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Mittwoch, 03.06.2020

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Mut aus der Vergangenheit schöpfen

Neustadts Bürgermeister erinnert an Kriegsende vor 75 Jahren - 07.05.2020 19:50 Uhr

Die Zeiten, in denen mit vollen Händen in volle Kassen gegriffen werden konnte,sind für die Kommunen vorbei, womit sie Neustadts Erster Bürgermeister KlausMeier vor neuen Herausforderungen sieht. © o.n.


Seit dem 1. Mai lenkt auch in Neustadt ein neu zusammengesetztes Gremium die Geschicke der Stadt. 19 Mitglieder des Stadtrates sowie der Erste Bürgermeister Klaus Meier setzen die Arbeit dafür fort, fünf Stadträte wurden zum ersten Mal in dieses ehrenvolle Amt ihrer Heimatstadt gewählt.

Man habe als Kreisstadt und wirtschaftliches Zentrum des Landkreises unter anderem mit der höchsten Einwohnerzahl und höchsten Zahl der Arbeitsplätze in der Geschichte der Stadt viel zu bieten, führte Bürgermeister Klaus Meier zum Auftakt seiner dritten Amtszeit. Doch sollte der Dank für einen fairen Wahlkampf und die Freude über sein weiteres "eindrucksvolles Wahlergebnis" von der Corona-Pandemie überschattet sein, das er "nicht nur als große Bestätigung dieser zwei Amtszeiten als Bürgermeister, sondern nach wie vor auch als Ansporn sieht".

Der Bürgermeister rief denn auch dazu auf, "heute Mut aus unserer Vergangenheit zu schöpfen. Fast auf den Tag genau vor 75 Jahren wurde das Ende des 2. Weltkrieges besiegelt, war unser Land, war unsere Stadt in einer noch weitaus schwierigeren Situation als heute, nach der verheerenden Niederlage und der bedingungslosen Kapitulation". Es gelte also die Leistungen unserer Großeltern und Eltern in der Nachkriegszeit und dem Wiederaufbau zum Vorbild zu nehmen, "dann wird unsere Stadt auch die kommende sehr schwierige Zeit gut überstehen!"

Schon Wahltag unter Corona-Einfluss

Schon am Wahltag, 15. März, sei bei allgemein großer Verunsicherung niemandem nach einer ausgelassenen Feier zumute, so wie es bei solchen Anlässen eigentlich üblich sei, führte Bürgermeister Meier mit Blick auf die zum beherrschenden Thema gewordenen Pandemie aus, mit der sich das Land seit mehr als sechs Wochen im Ausnahmezustand befinde. So sei das öffentliche Leben sehr stark heruntergefahren, seien Veranstaltungen untersagt worden, womit weder Kirchweih noch Heimatfest mit großem "Neustadt-Treffen" stattfinden könnten.

Bei allen erfolgreichen Vorsichtsmaßnahmen sei die Gefahr noch lange nicht überwunden. Meier: "Wir leben weiterhin in einer Situation, die nicht nur einmalig für unser Land ist, sondern die es auf der Welt, außer bei der Spanischen Grippe nach dem 1. Weltkrieg, in dieser Form noch nie gab". Ganz viel sei auch in der Stadtverwaltung zu organisieren und zu regeln, "was uns alle vor bislang unbekannte personelle und organisatorische Herausforderungen stellt". Mitarbeiter hätten zum Teil ihren Arbeitsplatz wechseln müssen, da die Verantwortlichen der einzelnen Abteilungen auf verschiedene Ämtergebäude aufgeteilt worden seien, "um auch noch handlungsfähig zu bleiben, wenn eine Dienststelle unter Quarantäne gestellt werden müsste".

Vor allem im Kinderbetreuungsbereich und bei den Schulen habe unendlich viel geregelt und festgelegt werden müssen, womit "eine wahre Sisyphusarbeit hier zu leisten" gewesen sei. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten fast ohne Ausnahme bei allen notwendigen Maßnahmen hervorragend mitgezogen, wofür der Bürgermeister seinen "großen Dank an alle" aussprach. Ganz besonders dankbar zeigte sich Meier "für die großartige, sehr professionelle und aufopfernde Arbeit unserer Geschäftsleiterin Karin Mosch, wodurch eine reibungslose Fortführung der städtischen Verwaltung, der Kindertagesstätten und der Schulen in städtischer Trägerschaft überhaupt erst ermöglicht wurde". Ihr galt der Dank auch für die Vorbereitung der konstituierenden Sitzung unter diesen enorm erschwerten Bedingungen.

Ein "riesengroßer Dank" galt ferner "allen, die in den Krankenhäusern, den Altenheimen aber auch in den Supermärkten seit vielen Wochen einen supertollen Job leisten, zu normalen Zeiten aber gar nicht so richtig wahrgenommen werden und bisher auch nicht so entlohnt werden, wie sie es eigentlich verdient hätten", so der Bürgermeister, der damit die Hoffnung auf ein Umdenken in der Zukunft verband.

Finanzielle Situation stark verändert

Durch die Corona-Pandemie und die zu deren Bewältigung erforderlichen Maßnahmen werde "sich die finanzielle Situation unseres Landes stark verändern und auch die Haushalte der Kommunen werden ganz massiv belastet", führte der Erste Bürgermeistern aus. Die letzten zehn Jahre seien glücklicherweise durch eine Phase nie gekannter wirtschaftlicher Stabilität gekennzeichnet gewesen, "weit besser als im restlichen Europa. Hohe Beschäftigungszahlen, ein konstantes wirtschaftliches Wachstum und stetig steigende Steuereinnahmen führten auch in vielen Kommunen zu einer Stabilisierung der finanziellen Situation". Durch die Corona-Pandemie hätten sich die Rahmenbedingungen aber über Nacht schlagartig geändert: "Themen, die zum Jahreswechsel noch im Fokus standen, wie der Arbeits- und Fachkräftemangel, treten in den Hintergrund, ja wurden durch Entlassungen und Kurzarbeit sogar ins Gegenteil verkehrt."

Dies sei auch der Grund, rum er sich mit den Mitgliedern des Stadtrates schon vor einigen Wochen darauf verständigt habe, dass die Stadt Neustadt den diesjährigen Vermögenshaushalt erst im Sommer beraten und beschließen werde, "da momentan einfach zu viel Unbekannte zu berücksichtigen sind und eine seriöse Planung aktuell überhaupt nicht möglich ist".

o.n.

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