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Donnerstag, 27.06.2019

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Neustädter Feuerwehrverein erläuterte Fakten für das neue Gerätehaus

Umfassende Informationen - 17.05.2019 21:26 Uhr

Vor interessiertem Zuhörerkreis erläuterte Johann Schmidt vom Feuerwehrverein in allen Einzelheiten die Notwendigkeit des neuen Feuerwehrgerätehauses und die mit dem geplanten Standort zusammenhängenden Kriterien. © privat


Die den Neubau zwischen Bahnhof- und Umgehungsstraße unterstützenden Parteien CSU, FWG und SPD waren durch ihre Ortsvorsitzenden vertreten, ferner durch Mitglieder der CSU- und FWG-Fraktion mit Dritter Bürgermeisterin Kerstin Rauner an der Spitze. Der SPD-Ortsvorsitzende Markus Simon erläutert das Procedere um die beiden Bürgerentscheide und die Stichfrage mit dem Hinweis, dass es sich bei den drei Wahlfeldern auf dem einen Blatt Papier eigentlich um drei Stimmzettel handele. Deshalb sei es wichtig, in jedem der drei Felder ein Kreuz zu machen.

Johann Schmidt vom Feuerwehrverein informiert umfassend zum Thema geplantes Feuerwehrgerätehaus und den optimalen Standort zwischen Bahnhofstraße und Umgehungsstraße. Der Neubau sei zwingend erforderlich, da das derzeitige Gerätehaus zu klein sei, teilweise drei Fahrzeuge hintereinander stünden und die vorgegebenen Aktionsflächen um die Fahrzeuge nicht vorhanden seien. Aus der Tatsache, dass der Umkleidebereich teilweise direkt neben Stellplatz und Bewegungsfläche eines Löschfahrzeuges sei, resultiere eine akute Unfallgefahr!

Kleiderwechsel bei offenen Toren

Es gebe, so führte Schmidt die Mängelliste fort, keine getrennten Umkleidebereiche für die weiblichen und männlichen Einsatzkräfte, die bei geöffnetem Tor nach Abrücken vom Löschfahrzeug vom gegenüberliegenden Gehweg beim Kleidungswechsel beobachtet werden könnten. Zudem könne im Winter der Schnee bis in den Umkleidebereich wehen. Auch fehle der sogenannte Schwarz-Weiß-Bereich, also die Schleuse, in der die Feuerwehrleute nach dem Brandeinsatz ihre verschmutzten, kontaminierten und möglichen mit Ultragiften (aus dem Brandrauch, teilweise erbgutverändernd) behafteten Einsatzuniformen, ablegen können.

Außerdem seien hier keine Duschen vorhanden, um sich zu reinigen, bevor man in die zivilen Kleider schlüpfe und nach Hause oder zur Arbeit gehe. So könnten die Schadstoffe und Gifte auf die Privatkleidung und damit zuhause auf Partner und Kinder übertragen werden! Als schwerwiegender Mangel gelten auch die etwa 60 fehlenden Parkplätze für die PKW der anrückenden Feuerwehrleute und ausreichende Übungsflächen. Am Leonhard-Bankel-Platz stünden nur sechs Parkplätze zur Verfügung. Anrückende Feuerwehrleute müssten auf öffentlichen Verkehrsflächen parken und diesen Bereich mit Unfallgefahr queren! Am Gerätehaus Leonhard-Bankel-Platz gebe es keine getrennte Zu- und Abfahrt, was bedeute, dass sich an der Engstelle zwischen Bahnhofstraße und Leonhard-Bankel-Platz abrückende Feuerwehr-Einsatzfahrzeuge und nachrückende Feuerwehrleute begegneten, was zu kritischen und auch gefährlichen Situationen führen könne.

Drei Minuten zwischen Leben und Tod

Schließlich werde mitunter das Anfahren und Abrücken durch Fahrzeuge, auch Linienbusse, behindert, wenn die Einmündung bei Rotlicht der Plärrerampel nicht freigehalten werde. Was im Notfall zwei bis drei hier verlorene Minuten bedeuten könnten, wurde von Schmidt mit der Gefährlichkeit und Giftigkeit des Brandrauches verdeutlicht, der bei fünf bis zehn Atemzügen zur Bewusstlosigkeit und bei weitere fünf bis zehn Atemzüge zum Tod führen könne. Auf die Frage, wie oft die Anwesenden in drei Minuten atmen, herrschte betretenes Schweigen.

