Youtuber wegen Körperverletzung vor Gericht

Prozess um den "Drachenlord": Hängt Rainer Winkler Youtube an den Nagel?

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Ulrike Löw

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21.10.2021, 09:52 Uhr
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Der "Drachenlord" Rainer Winkler vor Gericht. © Ulrike Löw

Sicherheit wird am Donnerstag groß geschrieben im Strafjustizzentrum Nürnberg: Selbst Journalisten müssen die Sicherheitsschleuse passieren und werden kontrolliert, wie am Flughafen. Das Amtsgericht Neustadt/Aisch, das aus Sicherheitsgründen nach Nürnberg ausgewichen ist, tagt im Gebäude, dabei ist der Inhalt des Strafprozesses nicht besonders spektakulär. Verhandelt wird über Körperverletzung und Beleidigung.

Internet-Star polarisiert

Doch angeklagt ist Rainer Winkler, als "Drachenlord" einer der meistgehasstesten YouTuber Deutschlands. Der selbsternannte Internet-Star polarisiert. Zu seiner Gefolgschaft zählen vor allem Anti-Fans - und viele von ihnen, nur ein Paradoxon des Phänomens - finanzieren ihn, schon weil sie seine Videos klicken und dies für ihn bare Münze bedeutet.

Nun sind sie gekommen, weil Rainer Winkler - er steht wegen Körperverletzung und Beleidigung bereits unter Bewährung - eine Freiheitsstrafe droht. "Wir bringen den Drachenlord in den Knast", schrie bereits einer der Hater vor Jahren vor Winklers baufälligem Haus in Altschauerberg (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim). Nun sind rund 60 Hater als Zuschauer zum Strafjustizzentrum angereist, um zu sehen, ob diese "Mission" gelingt.

Das Amtsgericht hat zwei Verhandlungstage angesetzt, am 21. und 28. Oktober werden die mutmaßlich Geschädigten als Zeugen angehört, sogenannte Hater, die der Drachenlord mit einer Taschenlampe geschlagen und verletzt haben soll. Auch Polizeibeamte sind gefragt, der Drachenlord soll sie wüst beleidigt haben.

Unterstellt, das Amtsgericht spricht Rainer Winkler schuldig im Sinn der Anklage, könnte ihm eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung drohen. Doch ob und wann Rainer Winkler tatsächlich hinter Gitter geht, ist völlig offen: Nach einem Urteil des Amtsgerichts sieht der Instanzenzug die Berufung zum Landgericht vor. Wann ein Urteil - wie auch immer es am Ende lauten wird - rechtskräftig wird, ist derzeit völlig offen.

Der "Drache" ist jedenfalls schon vor Ort. Es gibt Gerüchte, dass man wieder auf ihn einreden will: Bereits bei der letzten Verhandlung in Neustadt/Aisch lautete das Motto, er könnte sein YouTuber-Dasein freiwillig aufgeben und wird dafür mit Bewährung belohnt.

Tatsächlich ziehen sich die Prozessbeteiligten sofort nach Beginn der Hauptverhandlung hinter verschlossene Türen zurück. Die Verteidigung und die Staatsanwaltschaft führen mit der Amtsrichterin Rechtsgespräche. Meist geht es in Strafverfahren darum, in sogenannten "Deals" gegen ein Geständnis eine mildere Strafe zu erwirken. Hier kann die Überschrift nur lauten: Rainer Winkler hängt seine YouTuber -Karriere freiwillig an den Nagel, dafür kommt er mit einer Bewährungsstrafe davon.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Die Freiheit des Wohnortes und die Freiheit der Berufswahl sind grundrechtlich geschützt. Gedrängt werden, seine YouTuber-Karriere aufzugeben, kann Rainer Winkler nicht. Doch er kann es freiwillig anbieten, um die goldene Brücke zu beschreiten, die an einer eventuellen Gefängnisstrafe vorbei führt.

Aggressives Auftreten

In der Verhandlungspause diskutiert das Publikum. Nein, ein "Mobbing-Opfer" sei der "Drachenlord" eben gerade nicht - er sei es, der in seinen Videos und Streams aggressiv auftritt, Handwerker und Studenten abwechselnd als faul und dumm verunglimpft.

Dieser Artikel wurde am 21. Oktober 2021 um 9.54 Uhr aktualisiert.

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