Donnerstag, 17.10.2019

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"Kolb-Anwesen" mit vielen Komplimenten eingeweiht

Kraft und Mut bewundert - Bürgermeister kam zur Zeremonie - 12.07.2019 20:28 Uhr

Prägt das Ortsbild und bereichert das kulturelle Leben in Gutenstetten: Das aus einer Ruine "märchenhaft“ gestaltete"Kolb-Anwesen“ wurde eingeweiht. © Harald Munzinger


Erster Bürgermeister Gerhard Eichner und sein Gemeinderat freuten sich über die stattliche Gästekulisse bei dem von einer Kapelle und dem Männergesangverein Gutenstetten musikalisch umrahmten Festakt, an dessen Ende das örtliche Pfarrersehepaar Dr. Ulrike Schorn und Dr. Markus Müller dem neuen Ortszentrum den Segen erteilten. Dass es sich für die ganze Gemeinde als ein Segen auswirken werde, kam in allen Glückwünschen zum Ausdruck.

Landrat Helmut Weiß verband mit dem "Kolb-Anwesen“- nachweislich einem der ältesten Häuser im Aischgrund - "eine kulturelle Aufwertung des Landkreises", sah den Aufwand durch ein überzeugendes Ergebnis belohnt und zeigte sich überzeugt, dass in dem Bauwerk mit seinem imposanten Fachwerkgiebel "weiter Geschichte geschrieben wird". Wie er, freute sich auch der aus Dublin angereiste Bundesminister a. D. Christian Schmidt, dass sich die Befürworter der Sanierung und neuen Nutzung selbst gegen eine Petition durchgesetzt hatten und das "Denkmal weiter lebt". Hier sei gemeinsam Großartiges geschaffen, Altes und funktional Neues ideal verbunden worden. Aus einer Bäckerfamilie stammend, bot sich Schmidt an, im Backhaus, das in eine weiteren Bauabschnitt neben einer historischen Scheune aus Neustadt errichtet und den ursprünglichen Charakter des "Drei-Seit-Hofes" wiederherstellen wird, das erste Brot mit "einzuschießen".

Soziales und Kommunikationszentrum

Der Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz betonte "den sorgsamen Umgang mit der Geschichte", der sich hier zum Glück gegen Abrissgedanken durchgesetzt habe. So sei ein soziales und Kommunikationszentrum entstanden, das die Gemeinwohlentwicklung fördern werde. Dies sahen Gäste der Einweihungsfeier auch beim gegenüberliegenden "Radlertreff" schon beispielhaft realisiert. Bezirksrat Thomas Zehmeister reihte sich in den Männergesangverein ein und brachte so seine Glückwünsche auf besondere Weise zum Ausdruck. Moderator Joachim Reindler, der das Projekt für das Amt für ländliche Entwicklung begleitete, sprach die hilfreiche Rolle des Landtagsabgeordneten Hans Herold beim Entschädigungsfonds des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst an.

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Der stellvertretende Leiter des Amtes für ländliche Entwicklung, Richard Kempe, sprach von einem vorbildlichen Zusammenwirken aller Denkmalstellen, mit der "ein Märchen wahrgeworden" sei. Seinem Amt sei die Pflege des Kulturlebens ein ganz wichtiges Anliegen und auch in diesem Sinn die Förderung von unterschiedlicher Seite – auch durch die von Herbert Kurtok vertretene "Deutsche Stiftung für Denkmalpflege" – gut angelegt. Sind die Kosten für Sanierung und Neubau auf jeweils 450.000 Euro veranschlagt gewesen, werden sich nach Kempes Aussage die Gesamtkosten mit Umfeldgestaltung, Backhaus und Scheune auf 1,5 Millionen Euro belaufen.

Schwerpunkt der ländlichen Entwicklung Auf 10 Millionen Euro mit fünf Millionen Eurostaatlicher Förderung bezifferte er sie bei den auch 80 privaten Gestaltungsmaßnahmen im Ort und würdigte den Landkreis als einen Schwerpunkt bei den Verfahren der ländlichen Entwicklung in Mittelfranken. In die Zukunft des "Kolb-Anwesens" mit der vielfältigen Bereicherung des Lebens in Gutenstetten, blickte Heiko Denecke, der nach den Worten von Gerhard Eichner "für die Kultur brennt". Dass dies auch für seine zweite Heimat gilt, bringt das von ihm geschriebene "Gutenstettener Lied" zum Ausdruck, das der Bürgermeister mit dem Gesangverein anstimmte. Der rührige Arbeitskreis "Kultur im Kolb" wird das neue Zentrum ebenso mit Leben füllen, wie die örtlichen Vereine.

In einem geschichtlichen Abriss ging er auf das "Kolb-Anwesen" und die am 2. Juli 2006 verstorbene letzte Besitzerin Babette Kolb ein. Sie hatte das Gebäude, dessen Grundmauern nach Forschungen der Archäologin Köber bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen und das auch nach Erkenntnissen von Professor Konrad Bedal (ehemaliger Leiter Fränkischen Freilandmuseums) zu den ältesten Häusern im Aischgrund zählt, an den Staat vererbt. In der Amtszeit von Bürgermeister Helmut Reiß war es in den Besitz der Gemeinde in einem Zustand übergegangen, in dem für einige Bürger der Abriss alternativlos schien.

Pläne in Klausur geschmiedet

Die Gemeinde habe jedoch nach Eichners Schilderung "das Potential erkannt und 2013 in einer Klausurtagung erarbeitet, welche realistischen Nutzungsmöglichkeiten denkbar sind". Der Gedanke an das Rathaus sei rasch wieder verworfen, ein Gemeinde- und Kulturzentrum favorisiert worden. Das konnte erst 2015 in Angriff genommen werden, nachdem der alte Scheunentrakt abgebrochen und eine neue Brücke über die Steinach gebaut worden war. Dann habe "ein Zahnrad ins andere gegriffen", berichtete der Bürgermeister verbunden mit dem Dank an Architekten, "fähige Handwerker für eine hervorragende Arbeit" und die Förderer des Projektes, die erkannten, dass die Gemeinde dieses Projekt alleine nicht stemmen könnte.

In den Dank eingeschlossen sollten auch viele freiwillige Helferinnen und Helfer eingeschlossen sein, die mit dafür sorgten, dass sowohl der Kostenrahmen, wie der Zeitplan eingehalten werden konnten. Den Einweihungstermin hatte die Kirchweih in Gutenstetten vorgegeben, in die damit vom "Kolb-Fest" nahtlos mit dem "Kirchweihempfang" hineingefeiert werden konnte.

In deren Blickpunkt ist ein Gebäude mit "ortsbildprägendem Charakter" gerückt, dessen Fachwerkgiebel zur Freude aller Kolb-Befürworter "sehr positiv aufgenommen und als ästhetische Bereicherung empfunden wird". Darauf konnte beim Umtrunk mit musikalischem Hintergrund und feinen Häppchen angestoßen werden. Bei Hausbesichtigungen gab es weitere reichliche Komplimente für ein Projekt, "das ein Stück weit auch gleichwertige Lebensverhältnisse auf dem Land realisiert".

Harald J. Munzinger

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