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Montag, 30.11.2020

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Mit "KiNA-Virus" in das neue Galeriejahr

Gertraud Geißendörfer hat die Ausstellungen 2021 vorbereitet - 22.11.2020 19:12 Uhr

„Hawken Corona“ titelt Walter Gramming eines der Bilder, mit denen die „Künstlerinitiative „KiNA“ ein schweres Jahr in die „Galerie der Sparkasse“ überträgt, allerdings mit der „Kunst als heilsames Virus“. Foto:Gramming

22.11.2020 © Gramming


"Kunst als heilsamen Virus zu begreifen, der sich in die Köpfe, Herzen und Seelen schleicht, ist ja vielleicht nicht neu, darf aber immer neu erlebt werden. Ob nun als Kommentar zur Seuche oder als Statement aus dem vorhandenen Oeuvre jedes einzelnen Künstlers formt sich diese Ausstellung" kündigt sie Walter Gramming mit dem Titel "Das KiNA-Virus" an.

Auf die Eröffnung des 44. Galeriejahres mit der traditionellen "DreiKönigsVernissage" der 355. Kunstausstellung muss angesichts der Pandemie-Einschränkungen verzichtet werden, doch sind die zehn Neustädter "KiNA"-Künstlerinnen und Künstler froh, "zwischen all dem Lockdown wieder einmal an die Öffentlichkeit treten zu dürfen". Der Vorsitzenden des Neustädter Kunstkreises und Leiterin der "Galerie in der Sparkasse", Gertraud Geißendörfer, sind sie dankbar, das erste Quartal 2021 gestalten zu können und entsprechend "initiativ" geworden. Sie verbreiten das "KiNA-Virus".

Die Fotografin Beate Pöltl nennt beispielsweise ihr Bilder "lonely" und "Erinnerung" und Dietmar Lisson machte es sich zur Aufgabe, in der Coronazeit jeden Tag ein Bild zu erstellen: ein Bildtitel hierzu lautet "Coronateufel". Von "ushi f" wird es Fotoarbeiten, einige kurze Videos und Objekte zu den Themen Natur und Kunst geben. Die Keramikerin Heidi Kippenberg wird eine ihrer Arbeiten in der oberen Vitrine ausstellen und Peter Pabst zeigt einige seiner Malereien. Dieter Uhlschmidt, der wie viele die Coronazeit als "große Belastung" empfindet, wird einige seiner Skizzenbücher in der oberen Vitrine und zahlreiche seiner Werke von Aquarellen über Zeichnungen auf Papier und Tempera auf Leinwand ausstellen.

Aus dem "KiNA"-Team stellt der Fotograf Andreas Riedel Bilder aus Prag und Porto aus und eine "leere plakatwand deutet auf abgesagte Veranstaltungen hin". Auch Christine Kestler und Maria Schwarm werden mit Bildern und Objekten vertreten sein. In zwei expressiv-analytischen Großzeichnung (150 mal 180 Zentimeter) von Walter Gramming taucht die Pandemie allegorisch auf: Im wilden Reigen nackter Hexen im inflationären Wirbel, einem freien Zitat des spanischen Malers Falero von 1878 oder im vitalen Portrait eines kindlichen Fußballhelden mit norwegischem Rentier, dessen tägliches Leben und Treiben von den großen Corona-Einschränkungen in Mitleidenschaft gezogen wird.

Mit Zeichnungen, Malerei, Objekten, Videokunst, Fotografie und Keramiken, wünscht "KiNA" den Betrachtern "Erquickung und frischen Lebensmut. Nehmen Sie's nicht zu ernst, bleiben Sie gesund!" kündigen sie den Auftakt des Galeriejahres 2021 an, zu dem sie von Januar bis Ende März einladen.

Musik überwand die Grenzen

Dieses setzt Roswitha Draeger von April bis Juni zum 80. Geburtstag mit Ölmalerei fort. Himmel, Sterne, Wald und Meer" erwarten die Galeriebesucher. Die Künstlerin lebt im brandenburgischen Perleberg. Zu DDR-Zeiten entstanden Plakate für den Posaunendienst, sowie Linolschnitte und Siebdrucke für kleinere Ausstellungen. Ihr Mann und Bläserchorleiter in Perleberg pflegte schon vor der Wende, seit 1984, Kontakte zum Neustädter Posaunenchor unter der Leitung von Dr. Dieter Geißendörfer.

Mit dem ersten Besuch (1986) Dr. Geißendörfers und seiner Ehefrau Gertraud Geißendörfer unter schwierigen Bedingungen in Perleberg entwickelte sich ein Austausch über künstlerisches Schaffen. So kam es zur ersten Ausstellung 1989 in der Galerie der Sparkasse.

Nach dem Mauerfall mit der gewonnenen Freiheit entstanden großformatige Ölbilder, die Freiheit, Weite und Farbe ausdrücken.

