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Sonntag, 22.09.2019

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Polizei begleitet Schulanfänger: Mehr Verkehrskontrollen angekündigt

Beamte wollen vor allem durch Tempomessungen für mehr Sicherheit sorgen - 06.09.2019 21:23 Uhr

Die beiden Verkehrspädagogen der Polizeiinspektion Neustadt, Claudia Lang und Jens Witt – hier bei einem Luftballonstart zum der "ABC-Schützen" - leisten in den kommenden Wochen auch einen wesentlichen Beitrag zur Schulwegsicherheit. © Harald Munzinger


Für ihre Eltern und Großeltern ist es also nach dem Rat der Polizeiinspektion Neustadt „höchste Zeit, die Kinder noch auf den Straßenverkehr vorzubereiten und den Schulweg zu üben, soweit dies nicht schon geschehen ist“. Auch in den Kindergärten herrscht nach den Sommerferien schon wieder mehr Betrieb. Alle Kraftfahrer sollten sich deshalb auf diese Kinder einstellen, mahnt die Polizei. Die Inspektion Neustadt nimmt den Schulbeginn im Rahmen der Gemeinschaftsaktion „Sicher zur Schule - Sicher nach Hause“ wieder zum Anlass, um zum einen mit den Schulanfängern ihren Schulweg zu trainieren und auf das Verhalten an Schulbushaltestellen vorzubereiten.

Vier Schulwegunfälle im vergangenen Jahr

Die Polizei kündigt zum anderen in den kommenden Wochen aber auch verstärkte Kontrollen vor Schulen und Kindergärten, insbesondere im Hinblick auf die Gurtpflicht und die Sicherung von Kindern in Kraftfahrzeugen an. Im vergangenen Jahr 2018 ereigneten sich, so die Verkehrsunfallstatistik für den Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, vier Schulwegunfälle. Im Jahr davor (2017) zählte die Polizei hingegen nur einen Unfall dieser Art im Landkreis. Damit konnte aber erneut das niedrige Niveau der letzten Jahre gehalten werden.

Dieser Umstand dürfte unter anderem sowohl der Präventionsarbeit der Ordnungshüter als auch deren Repression durch verstärkte Kontrollen geschuldet sein. Bei den Unfällen im Jahr 2018 wurden die vier Schüler übrigens glücklicherweise nur leicht verletzt.

Ein wesentlicher Aspekt in diesem Zusammenhang ist die Gurtpflicht und die Sicherung von Kindern in Kraftfahrzeugen.

Gurt kann Leben retten

„Der angelegte Sicherheitsgurt und die Sicherung des Kindes kann Leben retten! Schwerwiegende Folgen werden jedoch in jedem Fall bei einem Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug oder Hindernis minimiert. Deshalb: nur mit Gurt, der Gesundheit zu Liebe!“ stellt Polizeihauptkommissar Thomas Klein, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Neustadt fest. Ein besonderes Augenmerk seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gilt darum in den kommenden Wo-chen der Kontrolle der Gurtpflicht.

Das Hauptaugenmerk der Eltern sollte nach Meinung der beiden Verkehrserzieher der Polizeiinspektion Neustadt, Polizeioberkommissarin Claudia Lang und Polizeioberkommissar Jens Witt, vor allem bei den Schulanfängern auf das Schulwegtraining gelegt werden. Die beiden Verkehrspädagogen leisten in den kommenden Wochen ebenfalls ihren Beitrag zur Schulwegsicherheit. An den Grundschulen im östlichen Landkreis üben sie mit den Kindern das richtige Verhalten auf dem Schulweg, aber auch an den Haltestellen der Schulbusse sowie in den Omnibussen selbst.

Darüber hinaus werden die „ABC-Schützen“ in der kommenden Woche zum Schulanfang wieder mit den gelben, reflektierenden Sicherheits-Trapezen ausgestattet, die am ersten Schultag an allen Grundschulen verteilt werden. Unterstützt wird diese Aktion von der Verkehrswacht, die bereits teilweise mit großen Bannern auf den Schulanfang hinweist, sowie von örtlichen Kreditinstituten.

