Jahr-Feier Münchsteinachs hatte sich Gisela Wagner mit einigen hilfreichen Geistern ans Werk und aus dem Hopfenboden eine gute Stube gemacht, in der es auf weiträumigen 150 Quadratmetern in den Themennischen unendlich viel zu entdecken gibt.

Im Computerzeitalter kaum mehr vorstellbar: die "gute, alte" Schreibmaschine. Eine vieler Stationen auf einer Zeitreise am "Tag des offenen Denkmals". © Harald Munzinger


Immer wieder erhalte sie Gegenstände aus Nachlässen, die man in der Sammlung gut aufgehoben wisse, berichtet die im gesellschaftlichen und kulturellen Leben umtriebige Gisela Wagner, die auch gerne Gastgeberin von Musikabenden oder anderen Veranstaltungen im besonderen Ambiente ist. Auch wenn in der guten alten Zeit sicher nicht alles Gold war, was heute als Haushaltsschätze auf dem Dachboden glänzt, so vermittelt die Sammlung etwas von dem, was auf den Überhang am Handtuchhalter gestickt war: “Trautes Heim, Glück allein”.

Die Qual der Wahl

Das Kleinod im Steigerwaldort fügt sich in eine Vielzahl von Angeboten, die am “Tag des offenen Denkmals” die Wahl schwer machen, was man auf der Exkursion in die (Heimat-)Geschichte besuchen möchte. So wird in der vor über 400 Jahren geweihten St. Jakobus-Kirche in Altmannshausen (Mart Bibart) bei Führungen um 10.30 und 12 Uhr über zahlreiche Veränderungen am Gotteshaus berichtet werden, finden in Bad Windsheim von 14 bis 16 Uhr Führungen im „Archäologischen Fenster“ mit seinen bedeutenden Ausgrabungen aus der Gründerzeit Windsheims statt. Um 15 Uhr beginnt eine Stadtführung am Rathaus-Durchgang und von 14 bis 16 Uhr lohnt es der weite Blick ins Aischtal auf den Turm der St. Kilianskirche zu steigen.

Eine zwei- bis dreistündige Wanderung in Burgbernheim zum Thema "Alte Fahrbahnen südlich von Burgbernheim" führt vom Oberen Bahnhof (Beginn 14 Uhr) zu den Resten eines frühmittelalterlichen Fernwegesystems (vor 1000 nach Christus) mit dazugehörigen Wehranlagen. Von 12 bis 18 Uhr finden Führungen auf Burg Hoheneck (Ipsheim) statt, in deren Hof bei einem Bücherflohmarkt Literatur zum Kilopreis angeboten und ein Kinderflohmarkt mit Bastel- und Spielaktionen verbunden sein wird. Bei Kaffee und Kuchen ist zudem für gemütliche Stunden im Burghof gesorgt.

Von 14 bis 16 Uhr können sich Besucher in Diespeck (Bamberger Straße 22). alle 30 Minuten Führungen in einem vorbildlich renovierten Bauernhaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts mit reicher farbiger Innengestaltung anschließen. An der Straße Diespeck-Dettendorf führt Fachbuchautorin Ilse Vogel um 14 und 16 Uhr über den Jüdischen Friedhof, die Begräbnisstätte der jüdischen Bürger aus den Gemeinden Diespeck und Pahres von 1786 - 1938.

Schwerpunktthema Farbe

Zum 1100-jährigen Dorfjubiläum werden in Hemmersheim vielfältige Aktionen stattfinden, von 11 bis 18 Uhr die Höfe geöffnet sein. Schon um 9.30 Uhr wird zum Festgottesdienst eingeladen. Danach wird zu diversen Führungen und Vorführungen eingeladen. Festes Schuhwerk, eine Kopfbedeckung und Taschenlampe werden zu Führungen um 11 und 14 Uhr im Historischen Felsenkeller in Linden (Markt Markt Erlbach) empfohlen. Der Treffpunkt zu den Führungen durch die 250 Jahre alten Keller ist vor dem Gasthaus Rangau in der Ortsmitte (früher Brauerei und Gasthaus "Zum Wilden Mann"). Das Thema der Führung durch Markt Erlbach lautet "Ob Stein, Holz oder Glas - farbiges Mittelalter“, was dem Schwerpunktthema Farbe des Denkmaltages 2014 entspricht. Die Führung beginnt um 13 und 16 Uhr am markanten Markt Erlbacher Torhaus.

Im aufwändig sanierten barocken Gebäude Ludwigstraße 11 in der Kreisstadt, heute Sitz der Musikschule im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, erläutern bei Führungen um 11 und 14 Uhr der Restaurator und planende Architekt umfangreiche Befunduntersuchungen zu den ursprünglichen Farbgebungen.

Das Seckendorffsche Schloss in Rockenbach (Gemeinde Gutenstetten) hat eine wechselvolle Geschichte. Seit 1968 hat das „Landschlösschen“ mit der Bildungsstätte des Verbandes der Christlichen Pfadfinder, Landesverband Bayern, eine sehr gute Nutzung gefunden. Interessante Informationen versprechen Führungen (nach Bedarf) ab 14 Uhr.

Ab 11 Uhr wird am „Tag des offen Denkmals“ in die ehemalige Schlossgaststätte mit Dokumenten zum Fürstenhaus Schwarzenberg sowie einer Sonderausstellung mit Illustrationen und Textildesigns der Nürnberger Künstlerin Gerdi Howerka eingeladen. In der ehemalige Schafscheunen (jetzt Heimatmuseum) von Sugenheim werden in einer Ausstellung von 13 bis 17 Uhr die Geschichte der Schafscheune und die Bestände des Heimatmuseums gezeigt. Schließlich lädt noch im Uehlfelder Torhaus - 2012/13 aufwändig saniert - der Kulturverein „Bänkla“ von 14 bis 17 Uhr zu Führungen sowie zu Kaffee und Kuchen ein.

Harald J. Munzinger

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Münchsteinach