Benefiz für "Unterstützerkreis Asyl"

Der gebürtige Rothenburger Maler und Grafiker Helmut Günter Lehmann bestückt seit über 20 Jahren Ausstellungen zu Gunsten caritativer Einrichtungen in vielen Orten. Ebenfalls von April bis Juni gestaltet er zur "Galerie in der Sparkasse" eine Benefizausstellung, um mit ihr den "Unterstützerkreis Asyl der Caritas Neustadt/Aisch" zu fördern. Der in Traunstein lebende und arbeitende anerkannte internationale Amateurfotograf – nach dem Fernstudium im Fachbereich Zeichnen bei Prof. F. Nathanson mit Diplom in Paris und Studium an der Werkkunstschule in Würzburg Fachlehrer für Werken, Fotografie, Kunsterziehung und Technisches Zeichnen – widmet sich seit seiner Pensionierung "freien Arbeiten im privaten und öffentlichen Bereich". Es entstand unter anderem eine opulente Wandmalerei im Foyer der Sparkasse Obing. Der Verkaufspreis seiner Kunstwerke, die in den Vitrinen der Galerie zu finden sind, geht zu 100 Prozent den "Unterstützerkreis Asyl". Die Preise seien "im Sinne der Verkaufsförderung niedrig gehalten", kündigt es Galerieorganisatorin Gertraud Geißendörfer Helmut Günter Lehmann dankbar für dieses wertvolle soziale Engagement an.

Erinnerung an Heimatfeste

Schon zum Heimatfest in diesem Jahr war eine Fotodokumentation der Feste von 1980 bis 2010 geplant., für der Redakteur und Fotograf Harald J Munzinger in den "Schatzkisten der Erinnerung" kramte. Die vielfältigen Ereignisse, die alle zehn Jahre für eine breite Veranstaltungspalette der Kreisstadt sorgen, hat er in dicken Alben schon zu der Zeit "konserviert, als noch nicht alles bunt verpixelt war". So habe sich nach seiner Schilderung von den letzten vier Heimatfesten "ein heiteres Stück Stadtgeschichte" angesammelt. Mit einer Auswahl der Aufnahmen von "schönen Ereignisse und viele Menschen, die sie gestalteten", soll in der "Galerie in der Sparkasse" das "verschobene" Kaleidoskop bunter Lebensfreude" die Festhöhepunkte noch einmal Revue passieren lassen. Allerdings muss die Vorfreude auf das nächste Heimatfest bis 2022 bewahrt werden. Alpen nur einen Spalt weit geöffnet werden können.

"Das ambivalente Neustadt"

Mit "Neustadt durch den Kamerablick" sorgt Dr. Ottmar Fick für einen weiteren Anziehungspunkte der Kunstkreis-Galerie von Juli bis September. Seine "Fotografie mit der Camera obscura" trägt den verheißungsvoll "Das ambivalente Neustadt". Trotz aller Finessen erreiche die Lochkamera niemals die sezierende Schärfe moderner Linsenobjektive. So bleibe immer eine gewisse Unschärfe, es gebe immer Überstrahlungen und meist auch eine Vignettierung in den Bildecken, so etwa wie in der Frühzeit der Linsenphotographie, schreibt dazu der Veterinärdirektor a. D. mit der Leidenschaft experimenteller und substantieller Fotografie.

"Gerade deswegen aber legen die mit so einem Kasten gefertigten Bilder über schönes Historisches noch einen zusätzlichen Schleier Nostalgie, sie mildern andererseits aber auch beträchtlich die Schrecken zeitgenössischer architektonischer Einfallslosigkeiten und /oder Monstrositäten…", so Dr. Ottmar Fick, Gründungsmitglied des Kunstkreises mit Veröffentlichungen in Fotobildbände sowie Lyrik und Ausstellungen von Malerei, Fotografie und Skulpturen in Deutschland, Italien und in der Schweiz.

Grunge trifft auf Neopop

Das Galeriejahr 2021 beschließen wird der lokal wie international aktive Neustädter Künstler Chris Koch, der ebenfalls schon in diesem Jahr auf dem Programm gestanden hatte, durch das Corona zunächst den dicken Strich machte. Bin zeigt er von Oktober bis Dezember eine Auswahl seiner Bilder mit der Ankündigung: "In den schrillen und makabren, dennoch pointierten, immer wieder den Punk verkörpernden Malereien trifft Grunge auf Neopop. Inhalt findet Expression".

Dabei reizt Koch die Möglichkeiten der Pop Art nicht nur aus, vielmehr überführt er sie und schafft eine über sie hinausgehende Gegenwelt. "Hierbei verwendet der Künstler nicht nur unterschiedlichste Techniken – wie die Acryl-, Lack- und Papiercollagen, die Projektion, die Grafik und reine Malerei – er spannt auch thematisch einen umfassenden Bogen. Durch das Spiel mit mythologischen Figuren verweist er auf die Vergänglichkeit und die Sehnsucht nach dem Fremden" verrät der Blick in das Manuskript des Galerieführers über den international renommierten Künstler mit Ausstellungen in großen Galerien in Deutschland sowie zuletzt in Mazedonien.

o.n.

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