Dazu noch ein paar Tipps der Verkehrserzieher der Neustädter Polizei für Eltern: „Der Weg zur Schule muss - mehrmals!!! - in Begleitung der Eltern oder Großeltern geübt werden“, so Claudia Lang. „Hier gilt: je öfter, umso besser! Mit dem Schulwegtraining kann deshalb nicht früh genug begonnen werden“. Sie rät, dass dabei gefährliche Stellen auf dem Schulweg besprochen wer-den und das Fehlverhalten des Kindes gleich korrigiert wird. Bei der Auswahl des Schulweges gilt: „Der kürzeste Weg ist nicht automatisch der sicherste! Einen Umweg zu Zebrastreifen, Ampeln oder Fußgängerüberwegen, an denen Schulweghelfer eingesetzt werden, sollte in Kauf genommen werden“, wie Jens Witt meint.

"Wer es eilig hat macht Fehler. Deshalb müssen die Kinder immer rechtzeitig auf den Weg zur Schule oder zur Bushaltestelle geschickt werden", empfiehlt Witt weiter.

Verhalten am und im Bus

Aus den selbst gemachten Beobachtungen der Beiden ergeben sich ihre Ratschläge zum Thema „Bushaltestelle“ und „Fahrt im Schulbus“. An der Haltestelle sollen sich die Schüler im sicheren Wartebereich aufhalten. Beim Ein- und Aussteigen nicht drängeln, die Büchertasche in dieser Zeit in der Hand halten und nicht auf dem Rücken tragen. Im Bus, während der Fahrt gilt es, sitzen zu bleiben, wenn freie Sitzplätze vorhanden sind. „Nach dem Aussteigen, auch das soll ihnen eingeschärft werden, können die Kinder erst nach dem Abfahren des Schulbusses die Straße gefahrlos überqueren", macht Claudia Lang unmissverständlich deutlich.

In Situation hineinwachsen

„Soweit es geht sollten die Eltern oder Großeltern die Schüler nicht mit dem Auto zur Schule bringen“, plädiert Jens Witt an diese Zielgruppe. „Nur so können die Kinder nämlich in den Straßenverkehr und seine Situationen hineinwachsen“, stellen er und auch seine Kollegin immer wieder fest. „Und dieser Apell trägt Jahr für Jahr zunehmend Früchte“, so Lang weiter. Wenn sich eine Fahrt nicht vermeiden lässt, dann sollte auf einem Parkplatz oder an einer verkehrsärmeren Stelle angehalten werden, um dem Kind das Aussteigen zu ermöglichen. Immer wieder müssen die beiden Ordnungshüter vor Schulen feststellen, dass Eltern - meist noch in Eile oder gar Hektik - ihr Auto unmittelbar vor dem Schulgebäude stoppen und dabei Gefahrsituationen für ihre Kinder, aber auch für andere heraufbeschwören, wenn diese aussteigen. Deshalb gilt auch: „Zeit nehmen auf dem Weg zur Schule oder nach Hause“, so Witt

Kinder sind in Kraftfahrzeugen während der Fahrt durch amtlich genehmigte und geeignete Rückhalteeinrichtungen („Kindersitze“) zu sichern, wenn diese das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und kleiner als 150 cm sind. Eltern und Großeltern, aber auch ältere Geschwister können hier durch ihr Verhalten ein Vorbild für den Sprössling sein, indem sie sich auch selbst anschnallen.

Letztlich ist es gerade im beginnenden Herbst und bei Dämmerung sehr wichtig, die Erkennbarkeit von Kindern zu erhöhen, wozu reflektierende Kleidung und ein auffälliger Schulranzen ihren Beitrag leisten können.

