Rückblick auf 45 Jahre Geschichte: Die Markgrafenhalle feiert ein besonderes Jubiläum

23.11.2021, 14:02 Uhr
Ein buntes Kaleidoskop der Unterhaltung bot der „Tempel der Kunst“ mit den Gastspielen namhafter Bühnen und Künstler.

Ein buntes Kaleidoskop der Unterhaltung bot der „Tempel der Kunst“ mit den Gastspielen namhafter Bühnen und Künstler. © o.n.

Als Mehrzweckhalle war sie für eine vielfältige Nutzung konzipiert und ihr Bau „mit der Hebung des Wohn – und Freizeitwertes der Kreisstadt“ zu den Einrichtungen gezählt worden, „die ein Mittelzentrum heute bieten muss“. Sie sollte, wie damals beschrieben, insbesondere „für Schulsport, Vereinssport, Tagungen, Seminare, Ausstellungen, gesellschaftliche und gewerbliche Veranstaltungen und für politische Veranstaltungen von Parteien im Sinn des Parteiengesetzes und von Wählergruppen, die zu allgemeinen Wahlen zugelassen sind“, mit Kapazitäten von bis zu 1500 Personen bestimmt sein.

Der Schauspieler Günter Strack leistete für „großes Theater in der Provinz“ wertvolle Starthilfe und agierte mehrfach auf der Bühne der „Markgrafenhalle“.

Der Schauspieler Günter Strack leistete für „großes Theater in der Provinz“ wertvolle Starthilfe und agierte mehrfach auf der Bühne der „Markgrafenhalle“. © o.n.

Großer Wert wurde auch auf „Theater, Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen“ gelegt. So zeigte sich denn auch der damalige Erste Bürgermeister Horst Erny erfreut, zur ersten Theater- und Konzertsaison 1977/78 einladen zu können, sei doch „die Pflege der Schauspielkunst uns Deutschen seit jeher eines der wichtigsten und schönsten kulturellen Bedürfnisse gewesen“. Im ersten Programmheft dankte er es der „großzügigen Förderung durch Bund und Land, die neu errichtete Bühne in unserer Stadt ihrer Bestimmung übergeben zu können“.

Besonderen Dank sprach Erny dem in Münchsteinach lebenden Schauspieler Günter Strack „für die freundliche Mithilfe bei der Gestaltung und der Auswahl des Programms“ aus. Die Bevölkerung rief der Bürgermeister auf, „in dem neuen Tempel der Kunst“ mit dem regelmäßigen Theaterbesuch beziehungsweise -abonnement „zum Gelingen und Erfolg dieses Werkes beizutragen“. Ein Appell der auch durch zugkräftige Theatergastspiele und Konzerte namhafter, internationaler Orchester und Chöre fruchten sollte.

Größen der Theater- und Showbühnen

So hatte denn auch zu „zehn Jahren Markgrafenhalle und zehn Jahren Theatersaison mit strahlenden Glanzlichtern“ eine rundum positive (Zwischen-)Bilanz gezogen werden können. Wem mochten schließlich „nicht die unvergesslichen Stunden mit den Größen der Theater- und der Showbühne im Gedächtnis“ geblieben sein. Ein lange Liste großer Namen wie Ingrid Steger, Uschi Glas, Grit Böttcher, Elke Sommer, Ellen Schwiers, Nadja Tiller, Inge Meysel oder Thekla-Carola Wied sowie Paul Dahlke, Horst Tappert, Charles Regnier, Volker Lechtenbrink, Walter Giller, Manfred Krug, Peer Augustinski, Christian Kohlund, Claus-Theo Gärtner oder Götz George – allen voran mit mehrfachen Gastspielen Günter Strack – sollten Beleg dafür sein: „Diese faszinierende Revue lässt den Gedanken an provinzielles Theater gar nicht erst aufkommen. Hier handelt es sich um großes Theater in der Provinz“.

Dafür sollten auch Inszenierung wie „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“, „Barfuß im Park“, „Loch im Kopf“, „Der Revisor“, „Möwen haben einen leichten Schlaf“ oder „Bleib wo Du bist, Liebling“ stehen. Doch nicht nur Liebhaber von Komödien, Dramen und Tragödien sollten auf ihre Kosten kommen, sondern auch für jene von Symphonien, Chorgesängen und anderen konzertanten Aufführungen sollten keine Wünsche offenbleiben“, wie die zehn Jahre Theater und Konzertsaison schwärmerisch beschrieben wurden. Schließlich konnte Neustadt unter anderem mit dem Don Kosaken-Chor, den Nürnberger oder Berliner Symphonikern, dem Thomanerchor aus Leipzig oder den Los Angeles Jubilee-Singers aufwarten.

Bunte und vergnügliche Palette

In den zehn Jahren fanden ohne die wöchentlich vollbelegten Trainingsstunden der örtlichen Vereine und Schulen in der Markgrafenhalle 620 Veranstaltungen kultureller, gesellschaftlicher und sportlicher Art statt, die über 327.000 Besuchern „eine bunte, vergnügliche, interessante und spannende Palette von Möglichkeiten boten“. Große Bälle nicht nur der „Tanzfreunde 72“ zählten ebenso dazu wie Firmen- oder Vereinsevents und Ausstellungen.

„Die Konzeption des Abonnementtheaters soll in der Zukunft beibehalten und die Programmgestaltung wie bisher auf die Wünsche der Besucher abgestellt werden“, war es das Versprechen zum „Zehnjährigen“. Es sollte noch knapp 15 Jahre halten und nach nun über zwei Jahrzehnten weitgehend in Vergessenheit geraten. Von Firmentheater oder buntem Narrentreiben abgesehen. In die Gegenwart gerettet wurde die Tradition der Gastspiele „verschiedenster Kindertheater“, ohne die man sich damals eine Theatersaison nicht vorstellen mochte. Schon lange aber „erfüllt frohes Kinderlachen“ nicht mehr die Markgrafenhalle, sondern die „NeuStadtHalle am Schloss“. In der sollte es bei zaghaften Versuchen von Theaterabenden bleiben, offenbar eines der mit der ersten Saison der Tournee-Ensembles beschworenen „wichtigsten und schönsten kulturellen Bedürfnisse“ – die hohe Schauspielkunst - in Neustadt verblassen. Abgelöst von Comedy und Kabarett, aufgelockert durch diverse Bands und Konzerte.

Engagierte private Kräfte

Apropos Kunst und Kultur: Hier kann die Kreisstadt auf engagierte private Kräfte setzen. So hatte 1974 Dr. Dieter Geißendörfer den Impuls für die sommerliche Freilicht-Konzertreihe „Neustädter Schlosshof“ gegeben, die alljährlich Klangvielfalt in romantischer Kulisse bietet und für den „Musikzauber Franken“ steht. Dr. Geißendörfer war es auch gewesen, der den Förderkreis „pro musica“ initiierte, der mit Kirchmusikkreisen und dem Kulturverein „für ein vielfältiges, anspruchsvolles Angebot sorgt, das ein breites Interessenfeld abdeckt“, so eine Notiz zur „Kunst-Stätte“ Neustadt. Zu der natürlich auch die vom Kunstkreis seit Jahrzehnten arrangierten Galerien zunächst in der Rathaus-Ehrenhalle und später in der Sparkasse, die Galerien in der Kreisklinik oder der jährliche „Kunstmarktplatz“ zu zählen sind. Lediglich die „Markgrafenhalle“ ist da kulturell ins „Abseits“ geraten und nun insbesondere dem Sport vorbehalten.

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