Streetballturnier jugendlicher Flüchtlinge

18.7.2016, 11:42 Uhr
Sie freuten sich über den Turniersieg Edmond Cani (Albanien), Rashid Arab,  Habib Imani. Sarawi Sakhi, Ayub Dustokehl und Mokthar Zafari aus Afghanistan.

Sie freuten sich über den Turniersieg Edmond Cani (Albanien), Rashid Arab, Habib Imani. Sarawi Sakhi, Ayub Dustokehl und Mokthar Zafari aus Afghanistan. © oh

Zu diesem hieß Schulleiterin Bettina Scheckel jugendliche Flüchtlinge aus Serbien, Albanien, Ukraine, Syrien Afghanistan, Irak, Äthiopien, Eritrea, Somalia auf dem Freigelände vor der Bauabteilung willkommen. Wie fit sie sind, stellten sie im Turnierverlauf unter Beweis. Obwohl nur drei Schüler vor ihrer Flucht aktiv Basketball gespielt hatten, fielen in den jeweils achtminütigen Spielen einige schöne Körbe. In der Vorrunde qualifizierten sich die beiden Scheinfelder Mannschaften und je ein Mannschaft aus den beiden Neustädter Klassen für das Halbfinale. Dort unterlagen die Gäste aus Scheinfeld denkbar knapp mit 10:6 beziehungsweise 2:0 und teilten sich Rang 3 und vier.

Im Finale ging es dann hart zur Sache. Die B-Klasse galt als Favorit, da sie mit Mohamed Jenniat einen hervorragenden Einzelspieler in ihren Reihen hatte. Ganz unter Kontrolle brachten sie ihn nicht und er warf drei Körbe. Aber die A-Klasse überzeugte durch eine geschlossene Mannschaftsleistung. Und glich immer wieder aus. Schließlich versenkte Habib Imani in der Schlussphase zwei Freiwürfe und sorgte für die Entscheidung.

Einige der mit viel Elan agierenden jungen Flüchtlinge zeigten Talent im Basketballspiel und könnten durchaus regionale Vereinsmannschaften verstärken, wurde beim Turnier festgestellt. Für die beiden Mädchen Jelan Kamarin und Ola Altahhan war der gezeigte Einsatz der Jungs zu "rustikal". Sie organisierten deshalb ein Einlagespiel außerhalb der Turnierwertung, das ohne Schiedsrichter gespielt wurde und unentschieden endete. Im Freiwurfduell hatte Jelan dann das bessere Ende für ihr Team.

Fachlehrer Stefan Held grillte leckere Bratwürste, die ein heimischer Metzger frisch ohne Schweinefleisch für die überwiegend muslimischen Schüler hergestellt hatte. Da das Freigelände der Bauabteilung ein nicht ganz ungefährliches "Spielfeld" war, achtete Schiedsrichter und Sportlehrer Hermann Opitz darauf, dass die vereinfachten Regeln im Turnier auch beachtet wurden. So konnte verhindert werden, dass es zu schwereren Verletzung kam. Die vier Schulsanitäter hatten lediglich ein paar Abschürfungen und Prellungen mit Verbandsmaterial und Kühlpads zu versorgen.

Auch wenn die meisten jugendlichen Flüchtlinge noch nie Basketball gespielt  hatten, kam es beim ersten Streetballturnier der Berufsschule zu packenden  Szenen und vielen schönen Körben.

Auch wenn die meisten jugendlichen Flüchtlinge noch nie Basketball gespielt hatten, kam es beim ersten Streetballturnier der Berufsschule zu packenden Szenen und vielen schönen Körben. © Harald Munzinger

Da der Berufsschule am Schulstandort Neustadt in diesem Schuljahr keine reguläre Sportstätten (Hallen oder Plätze) in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen, konnte kein Sportunterricht für die Flüchtlinge angeboten werden. Um das Bewegungsdefizit auszugleichen, wurde gemeinsam mit den jungen Flüchtlingen das sportliche Integrationsprojekt "Fit für die Integration!" entwickelt, das von Adidas mit dem Projektziel großzügig unterstützt wurde.

Den Kopf frei bekommen

In aktiven Pausen wollen die Jugendlichen durch Bewegungsangebote den Kopf frei bekommen und Lernblockaden überwinden, heißt es dazu aus der Schule. In einer Schülerbefragung, welches Bewegungsangebot sich die jungen Flüchtlinge wünschten, sei neben Fußball und Badminton sehr häufig Basketball genannt worden. Die räumlichen Voraussetzungen am Schulstandort mit großzügig geteerten Freiflächen auf dem Schulgelände sprachen schließlich für mobile Streetball-Körbe. Auf Anfrage durch die Berufsschule unterstützte das Unternehmen Adidas aus Herzogenaurach das Projekt.

Die bereitgestellten mobilen Sportgeräte dürfen als Leihgabe in der Berufsschule in Neustadt verbleiben und sind damit im Alltag der Flüchtlinge in aktiven Pausen und bei Projekten weiter einsetzbar. Die minderjährigen Flüchtlinge haben jetzt Möglichkeiten zum körperlichen Ausgleich im Schulalltag. Durch sportliche Aktivitäten können sie den Schulsstress aber auch Lernblockaden durch die Trennung von Familie und Heimat besser abbauen.

In der Berufsschule setzt man zudem darauf, dass beim gemeinsamen Sport das Konfliktpotential spielerisch und sportlich völkerverbindend überwunden werden, das immer wieder zu Spannungen unter verschiedenen ethnischen Gruppen der Flüchtlinge führt. So gilt über das Streetballturnier hinaus: "Sport fördert den Teamgeist und hilft der Lerngemeinschaft".

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