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Donnerstag, 18.07.2019

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Neustadt: Finissage der Ausstellung „Starting Over“

Thema Integration und Geflüchtete im Fokus - Verstand und Herzen öffnen - 16.06.2019 14:15 Uhr

Stellvertretender Landrat Bernd Schnizlein (2. v r.) und Erster Bürgermeister Klaus Meier (3. v. l.) würdigten die Studierenden für wertvolle Denkanstöße mit der Ausstellung „Starting Over“ und das Caritas-Team, das sie in den Landkreis geholt hatte. © Harald Munzinger


Zum Abschluss im Rahmen des „Neustädter Tages der offenen Gesellschaft“ hatte Integrationslotsin Veronika Polok auch Studierende der FAU Erlangen-Nürnberg eingeladen, die für die Ausstellung Interviews geführt und damit dem aktuellen Thema Integration „Gesichter gegeben“ hatten. Bilder von „Menschen wie du und ich“, die Augen und Herzen öffnen und für einen vorurteilsfreuen Blick auf die Migranten sorgen sollten. Caritas-Vorsitzende Sabine Herderich rief in einer kälter werdenden Gesellschaft und „Zeit von Hass und Hetze“ auf, ein Herz für die Mitmenschen zu zeigen und bewusst zu machen, wie wertvoll Freiheit und Respekt seien. Nur in einer offenen demokratischen Gesellschaft führe der „Weg zu einer gerechteren Welt“.

Stellvertretender Landrat Bernd Schnizlein sah mit der beeindruckenden Dokumentation „Zeichen für Freiheit und Offenheit“ gesetzt, für die es ebenso „aktiv und entschieden einzutreten“ gelte, wie gegen Ausgrenzungen. Erster Bürgermeister Klaus Meier sah alle Ausstellungsbesucher aufgerufen, als „Multiplikatoren für ein Umdenken in der Gesellschaft“ zu sorgen. An die große Politik richtete er die Forderung, endlich das System zu ändern und den arbeits- sowie integrationswilligen Flüchtlingen Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben zu eröffnen. Sie wollten „dem Staat eben nicht auf der Tasche liegen“, doch erwecke ihre erzwungene Tatenlosigkeit falsche Eindrücke, was wieder das gesellschaftliche Klima verschlechtere. 

Schnizlein und Meier dankten bei der vom Hausenhof-Trio „Manda & friends“ ausdrucksstark mitgestalteten Finissage den Integrationslotsinnen ebenso, die Ausstellung in den Landkreis geholt zu haben, wie in einer Grußbotschaft Dr. Andreas Kufer, stellvertretender Leiter der Abteilung Integration und Unterbringung von Asylbewerbern im Bayerischen Innenministerium. Er bezeichnete die Integration als die wichtigste Zukunftsaufgabe für den sozialen Frieden und würdigte das dazu in Bayern beitragende ehrenamtliche Engagement, bei dem „Neustadt von Anfang an dabei gewesen“ sei. 

„Immer wieder aufstehen“ 

Über die Interviews im Rahmen des Master-Studiengangs „Human Rights“" und das Ziel, mit der Dokumentation über das Leben Geflüchteter und ihre Integration in Deutschland „Verstand und Herzen zu öffnen“, berichtete Ebony Lautner aus der Studentengruppe. Sie machte „mehr Verbindendes als Trennendes“ aus und verstand die Ausstellung als Mutmacher auch für Geflüchtete, „an großen Träumen festzuhalten, auch wenn man wieder von vorne anfangen“ müsse. So wie der Schriftsteller Yousuf Alkour aus Syrien, der nach einem Jahr in einem Asylheim in VHS-Kursen Deutsch lernte, sich für alle möglichen Job bewarb, „um etwas zu tun“. „Immer wieder aufzustehen, wenn man gefallen ist“ hat ihn das Leben gelehrt und dass Hoffnung und Geduld zum erfüllten Traum führen. Yousuf Alkour hat für sein erstes Buch einen Verlag gefunden und schreibt aktuell am zweiten.

Veronika Polok beschloss die von ihr mit dem Dank an alle mit dem Ausstellungsprojekt Beteiligten moderierten Finissage mit zwei Neustädter Erfolgsgeschichten gelungener Integration. Rouzana Alahmar berichtete von der Flucht mit der Familie vor dem Krieg in Syrien sowie ihrem Leben seit 2015 in Deutschland und seit einem Jahr in Neustadt. Um wieder einmal berufstätig zu sein, übe sie jeden Tag Deutsch, habe dabei viel Hilfe erfahren und gute Freunde gefunden, fühle sich hier mit der Familie sehr wohl. Zur Integration beigetraten hat ihr ehrenamtliches Engagement im Freiwilligenzentrum. Ebenfalls erfolgreich hat diese Mohammad Al Baradan mit der Hilfe von „sehr netten Leuten hier“ in seine Hände genommen und sich mit viel Energie sowie der Philosophie des Respekts vor allen Kulturen und Religionen gut in der Neustädter Geschäftswelt etabliert.  

Harald J. Munzinger E-Mail

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