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Storchenpaar in Neustadt: Hauseigentümer entfernt ihr Liebesnest

Jetzt beginnt die Suche nach einem alternativen Wohnsitz - 14.04.2021 10:22 Uhr

Mit einem großen Kran wurde dem kurzen Glück vom zweiten Storchenpaar in der Kreisstadt ein Ende gesetzt. Darauf wurde mit Enttäuschung und Verärgerung reagiert, die Maßnahme aber als alternativlos kommentiert.

13.04.2021 © privat


Während Nachbarn und Passanten noch gehofft hatten, dass das Storchenpaar, das sich vom ersten Horstverlust nicht hatte entmutigen lassen und fleißig sein zweites Nest gebaut hatte, dieses nun auch behalten dürften, kam die Ernüchterung in Gestalt eines großen Kranes, mit dem die Niststätte entfernt und der Kamin gegen einen "Wiederaufbau" geschützt wurde.

"Anstelle sich etwas Sinnvolles zu überlegen, investiert man sein Geld zweimal in einen Kran" wurde von Kritikern der Maßnahme fassungslos und "zugegeben wütend" festgestellt. Und dass man sich für eine solche Aktion schämen müsste. Zumal anzunehmen sei, dass in dem Nest schon gebrütet wurde, nachdem einen ganzen Tag lang ein Storch in diesem gesessen habe. Für ein Zwillingspaar, das täglich aus einem Nachbarhaus mit Freude Adebars eifriges Treiben beobachtet hatte, sollte die Entfernung des Nestes für seinen traurigsten Geburtstag sorgen, wie es die Mama bedauerte.

Doch es wurde durchaus auch Verständnis für die Entfernung der Nester gezeigt. "Also ich persönlich würde mich auch nicht über ein Storchennest auf meinem Haus freuen", lautete ein Kommentar in den sozialen Netzwerken. Und auch Neustadts Erster Bürgermeister Klaus Meier mochte dem Hausbesitzer keinen Vorwurf machen, hätten sich die Störche doch ausgerechnet auf einem intakten Kamin "eingenistet".

So wie es vor Jahren auch schon auf dem Rathaus gewesen war, wo man Adebar "umbetten" musste. Mit Hilfe von Erwin Taube, Storchenbeauftragter des Landesbundes für Vogelschutz war auf dem Kamin auf der gegenüberliegenden Seite des Rathaustürmchens der Unterbau für ein Nest montiert worden, das seitdem für den Störchen angenommen wird und schon mehrfach mit viel Freude beobachtete Kinderstube war. Auch gegenwärtig wird neben dem Geißbock gebrütet.

Suche nach alternativem "Wohnsitz"

Mit dem Vorsitzenden des Tierschutzvereins, Wolfgang Bläsing, ist Bürgermeister Meier nun auf der Suche nach einem möglichen geeigneten "Wohnsitz" für das zweite Neustädter Storchenpaar. Für eine Nisthilfe hat der Tierschutzverein schon seine Unterstützung zugesagt, der man sich auch beim LBV sicher ist. Wer also würde Adebar Obdach auf dem Hausdach gewähren? Angebote werden im Rathaus gerne angenommen, in dem man unter anderem das ehemalige Finanzamt oder die Polizeistation im Blick hat, auf der schon einmal eine Plattform installiert worden war.

Adebar ist ratlos, als er seinen Nistplatz "verbaut" vorfindet.

14.04.2021 © o.n.


Allerdings sei die Frage, ob eine Alternative auch angenommen würde, so Bürgermeister Klaus Meier. Dem Vorschlag der "toten" Schlöte im einstigen Neustädter Ziegelrevier gegenüber ist er skeptisch. Diese könnten zu hoch sein und die Horste Stürmen nicht standhalten. Die Nestbauten an den Kirchtürmen im Aischtal stützen diese These nicht. Und ein Braumeister, der sein Sudhaus eine ganze Saison lang stilllegte, weil sich Störche ausgerechnet auf dessen Schlot niederließen, mag zu den Ausnahmen der Gastfreundschaft für die prächtigen Vögel zählen, die gegenwärtig im Aischtal in so großer Zahl zu bewundern sind, dass Uehlfeld sich schon als "das Storchendorf Deutschlands" rühmen kann.

Die Kehrseite der glänzenden Medaille: Der reichliche Nachwuchs sucht neue Quartiere und ist – wie jetzt in Neustadt zu sehen – nicht überall willkommen. Oder kann auch für Probleme sorgen, vor die sich jetzt der Hausbesitzer gestellt sah. Es sei Gefahr für die Heizung und Abgasanlage im Verzug gewesen, ließ er wissen. In Absprache mit der Regierung und der Naturschutzbehörde habe er deshalb das Nest entfernen lassen müssen; ein Prozess, der mehr Zeit in Anspruch nahm, als ihm lieb gewesen sei, wie er mitteilte und auch sein Bedauern über die alternativlose Maßnahme betonte. o.n.

o.n.

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