Ziegenfell und gegerbtes Hirschleder

Schneider schreiben in Neustadt an der Aisch Geschichte

10.1.2022, 18:06 Uhr
Ramona Rippel und Jan Inkmann freuen sich über die Anerkennung, die ihr junges Unternehmen „Drilling Jagd- und Outdoorbekleidung“ im renommierten Magazin „Wild und Hund“ sowie bei internationaler Kundschaft genießt. Wieder einmal schreibt ein Neustädter Schneider (korrekt eine Schneiderin) Geschichte.

Ramona Rippel und Jan Inkmann freuen sich über die Anerkennung, die ihr junges Unternehmen „Drilling Jagd- und Outdoorbekleidung“ im renommierten Magazin „Wild und Hund“ sowie bei internationaler Kundschaft genießt. Wieder einmal schreibt ein Neustädter Schneider (korrekt eine Schneiderin) Geschichte. © o.n.

Zwischen beiden liegen rund 560 Jahre. Mit der Idee, sich in ein Ziegenfell zu nähen und als gut genährter Bock auf der Stadtmauer zu präsentieren, um belagernde Truppen den Plan aufgeben zu lassen, die Stadt auszuhungern, hatte ein Schneider 1461 zwar nur zu deren Sagen-hafter Rettung beigetragen. Doch wird ihm noch heute mit dem Geißbock als Neustädter Symbolfigur die Ehre erwiesen und seine Heldentat alljährlich mit Lied und Tanz beim Kirchweih-Kinderfest gefeiert.


Sagenhaft mutet auch die Tatsache an, dass es eine Neustädter Schneiderei mit einem Firmenportrait in das renommierte Jagdmagazin „Wild und Hund“ (knapp 100.000 Printleser und rund 400.000 User der Onlineausgabe) geschafft hat. Und das mit einem vierseitigen, illustrierten Report über „Die Schneider von Neustadt“, in dem der Bogen von der Historie zum Startup des Handwerksbetriebes „Drilling“ für Jagd- und Outdoor-Bekleidung von Ramona Rippel und Jan Inkmann geschlagen wird.


Gründung von Corona überschattet

Ende 2019 gründete das Paar sein Unternehmen und feierte Anfang 2020 die Einweihung der Schneiderei mit dem Blick auf die Altstadt. Die Freude über den Start sollte rasch von Corona überschattet werden, worauf spontan mit der Produktion von Stoffmasken reagiert wurde. Ein kurzes Intermezzo, da schon bald medizinische und FFP2-Masken Pflicht wurden. So besann man sich wieder auf die Bekleidung. Da stand am Anfang für das Paar die Erkenntnis, dass sich nicht die richtige Kleidung nach den Vorstellungen des Betriebswirtes und Jägers Jan Inkmann finden lassen sollte. Wetterfest und strapazierfähig musste sie sein, zudem atmungsaktiv und – für die Jagd besonders wichtig – „geräuschlos“. Dies alles aus bestem Material und so verarbeitet, dass die Jacke bei optimalem Tragekomfort sowohl winddicht wie wasser- und schmutzabweisend sowie zugleich temperaturausgleichend ist, wie Jan Inkmann die Ansprüche beschreibt.
So wird von der Schneiderin Ramona Rippel und ihrem Team Loden mit ausgewählten Futterstoffen sowie Damhirschleder verarbeitet und dabei auf eine ganz spezielle Naht und die attraktive Optik geachtet. Neben dem fachlich hohen Qualitätsanspruch hat die Kreativität bei „Drilling“ den gleichen hohen Stellenwert, wobei die Kunden ihre speziellen Wünsche einfließen lassen können. „Auch das gegerbte Leder des selbst erlegten Hirsches einarbeiten zu lassen, ist möglich“, macht das Magazin „Wild und Hund“ neugierig auf die Manufaktur direkt an der Stadtmauer, die es den Neustädter Schneidern offensichtlich angetan hat.


„Drilling“ wird attestiert, Ideen zu realisieren und stets bestrebt zu ein, die Produkte „immer weiter zu verbessern. Selten begegnet man so einer Detailverliebtheit und dem Streben nach dem Perfekten“, ist in dem Magazin zu lesen, und dass sich der Besuch bei „Drilling Jagd- und Outdoor-Bekleidung lohne: „Denn wie der findige Schneider aus dem 15. Jahrhundert in seinem Ziegenfell führt die kreative Firma die Tradition fort“.
Und das – trotz Pandemie - mit so großem Erfolg, dass sich ihr Kundenkreis über ganz Deutschland erstreckt, bis in die Schweiz, nach Belgien, Schweden oder Norwegen reicht, die Auftragsbücher voll sind und es inzwischen sowohl personell wie räumlich buchstäblich eng wird. Damit eröffnen sich für dringend gesuchte qualifizierte SchneiderInnen Chancen auf einen attraktiven Arbeitsplatz. Zudem müssen Expansionspläne auch für die Installation einer Großmaschine geschmiedet werden, an der aus inzwischen eigens für „Drilling“ gefertigten Materialien kunstfertig ebenso attraktive wie praktische Bekleidung „gezaubert“ wird.

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