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Freitag, 27.11.2020

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Museumspädagogen trafen sich in Neustadt

Aktiver Austausch von Erfahrungen und Ideen - 13.10.2016 12:40 Uhr

Kuratorin Silvia Pertschi hieß das Kollegium aus der Metropolregion willkommen, dem Sabine Fink ihr museumspädagogisches Konzept vorstellte und Gymnasiallehrerin Susanne Mäckl (v. r.) die praktische Umsetzung erläuterte.

13.10.2016 © Harald Munzinger


Die Museumspädagogen sahen sich bei der Suche nach dem Tagungsort als Pfadfinder gefordert und rieten der Stadt – der ansonsten die Anerkennung aus fachkundiger Runde für die Schlosssanierung und -nutzung galt – zu einer besseren Beschilderung des bewundernswerten Kulturareals im "Alten Schloss". Sie gossen damit Wasser auf die Mühlen des Geschichts- und Heimatvereins, die sich mit gleichem Wunsch bislang im Leerlauf drehen.

Silvia Pertschi zeigte den Gästen die Entwicklung des ehemaligen Markgrafenschlosses nach dessen herrschaftlicher Blütezeit von der Garnison über das Krankenhaus zum Heimatmuseum auf, dessen Besucherschwund nach rund 40 Jahren zur Neukonzeption gezwungen habe. Diese sollte sich mit der Einrichtung des "Aischgründer Karpfenmuseums" in zwei Abschnitten und der Ergänzung seit einem Jahr um ein Markgrafenmuseum - ausgerichtet auf die Linie Brandenburg, Kulmbach, Bayreuth - mit Siebener-Abteilung als perfekt erweisen, was dieser Tage die 50.000-ste Besucherin belegte (nn-online berichtete). "Spielewelten", Modelleisenbahnausstellung und Handwerkerstuben runden das Schlossareal mit gemütlichem Café ab.

Doch der Erfolg sollte kein bequemes Ruhekissen sein. Museen lebten von Veränderungen, wozu Kuratorin Silvia Pertschi und Sabine Fink so viele Ideen haben, dass sie für deren Umsetzung noch weit mehr Zeit bräuchten. Eine ist mit der Museumspädagogik umgesetzt, die im Alten Schloss Geschichte lebendig macht, sie der Jugend kurzweilig vermitteln will. Fink stellte dazu ihr überzeugendes Konzept vor und die Gymnasiallehrerin Susanne Mäckl erläuterte die W- und P-Seminare für die Oberstufe des Gymnasiums.

W steht für das "Wissenschaftspropädeutisches Seminar", in dem die Schülerinnen und Schüler "fachübergreifende Kompetenzen erlangen sollen, um ein wissenschaftliches Studium zu bewältigen". Ferner soll "durch eine fragende und kritische Grundeinstellung Wissenschaft und Persönlichkeit befördert" werden. P steht für das "Projektseminar zur Studien- und Berufsorientierung" mit dem definierten Ziel: "Die Schülerinnen und Schüler eignen sich allgemeine Kenntnisse über Studiengänge und Berufsfelder an und erhalten über die Zusammenarbeit mit externen Partnern Einblicke in die heutige Arbeits- und Berufswelt".

In beiden Fällen ist jedem Seminar mit zwei Wochenstunden in den Ausbildungsabschnitten ein Leitfach in der Schule zugeordnet, die Teilnehmerzahl auf 15 begrenzt. Führt das W-Seminar zur Erstellung einer Seminararbeit und deren Präsentation, erhalten die TeilnehmerInnen des P-Seminars entsprechend ihrer individuellen Leistungen im Bereich Sach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz ein Zertifikat.

Noch in einem Lernprozess

Dass hier Theorie und Praxis, Museen und Schulen mit unterschiedlichen Ansätzen erst zusammenfinden mussten (und noch müssen), man im Kultusministerium kaum konkrete Vorstellungen von der Museumspädagogik hatte, wurde "in sehr anregenden Diskussionen und Erfahrungsberichten aus den verschiedenen Museen" deutlich. Die Schulen hätten meist nicht gewusst, was auf sie zukomme, manche Museen das Niveau voruniversitär und damit zu hoch angesetzt, sah man sich noch in einem gegenseitigen Lernprozess. Der kann in Neustadt mit Lehrerfortbildungen für Fachschaften oder schulinterne Fortbildungen gefördert werden. Für ein gutes Ergebnis anzutreten und motivierende Ansprüche zu erheben, stimmte man im Kollegenkreis überein, sah in der Museumspädagogik eine Chance für die Schulen sowie zugleich einen Imagegewinn für die Museen.

Silvia Pertschi resümierte „eine sehr erfolgreiche Tagung. Die Teilnehmer waren von der Organisation durch Sabine Fink begeistert. Lob ging auch an den Geschichts- und Heimatverein und die Stadt für die Räumlichkeit und Bewirtung“.

Sie führte nach dem Gedankenaustausch die Gäste durch das "Markgrafen-" und "Karpfenmuseum", die als außerschulischer Lernort auch Grund-, Mittel- und Realschulen museumspädagogische Angebote machen. Deren Konzeption bezieht ebenso Kindergärten und -horte in die spannende Heimatgeschichte ein, die auch einen Kindergeburtstag in der "Schilderwerkstatt" zu einem besonderen Erlebnis werden lassen kann.

Harald J. Munzinger

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