Die Verhaltensregeln für Kraftfahrer in der Straßenverkehrsordnung (StVO) haben ebenfalls nichts an ihrer Gültigkeit verloren und werden deshalb von Thomas Klein, noch einmal in Erinnerung gerufen: „Zunächst gilt die Verpflichtung für jeden Fahrzeuglenker, sich gegenüber Kindern, insbesondere durch Verminderung der Geschwindigkeit und Bremsbereitschaft, so zu verhalten, dass eine Gefährdung ausgeschlossen ist. An Bussen (und demnach auch an Schulbussen!) mit eingeschaltetem Warnblink-licht darf in beiden Fahrtrichtungen nur mit Schrittgeschwindigkeit vorbeigefahren werden. Notfalls muss Kindern durch Anhalten ein gefahrloses Überqueren der Fahrbahn ermöglicht werden“.

Erhöhte Bremsbereitschaft!

„Bei Kindern am Fahrbahnrand ist eine erhöhte Bremsbereitschaft, aber auch eine angepasste Geschwindigkeit unerlässlich!" Diese Aussage, so Klein, gilt nach seiner Meinung nicht nur im Zusam-menhang mit dem Schulbeginn, sondern sollte von Kraftfahrern grundsätzlich beachtet werden.

Aber auch alle Fußgänger können ihren Beitrag zur Sicherheit der Schulanfänger leisten. „Sie haben Vorbildfunktion und sollten sich das immer ins Bewusstsein rufen“, meint er weiter. „Fußgängeram-peln dürfen nur bei Grünlicht überquert werden, ungeachtet dessen, ob sich ein Kind in unmittelbarer Nähe befindet und zuschaut oder nicht. Das Motto „Nur bei Grün! Den Kindern ein Vorbild!“ sollte Jeder im Hinterkopf haben und für sich beherzigen!"

„Doch Aufklärung allein, so zeigt die Erfahrung der Polizeikräfte immer wieder, führt nicht allein zum erwünschten Ergebnis“, ist sich die Leitung der Inspektion unisono einig. „Im Rahmen des Streifendienstes, aber auch bei gezielten Kontrollen werden wir deshalb in den kommenden Wochen wieder vermehrt Überwachungen zur Schulwegsicherheit durchführen. Unser Hauptaugenmerk wird im Rahmen dieser Kontrollen der Gurtanlegepflicht sowie der Sicherung von Kindern in Kraftfahrzeugen, den Bushaltestellen sowie den Schulbussen gelten“, kündigen der Leiter der Inspektion, Erster Polizeihauptkommissar Siegfried Archut und sein Vertreter an.
Darüber hinaus werden von Beiden für die ersten Wochen nach den Ferien „Geschwindigkeitskontrollen mit den Handlasermessgeräten, im Schwerpunkt vor Schulen und Kindergärten sowie an von Schülern und Kindergartenkindern stark frequentierten Straßen“ in Aussicht gestellt. Dabei soll die Einhaltung der dort jeweils zulässigen Höchstgeschwindigkeit überwacht werden. „Die Polizeiinspektion Neustadt wird bei dieser Aktion von Kolleginnen und Kollegen des Einsatzzuges sowie der Verkehrspolizeiinspektion in Ansbach mit ihren Geschwindigkeitsmessfahrzeugen und -geräten unterstützt.

Die Kontrollen verteilen sich dabei flächendeckend, aber zielgerichtet auf Schwerpunkte im östlichen Landkreis, dem Zuständigkeitsbereich der Inspektion“, so Klein abschließend, wobei er schon im Vorfeld an das Verständnis aller Kraftfahrer für diese Maßnahmen appelliert und auf deren Einsicht für die Notwendigkeit der Aktion hofft. „Die jährlich wiederkehrend stattfindende Schulwegaktion der Polizei dient einzig und allein dem Zweck, die Sicherheit für unsere Kinder und Enkel auf dem Schulweg zu erhöhen! Und jeder Unfall ist einer zu viel!!!“, wie er Jahr für Jahr besonders herausstreicht. 

nb

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