Donnerstag, 22.08.2019

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"Neustädter Schwarz-Weiß Impressionen" neu aufgelegt

Bilder mit deutlicher Sprache - 14.08.2019 17:54 Uhr

Günther Ingrisch inspirierte mit seinen Schwarz-Weiß-Bildern zu Neustadt-Impressionen besonderer Art, für die Peter Pfeifer das Geschehen zeitkritisch ins Visier nahm. Auch in seine Ornamente lassen sich Gedanken hineinlesen. © Harald Munzinger


Auslöser für das außergewöhnliche Geschichts- und Geschichtenbuch über den Mikrokosmos einer Kleinstadt waren zwei Fotomappen, die Peter Pfeiffer aus dem Nachlass seines einstigen Lehrers Günther Ingrisch überlassen worden waren. Am 24. Dezember 1916 in der Nähe von Karlsbad geboren, war der als Heimatvertriebener nach Franken und im Februar 1950 nach Neustadt gekommen, wo er am „Humanistischen Progymnasium“ (Friedrich Alexander Gymnasium) unterrichtete und an diesem 1956 den Fotokurs initiierte.

Die Leidenschaft für das Fotografieren teilt Peter Pfeiffer mit dem mit 99 Jahren verstorbenen Pädagogen und diese zugleich mit dem Malen, Schreiben und „phantastisch-utopischen Philosophieren“, was sich durch die Neustädter Impressionen zieht, die man einer „nicht zu stoppenden Gedankenschmiede“ verdankt. Aus der Wertschätzung des Künstlers Günther Ingrisch entwickelte sich ein breites Geflecht persönlicher Eindrücke und Überlegungen des Hausarztes Pfeiffer, der damit auch anregen will, „einmal mit einem offenen Blick durch Stadt und Land zu ziehen“.

Nie versiegender Inspirationsquell

Wie aus Bildern, die für die Familie oder Bekannte zusammengestellt wurden, einmal ein wahrer Schatz eines Stadtarchivs werden kann, weiß Peter Pfeiffer aus seiner ehrenamtlichen Archivtätigkeit, die als nie versiegender Inspirationsquell mit in die Impressionen einfließen sollte. Ebenso wie die Transkriptionen, Aufbereitung der Alt-Einwohner-Kartei, Buchveröffentlichungen und über 150 Vorträge in 40 Jahren, von dem Autor als „öffentliche Gespräche“ beschrieben, gebündelt in einem reichen Erfahrungsschatz eines kritischen Geistes. Nicht zuletzt auch aus einer Stadtratsperiode, in der er nach dem satirischen Rückblick eines belächelten „Phantasten und Spinners“ zumindest die Gemüter bewegt habe.

Mit den Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus Kriegstagen bis zur „Schüler-Futterstelle“ im „Mahlkasten“ vor der eingerüsteten Schloss-Schule lässt Peter Pfeiffer die Bilder sprechen, verleiht ihnen eine sehr deutliche Sprache und lässt um sie die Gedanken sehr weite Kreise ziehen. Dabei wird immer wieder die Schale des Mikrokosmos gesprengt, fließen die Weltpolitik mit schlimmen Erinnerungen und düsteren Ahnungen etwa bei Betrachtungen regierender Ein-Falt, potenziert im „Trumpismus“ in die Gefühlswelt des Autors ein.

„Jerry Cotton“ war „ein Neustädter“

Immer wieder führen die Gedanken jedoch durch die Altstadtgassen, werden dem Betrachter gravierende Veränderungen im Stadtbild bewusst gemacht, Erinnerungen an namhafte Persönlichkeiten geweckt. Wer weiß denn noch, dass „Jerry Cotton“ mit dem Erfolgsautor Theodor Hoschelt und seinen zahlreichen Pseudonymen (567 Buchtitel in 785 Auflagen!) „ein Neustädter“ war?

Die Schwarz-Weiß-Bilder dürften gerne den „Geist ausschließen“, zum Nachdenken anregen, so der Autor etwa bei der Rückbesinnung auf schneereiche Winter. Peter Pfeiffer lässt Gedichte und Märchen einfließen und lockert die Seiten mit kunstvollen Ornamenten auf, die Kritzeleien bei (langen) Telefonaten entstammen. Dass ihm Günther Ingrisch‘ Bilder auch als Tarnung dienten, „ein bisschen von dem abzulassen, was sich als Druck aufgebaut hat“, gesteht der Autor „einzigartig eigenartiger“ Gedanken (so eine Leserin) mit stets kritisch und auch selbstkritisch geführter Feder zu seinen hintergründigen Betrachtungen. Etwa topaktuell zum geplanten Feuerwehrhaus, gegen das aus noblen „Wolkenkuckucks(eigen)heimen“ geschossen werde.

Versinken in Gedanken

2000 habe er mit den Aufzeichnungen begonnen, lässt Peter Pfeiffer wissen, der mit den „Neustädter Schwarz-Weiß Impressionen“ (Verkauf und Versand Buchhandlung Schmidt) ein Bilderbuch zum langsamen Blättern und Versinken in eigenen Gedanken aufgelegt hat. Habe man 75 Jahre mehr oder weniger in dieser Stadt gelebt, habe man viel erlebt, aufgestaut in einem Erfahrungsschatz, „dass es einem vor Spannung manchmal fast zerplatzen lässt“, schreibt der Autor im „Abgesang“ mit dem Rat, für die Angehörigen alles aufzuschreiben, was einem einfällt, und es zum Nachlass zu legen. Mancher mag es dann im Nachhinein vielleicht schmunzelnd nachlesen. Peter Pfeiffer gibt dazu in den Impressionen reichlich Anlass. Aber auch zu kritischer Betrachtung des Geschehens im und über den Mikrokosmos hinaus. 

Harald J. Munzinger

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