Sonntag, 09.05.2021

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Klinik Neustadt: 22 Millionen Euro investiert

Neuer multifunktionaler Komplex eingeweiht - 23.04.2021 20:07 Uhr

Mit den Chefärzten Dr. Gerhard Wasmeier (l,) und Ruth Gröger (r.) durchschnitten Klinikvorstand Stefan Schilling (Mitte) und Landrat Helmut Weiß (2. v. r,) das symbolische Band. Foto: Benjamin Maier

23.04.2021 © Benjamin Maier


Klinikvorstand Stefan Schilling hatte schon lange die Tage gezählt, bis nun endlich der dreistöckige Neubau mit 5600 Quadratmeter Gebäudefläche neben der Kreis-Klinik Neustadt in Betrieb genommen werden konnte, war doch dessen Einweihung schon im Sommer letzten Jahres vorgesehen. Ein Plan, den Corona und die üblichen Bauverzögerungen durchkreuzten, was gerade in Zeiten knapper Intensivbetten ein Dilemma sein sollte, „Jetzt geht der Blick aber nach vorn“, wurde bei der Einweihung des Projektes im kleinen Kreis betont wurde. Schon am 2. November 2017 hatte für dieses der Spatenstich stattgefunden. 22 Millionen Euro stecken in dem Gebäude, 18 Millionen davon als Fördergelder, 2,5 Millionen aus der Landkreiskasse. Den Rest trägt nach Auskunft von Kliniksprecher Benjamin Maier das Kommunalunternehmen.

Ergebnis der lohnenden Investition sind im Obergeschoss eine nagelneue Intensivstation mit 24 statt bisher 15 Betten, mehr Beatmungsmöglichkeiten sowie einige Isolierzimmer mit Patienten- und Personalschleuse beispielsweise für Patienten mit ansteckenden Infektionen. Das Erdgeschoss beherbergt eine Notaufnahme, die dem aktuellen Stand der Technik standhält und mit Schockraum, vier großen Behandlungszimmern und zehn Überwachungsplätzen mit Monitoring­Möglichkeiten. Deutlich geräumiger als bisher in die Notfallaufnahme.

Abläufe werden verbessert

Mit dem Neubau könne die Klinik ihren PatientInnen eine deutlich bessere medizinische Versorgung bieten und auch für Mitarbeiter dürften die Abläufe angenehmer werden, hofft Vorstand Schilling, der sich nicht nur über neue Kapazitäten auf der Intensivstation mit angeschlossener Intermediate-Care freut, sondern auch die neue Notaufnahme mit dann zehn eigenen Betten begrüßt. Neben Notaufnahme und Intensivmedizin zieht die Rettungswache des bayerischen Roten Kreuzes in den Neubau ein. Die Bezirkskliniken Mittelfranken betreiben bereits seit Januar ihre Institutsambulanz für Kinder- und Jugendpsychiatrie im neuen Gebäudekomplex. „Das hat den Charme, dass Rettungsdienst, Notarzt und Notaufnahme sich unter einem Dach befinden und jeweils über kurze Wege erreichbar sind“, so Stefan Schilling, der mit Landrat Helmut Weiß sowie Führungskräften der Klinik den „Bandschnitt“ symbolisch dafür ausführte, dass jetzt der Weg für die Nutzung des Klinikneubaues frei ist.

„Zu Beginn der Corona-Pandemie hätte uns der Neubau sehr geholfen“, erklärte dabei Ruth Gröger, Chefärztin der Abteilung für ­Anästhesie und Intensivmedizin. Weil Intensiv-Kapazitäten für mögliche Corona-Fälle freigehalten werden mussten, konnten einige planbare Operationen auch nach der ersten Lockerung nicht oder nur eingeschränkt durchgeführt werden. „Mit den zusätzlichen Betten, hätten wir das gut stemmen können“, bedauert die Ärztin rückblickend, freut sich nun aber umso mehr über eine höhere Anzahl an Betten und auch eine höhere Anzahl an Beatmungsplätzen.

Weithin sichtbar ist der gelb-grüne Neubaukomplex der Klinik Neustadt, in den 22 Millionen Euro investiert wurden.

