Montag, 16.12.2019

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Markt Erlbach: Der Opfer gedacht

Trauer mit Sorge über aktuelle Entwicklungen verbunden - 17.11.2019 19:18 Uhr

Beim Gedenken an die Opfer von Gewalt und Krieg, von Rassenhass, Terrorismus und politischer Verfolgung schlug Markt Erlbachs Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß einen besorgten Bogen zu aktuellen politischen Entwicklungen. © Bernd Kreß


Wie in vielen Gemeinden des Landkreises wurde in Markt Erlbach der Opfer von Kriegen, Verfolgung und Vertreibung gedacht. Dazu wurde zunächst zum Gottesdienst in die Kilianskirche eingeladen. Von der aus zogen viele Bürgerinnen und Bürger mit der Musikkapelle und den Abordnungen der Vereine zum Ehrenmal. In dem von Gesangverein und Bläsern gestalteten feierlichen Rahmen stellte Dr. Kreß die Frage, ob bei der Vielzahl an Gedenktagen – 2019 zu 30 Jahre Mauerfall, 81 Jahre Progromnacht, 70 Jahre Grundgesetz und 100 Jahre Weimarer Verfassung – nicht die Gefahr bestehe, abzustumpfen.

Diese bestehe dann, wenn Kranzniederlegungen zu bloßen Ritualen verkommen, der tiefere Sinn nicht mehr hinterfragt werde. Man trauere um die Opfer von Krieg und Gewalt, sei aber auch verpflichtet, neuen Gefahren zu begegnen, wie die Bürgermeisterin besorgt von jüngsten Ereignissen ausführte, die zeigten, dass „viel zu viele aus der Geschichte nichts gelernt haben. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind nicht nur auf dem Vormarsch – sie scheinen langsam salonfähig zu werden. Wenn wir sehen, mit welcher Erbarmungslosigkeit und mit welchem Hass Menschen anderer Herkunft oder anderen Glaubens ausgegrenzt, geschmäht und attackiert werden, so wie das neue Nürnberger Christkind ganz jüngst und ganz in unserer Nähe – dann muss das uns beschämen und wütend machen, dann sind wir zum Handeln aufgefordert“.

Die Ursachen für dieses Verhalten seien vielfältig, die Muster aber erschreckend ähnlich, wenn man sie auf die Ereignisse zurück projiziere, an die im Rahmen des Volkstrauertages, insbesondere an das Ende des zweiten Weltkriegs, erinnert werde. Damals wie heute seien es neben fehlender Empathie und kleinbürgerlicher Enge „auch Geschichtsvergessenheit auf der einen und Geschichtsversessenheit auf der anderen Seite, die den Nährboden für die giftigen Blindtriebe bilden“, so Dr. Kreß. Sie rief dazu auf, „die Vergangenheit zu nutzen, damit wir uns unserer Werte versichern, damit wir Orientierung finden, damit wir solidarisch und in Verantwortung füreinander handeln: nicht irgendwann, sondern hier und heute“.

Keine Konsequenzen gezogen?

Die Bürgermeisterin spannte bei der Feierstunde bewusst den Bogen zu aktuellen Themen in die heutige Zeit, da Judenverfolgung und –vernichtung, Rassengesetze und Überlegenheit des deutschen Volkes weit zurück lägen, sich aber die Frage stelle, was man nur ansatzweise daraus gelernt habe und welche Konsequenzen für unser eigenes Leben gezogen worden seien. Wie lasse es sich erklären, dass jeder vierte Deutsche heute antisemitisch denke? Und wie in einer aufgeklärten Welt, „dass sich so viele Menschen tatsächlich Wortführern der politisch rechtsgerichteten, nationalistischen Parteien und Gruppierungen anschließen. Viele nicht öffentlich, aber die Wahlergebnisse der letzten Bundes- und Landtagswahlen in ganz Europa sind höchst besorgniserregend“.

Die Bürgermeisterin ging auch auf die zu hohe Erwartungshaltung nicht nur Vorbildern gegenüber, sondern auch unserem Nächsten gegenüber, und vor allem auch uns selbst, was schädlich sei. „Schädlich für uns und unser Miteinander“. Daher kämen die neuen Volkskrankheiten wie Depression, Burnout und andere psychische Belastungssyndrome! Ein zu hoher Erfolgsdruck, nicht nur im Beruf, auch im Privatleben! Sie mahnte, sich des nur sehr begrenzten Lebens gewahr zu sein, „Frieden mit unseren Nachbarn und vor allem und zuerst auch mit uns selbst zu schließen. Gedanken, mit denen Dr. Birgit Kreß bewusst machen wollte, dass jeder seinen Beitrag für eine bessere Welt leisten kann.

nb/hjm

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