Kultur in der Region

Neue Exponate im Markgrafenmuseum: Besuche im Alten Schloss jetzt noch interessanter

 Bei deren Einweihung freuen sich Museumsleiter Jochen Ringer, Allianz-Manager Rüdiger Eisen, Vereinsvorsitzende Carola Kabelitz, Sachgebietsleiter Joachim Reindler vom Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken, 2. Vorsitzender Peter Wagner und Erster Bürgermeister Klaus Meier (v. l.) über die neuen Stationen im Neustädter

 Bei deren Einweihung freuen sich Museumsleiter Jochen Ringer, Allianz-Manager Rüdiger Eisen, Vereinsvorsitzende Carola Kabelitz, Sachgebietsleiter Joachim Reindler vom Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken, 2. Vorsitzender Peter Wagner und Erster Bürgermeister Klaus Meier (v. l.) über die neuen Stationen im Neustädter "Markgrafenmuseum". © Museen im Alten Schloss

"Nach den vom Feinde ausgestreuten Gerüchten sollst Du ein Ehrsüchtiger sein, für den die Eroberung Europas nur eine Kleinigkeit ist. Die ganze Welt soll nicht groß genug sein, um Deine Ehrsucht zu stillen. […] Ach, lieber Bruder, würde man Dein Herz kennen, wie ich es kenne, hätte man Deine Gespräche über die Größe anhören können, man würde Dir bald gerechter", schrieb 1757 Markgräfin Wilhelmine von Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth Friedrich dem Großen. Heute ist man eher geneigt, den feindlichen Gerüchten zu glauben, doch am Bayreuther Hof sah man das offenbar anders. Der Grund: Das Markgraftum war mit Preußen eng verbunden, denn Markgräfin Wilhelmine war Friedrichs Schwester.

Diesen Verbindungen der fränkischen Markgrafen nach Preußen widmet sich eine der neuen Stationen im Neustädter Markgrafenmuseum. Insgesamt sind es drei Stationen, die dank einer finanziellen Förderung durch das Regionalbudget realisiert werden konnten. Der offizielle Startschuss für das Projekt fiel im März mit der Bewilligung durch die "Kommunale Allianz NeuStadt & Land". Nun sind die Arbeiten abgeschlossen, wie Museumsleiter Jochen Ringer stolz berichtet. Knapp 12.000 Euro hat das Projekt gekostet, von den Schreinerarbeiten über die Medientechnik bis zur grafischen Gestaltung. 80 Prozent der Kosten übernimmt das Regionalbudget. Je zehn Prozent werden von der Stadt Neustadt sowie dem Neustädter Geschichts- und Heimatverein aufgebacht, der die Museen im Alten Schloss betreibt.

Mit dem Regionalbudget fördert das Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken unbürokratisch Projekte in Gemeinden, die sich freiwillig im Rahmen einer Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) zusammengeschlossen haben, hier die "Kommunale Allianz NeuStadt & Land". Dadurch soll eine engagierte und aktive eigenverantwortliche ländliche Entwicklung unterstützt und die regionale Identität gestärkt werden. Neustadts Erster Bürgermeister Klaus Meier ist froh, "dass mit dem Regionalbudget derartige Projekte unterstützt werden können, die zu einer nachhaltigen Entwicklung der Stadt beitragen und sie für Einheimische wie für Touristen noch lebendiger und attraktiver machen." "Es ist wirklich ein Segen, dass wir immer wieder Fördergelder für den Ausbau unserer Museen erhalten", freut sich auch die Vereinsvorsitzende Carola Kabelitz. So konnte schon die bisherige Dauerausstellung des "Markgrafenmuseums" vor allem mit LEADER-Mitteln eingerichtet werden. Eröffnung war im Jahr 2015.

Highlights für die Dauerausstellung

Bei seiner Arbeit mit der Museumssammlung sind Ringer, der seit 2017 im Museum tätig ist, immer wieder Stücke in die Hände gefallen, die nach seiner Feststellung "viel zu schade sind, sie nicht auch der Öffentlichkeit zu präsentieren. Platz sie angemessen im Museum zu zeigen gab es auch noch, so kam die Idee das Markgrafenmuseum um drei neue Stationen zu erweitern." Nun nimmt gleich links vom Eingang ins Markgrafenmuseum ein bronzenes Reiterstandbild Friedrichs des Großen die Besucher in Empfang. Aber auch den zitierten Brief seiner Schwester Wilhelmine gibt es hier unter anderem zu hören.

Die Exponate der nächsten Station lassen die Geschichte der Hohenzollern in Franken Revue passieren. Durch Kupferstiche der Markgrafen, eine Siegelkapsel, historische Bücher aus dem 18. Jahrhundert können die Besucher in die Vergangenheit eintauchen. Zu finden gibt es auch ein besonderes Schriftstück: die öffentliche Bekanntmachung der Kommandoübernahme durch den französischen General-Kommandanten Le Grand aus dem Jahr 1806, mit welcher die Herrschaft der letzten Hohenzollern im ehemaligen Fürstentum faktisch endete. "Der komplette Text lässt sich lesen, sogar auf Französisch, denn die Bekanntmachung ist zweisprachig gehalten", so Ringer.

Daneben wird auch die Abteilung zur Neustädter Stadtgeschichte ergänzt. Die Hohenzollern forcierten bekanntlich den Ausbau des einstigen Marktflecken Riedfeld zur "neuen Stadt" und verliehen Neustadt 1318 erstmals die Stadtrechte. Erst vor drei Jahren feierte die Stadt dieses Jubiläum. Die Verleihungsurkunde befindet sich zwar im Staatsarchiv Bamberg, doch konnte davon eine täuschend echt wirkende Reproduktion angefertigt werden, die nun im Markgrafenmuseum zu sehen ist. Dasselbe gilt für die Ersterwähnung der Stadt von 1285 – eine Urkunde, in der dem Nürnberger Burggrafen endgültig die vollen Herrschaftsrechte im Ort zugesprochen wurden.

Im Netzwerk der "Hohenzollern-Orte"

Vorsitzende Kabelitz und Museumsleiter Ringer hoffen, dass der Ausbau des Museums wieder einige Besucher ins Alte Schloss lockt: "Natürlich auch solche, die die bisherige Dauerausstellung schon kennen." Das Wirken der fränkischen Markgrafen erfreut sich jedenfalls schon seit einiger Zeit zunehmenden Interesses, wozu wohl auch die Eröffnung des neuen Burgerlebnismuseums in der komplett sanierten Cadolzburg beigetragen hat. Mit diesem und mittlerweile rund zwanzig anderen Orten und Museen haben sich die Neustädter "Museen im Alten Schloss" vor einigen Jahren in einem Netzwerk der "Hohenzollern-Orte" zusammengeschlossen, das auf dieses allen Beteiligten gemeinsame Erbe aufmerksam machen will.

Es ist ein Erbe, das Neustadt an der Aisch aber nicht nur Gutes brachte, denn die Stadt war wiederholt Schauplatz der kriegerischen Auseinandersetzungen der zollerischen Markgrafen und wurde mehrmals zerstört. Wie zur Mahnung zeugen davon zwei in der Altstadt ausgegrabene Waffenspitzen, die jetzt ebenfalls in einer der neuen Ausstellungseinheiten zu sehen sind.

Keine Kommentare