Weiter wurde auch die Thematik der Notfall-Türöffnung angesprochen, also wenn die Feuerwehr für den Notarzt/Rettungsdienst den Zugang in die Wohnung/zum Verletzten/Kranken ermöglichen muss. Dies seien Situationen, in denen es tatsächlich um Minuten gehe – und mi diesen um Leben und Tod. In diesem Zusammenhang wurde auch die Hilfsfrist, die vorgibt, dass spätestens zehn Minuten nach der Entgegennahme des Notrufes das erste Feuerwehrfahrzeug an der Einsatzstelle sein muss, erläutert.

Diese Hilfsfrist war auch die Überleitung zum Thema Alternativstandorte. Schmidt erläuterte, dass beispielsweise wegen dieser Hilfsfrist ein in die Bewertung genommener Standort am Gewerbegebiet (Nähe Weiß Marter) durchgefallen sei. Der aktuelle Standort am Leonhard-Bankel-Platz könne nicht den verbindlichen Vorgaben gemäß ertüchtigt werden, da der notwendige Platz fehle und das Problem der getrennten Zu- und Abfahrt schwer bis nicht zu lösen sei. Das von Gegnern des geplanten Standortes als Alternative genannte ehemalige Enzenberger-Gelände in der Karl-Eibl-Straße erfülle die Anforderung hinsichtlich der getrennten An-und Abfahrt nicht, weswegen es auch nicht als optimal habe eingestuft werden können. "Einzig das Areal zwischen Bahnhofstraße und Umgehungstraße erfüllt diese und die anderen Anforderungen wie genügend Parkplatz- und Übungsflächen voll", so Johann Schmidt, der Ehrenvorsitzende des Feuerwehrvereins und seit Jahrzehnten aktive Feuerwehrmann.

Bahndamm bisher nicht versunken!

Er ging auch auf die Gegenargumente der Bürgerinitiative ein, "die allesamt per Gutachten als nicht zutreffend" bewertet worden seien. Insbesondere sprach Schmidt die Themen Lärmschutz und Sumpfgebiet an und machte deutlich, dass sich der Lärmschutz nach Errichtung des Gerätehauses noch bessern werde. Da bisher weder Bahndamm noch Brücke im Sumpf versunken seien, liefen auch derlei Befürchtungen ins Leere.

Im Zusammenhang mit den speziell von der Grünen-Fraktion im Stadtrat als angezweifelten Dimension des Gerätehauses wurde mitgeteilt, dass von den aktuell 17 Fahrzeugen beziehungsweise Anhängern einige an dezentralen Standorten untergestellt seien und in der Fahrzeughalle teilweise drei Fahrzeuge hintereinander stünden. Diese Umstände ließen im Einsatzfall wertvolle Zeit verloren gehen. Weiterhin teilte Schmidt mit, dass über das Landkreis-Feuerwehrkonzept der Stadt ein sogenanntes Trägerfahrzeug und drei Abrollbehälter in den kommenden Jahren zugeteilt und somit im Gerätehaus untergestellt würden: "Dies bedeutet, dass die Stellplatzzahl von 20 nicht übertrieben ist".

Außerdem sei das gesamte Raumkonzept des geplanten Gerätehauses von der autarken Fachbehörde "Amt für Brand- und Katastrophenschutz", angegliedert bei der Regierung von Mittelfranken geprüft und für in Ordnung befunden worden. Ferner erfuhren die Zuhörer, dass laut Planer die Kosten für einen Stellplatz etwa 100.000 Euro betragen und es bei mehr als zehn Stellplätzen für diese je Stellplatz 98.000 Euro staatlichen Zuschuss gibt.

Die Stadt hat keinen Plan B

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurden an die Stadträte Fragen gerichtet. So wollte ein Bürger wissen, ob es einen Plan B gebe, falls das Bürgerbegehren für den Schutz des Bahndamms Erfolg haben sollte? Stadtrat Tilz teilte mit, dass es "keinen Plan B gibt, weil kein weiteres Grundstück vorhanden ist, das all die Kriterien, die zu erfüllen sind, bietet".

Zum dem aus dem Zuhörerkreis angesprochenen Thema Versiegelung und Grünfläche, erläuterte die Feuerwehr, dass das gesamte Areal des geplanten Gerätehauses etwa 10.000 Quadratmeter umfasse, davon aber bei der Grünbedachung nur etwa 2500 Quadratmeter für Stell-, Parkplatz- und Übungsflächen nicht mehr grün sein werden. Der Baumbestand, mit Ausnahme was auf dem Bahndamm steht, bleibe weitestgehend erhalten beziehungsweise werde umgesetzt. Die zusätzliche Ersatzpflanzung von 150 Bäumen für die 75 zu fällenden Bäume werde von der Feuerwehr übernommen. 

nb/hjm

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