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Sabotage-Akte im Maisfeld: Landwirte unter Verdacht

Polizei fasst drei Täter, die Bauern in Lebensgefahr brachte - 03.03.2020 11:24 Uhr

Diese Metallgegenstände wurden bei den Sabotageakten in Maisfeldern Mittelfrankens entdeckt.

29.02.2020 © Harald Munzinger


Seit 2017 kam es in Mittelfranken immer wieder zu Sabotageaktionen an Maishäckslern mit zum Teil sehr hohen Sachschaden. Die Maisanbauern im Raum Neustadt/Aisch traf es dabei besonders hart. Allein im Sommer 2019 wurden in acht Fällen bei Emskirchen und Gerhardshofen an den Maiskolben Zimmermannsnägel entdeckt. In einem anderen Fall war es ein Metallstück einer Güllepumpe. Besonders fies: Um die Metalldetektoren auszutricksen, nutzte einer der Täter ein Stück Eichenholz. 10.000 Euro hatten Landwirte auf die Ergreifung der Saboteure ausgesetzt. Die Polizei ermittelte mit Hochdruck im Raum Neustadt.

In einer Pressemitteilung gab die Polizei Mittelfranken am Dienstagvormittag nun erste Details bekannt. Bei den Verdächtigen handelt es sich um drei männliche Personen im Alter zwischen 56 und 66 Jahren aus Wilhelmsdorf. Sie stehen in dringendem Tatverdacht, für die Sabotageaktionen an den Maishäckslern verantwortlich zu sein. Brisant: es handelt sich um Angehörige einer Familie, die selber Landwirtschaft betreiben.

Auf der Pressekonferenz äußerten sich unter anderem Polizeipräsident Roman Fertinger zu den Fällen.

03.03.2020 © Lorenz Bomhard


Bei der Durchsuchung der Anwesen der Tatverdächtigen Anfang Februar wurde weiteres belastendes Beweismaterial gefunden. Eine freiwillige DNA-Probe brachte dann Klarheit: dem 66-jährigen Beschuldigten konnten drei Taten, dem 61-Jährigen ein Fall nachgewiesen werden. Alle drei Beschuldigte äußerten sich bisher nicht zu den Tatvorwürfen. Sie wurden aus dem Polizeigewahrsam entlassen.

Die drei Männer gingen bei ihren Taten besonders perfide vor: um einen möglichst hohen Sachschaden an den Mais- und Heuerntemaschinen zu erzeugen, zersägten sie Eisenstangen und umwickelten diese zur Tarnung mit diversen Gummistücken oder Klebeband und positionierten sie mit Hilfe von Holzstangen zwischen den Maisstauden.

Die Ermittler werten derzeit noch weiteres Beweismaterial aus und führen bei den geschädigten Landwirten ergänzende Vernehmungen durch. Offen bleibt, inwieweit die drei Beschuldigten für die Sachbeschädigungen aus den Jahren 2017, 2018 und der weiteren Fälle aus dem Jahr 2019 verantwortlich sind.

Die Angst wird bleiben

Fest steht aber, dass die Angst der Landwirte vor den fiesen Attacken bleiben wird. Wenngleich ein Schwerpunkt der Sabotage-Akte im Raum Neustadt verzeichnet wurde, so gab es Anzeigen auch aus anderen Teilen Frankens. So liegt ein weiterer Schwerpunkt der Attacken in Unterfranken im Landkreis Schweinfurt. Aber auch bei Treuchtlingen waren Täter unterwegs und haben mit Eisenstangen in Maisäckern einen Sachschaden von immerhin 250.000 Euro angerichtet.

Bilderstrecke zum Thema

Die Angst fährt mit: Metallteile in unterfränkischen Feldern gefunden

Ein Unbekannter terrorisierte im August 2018 die Bauern im unterfränkischen Raum Schweinfurt mit Metallteilen in Maisfeldern: Immer wieder wurden Schrauben und Metallstangen an den Kolben gefunden. Die Folgen können lebensgefährlich sein: Das Deponieren von Metallteilen kann sowohl zu einem hohen finanziellen Schaden führen, aber auch zum lebensbedrohlichen Geschoss für die Person im Mähdrescher werden.


Doch die Attacken sind nicht allein fürs Material gefährlich: Eine abgerissene Schraube oder ein Nagel können leicht die Traktorscheibe durchschlagen und als tödliche Geschosse den Fahrer treffen. Inzwischen schützen sich mancherorts schon Landwirte mit Metalldetektoren. Ob der Spuk aber jetzt vorbei ist, wird bezweifelt. Wegen der vielen Fälle in Franken geht die Angst um, dass auch bei der Ernte im Sommer 2020 Trittbrettfahrer weitere Sabotage-Akte verüben.

Dieser Artikel wurde am 03.03.2020 um 10:59 aktualisiert.

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