23.04.2021 © o.n.


Zusätzliche Sicherheit in der Patientenversorgung

„Wir können bei Patienten mit Nierenversagen selbst eine konstante Nierenwäsche durchführen“, beginnt Ruth Gröger begeistert ihre Aufzählung. „Wir bekommen spezielle Zimmer für Patienten, die aufgrund von Infektionen oder Keimen isoliert werden müssen.“ Das betrifft zurzeit vor allem Corona-Patienten, die mit einer Schleuse versehenen Zimmer sind aber ebenso für Menschen mit MRGN, MRSA oder Influenza vorgesehen. Auch die technische Ausstattung befindet sich auf dem aktuellsten Stand der Medizin, was zusätzliche Sicherheit in der Patientenversorgung verspricht.

Ein ganz besonderes Highlight ist für Ruth Gröger außerdem eine vom Landkreis geförderte Lichtanlage. Diese simuliert digital steuerbar Tageslicht, das angepasst an den natürlichen Sonnenverlauf langsam heller und dunkler werdend Tag und Nacht nachspielt. Zuschaltbares farbiges Licht soll zur Beruhigung der Patienten beitragen, zum Beispiel am Abend zum Einschlafen. „Das ganze dient der Delirprophylaxe“, erklärt die Intensivmedizinerin. „Patienten, die lange Zeit auf der Intensivstation verbracht haben, leiden zum Teil noch Wochen später an Wahrnehmungsstörungen, sind verwirrt oder unruhig“. Neben dem durchdachten Lichtkonzept freut sie sich besonders über einen extra Raum, in dem ungestörte Gespräche mit Angehörigen möglich sind. „Das wird zunehmend wichtiger“, so Gröger. „Es gibt mehr ältere Patienten, deren Angehörige Entscheidungen im Sinne des Patienten treffen müssen. Teils liegen Patientenverfügungen vor, teils aber auch nicht. Solch ernste und wichtige Themen ließen sich schwer auf dem Flur zwischen Tür und Angel besprechen.

Insgesamt ist die Chefärztin schon länger „mehr als bereitfür den Wechsel ins neue Gebäude. Es ist an der Zeit, umzuziehen. Wir hatten schon vorher eine Patientenversorgung auf hohem Niveau. Mit dem Neubau wird sie noch besser. Daher freue ich mich darauf, dass es jetzt losgeht.“

Weit über den Niveau der Grund- und Regelversorgung

„Wir verfügen am Standort Neustadt/Aisch über ein hochmodernes Krankenhaus, weit über dem üblichen Niveau der Grund- und Regelversorgung“, wurde bei der Einweihung des Neubaues der Mehrwert für den Landkreis betont. Durch die Investition in eine moderne Gesundheitsinfrastruktur sei eine „exzellente medizinische Versorgung im Landkreis im Sinne des Versorgungsversprechens sichergestellt“. Die aktuelle Pandemie habe gezeigt, „wie wichtig die Versorgung vor Ort ist, insbesondere welchen hohen Stellenwert die Intensivmedizin besitzt“.

Verwiesen wurde auch auf die hochwertigen, wohnortnahen und krisensicheren Arbeitsplätze (1.300 MitarbeiterInnen im Kommunalunternehmen), die der Landkreis in seinen Kliniken biete und erklärt: „Durch die hohen Standards, regelmäßige Investition und moderne Medizin sichern wir uns Zugang zu Fachpersonal, welches auch in Zukunft weiterhin dringend benötigt wird“. Die Investition in die Gesundheitsinfrastruktur sei „ein laufender Prozess und niemals abgeschlossen“ wurde betont und auf die derzeit laufenden Planungen für eine Erweiterung des Bettentraktes an der Klinik Neustadt/Aisch sowie für den Neubau eines OP-Traktes an der Klinik Bad Windsheim. Nicht nur für Landrat Weiß das wichtige Signal: „Hierdurch stellen wir den Fortbestand unserer Kliniken im Landkreis auch in Zukunft sicher“.

nb/o.n.

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