Freitag, 28.02.2020

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Stressbewältigung im Alltag: Wie man denkt, so fühlt man

Lehrreiches zum Stress im Alltag - Workshop mit Angelika Graber in Neustadt - 09.04.2019 20:44 Uhr

Über Stressoren referierte Angelika Graber in einem Workshop des Netzwerkes "über Zaun und Grenze" © privat


Dazu hatte Angelika Graber (NLP-Lehrtrainerin, HP-Psychotherapie) diverse Antworten in einem vom Caritas-Netzwerk für Nachbarschafts- und Flüchtlingshilfen "über Zaun und Grenze" veranstalteten Workshop parat: "Stress ist alles, was eine Herausforderung oder Bedrohung darstellt, sowohl körperlich als auch seelisch und das Individuum zu Anpassung veranlasst", definierte ihn die Referentin.

Bei jedem werde Stress durch etwas anderes oder gleich mehrere Reize (Stressoren) auf einmal ausgelöst. Dazu gehörten äußere Einflüsse ebenso wie die eigene Lebensgeschichte oder der Charakter. Die anwesende Teilnehmerrunde tat sich nicht schwer, eine lange Liste von Stressoren aufzustellen. Isolation, Konflikte, Überlastung, Erwartungen, Schulden, Veränderungen, Eintönigkeit, Krankheit und insbesondere Zeitdruck wurden beispielsweise genannt. 

Stress so alt wie die Menschheit

Um Wege zu finden, dem eigenen Stress etwas entgegenstellen beziehungsweise wirksam darauf reagieren zu können, sei es wichtig, sich über Folgendes im Klaren zu sein, so Angelika Graber: "Stress ist so alt wie die Geschichte der Menschheit und kein moderne Erscheinung, so wie es manchmal scheint. Die Menschen der Urzeit waren vielen Gefahren ausgesetzt. Stress diente als reflexartige Kurzzeitreaktion des Körpers, um blitzschnell auf äußere Faktoren mit Angriff oder Flucht zu reagieren und dadurch zu überleben. Die Phasen von Alarmbereitschaft, reflexartiger Reaktion und Erholungsphase sind seit Urzeiten in Mensch und Tier vorprogrammiert. Diese Verhaltensregeln lassen sich besonders beeindruckend noch heute kaum verändert in der Tierwelt beobachten". 

Die biologisch verankerte Stressreaktion des Menschen sei noch immer die gleiche, aber zumeist laufe keine Kurzzeitreaktion mehr ab. Die Stressoren wirkten zudem permanent oder stetig wiederkehrend sei es durch Leistungsanforderungen oder auf psychosozialer Ebene, wodurch sich die Phasen der Stressreaktion verändert hätten, führte die Referentin aus: "Der Körper wirde bei Stress noch immer in eine Alarmphase versetzt, aber wohin mit der Energie die Angriff oder Flucht verlangt? Es folgt in der Regel keine körperliche Reaktion in Form von Muskeltätigkeit. Einzig verbale Attacken treten oft noch spontan ein". Regelmäßiger Stress fordere stattdessen den Versuch sich anzupassen, was anhaltend dazu führen kann, dass der Körper kapituliere, mit Folgen wie Burnout oder Depression.

Wahrnehmung von Stressoren sehr individuell 

Stress sei eng verknüpft mit der Wahrnehmung alltäglicher Situationen. Entsprechend unterschiedlich reagiere man auf Stress. "Nicht das äußere Ereignis, sondern die innere Bewertung ruft Stress hervor", betonte Graber und fügt hinzu, "wenn sie Stress empfinden, dann schreiben sie sich doch mal auf, was sie darüber gerade empfinden." Meist lasse sich gut feststellen, ob es Handlungsoptionen in einer stressigen Situation gibt oder eine unumkehrbare Tatsache vorliege. Ein Beispiel: Der Tod eines nahesehenden Menschen ist eine Tatsache, aber der Umgang mit der Trauer birgt Handlungsoptionen. 

Die Referentin hatte etliche Tipps für die Anwesenden, wie sie sich selber helfen können. Viele verschiedene Optionen wurden diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht. Dem Einen hilft ein inneres Selbstgespräch, der Andere braucht soziale Unterstützung, der Nächste muss mehr darauf achten, bewusst zu handeln. Jeder Mensch kennt mit der Zeit die eigenen Stresssymptome, wenn er auf sich selber achtet. Die beste Prävention ist diese frühzeitig wahrzunehmen, damit das Gefühlschaos gar nicht erst in Fahrt kommt. "Ziele setzen, die erreichbar sind, ist unabdingbar für die Selbstwirksamkeit!", findet Graber. Sich an Tatsachen abzuarbeiten, die nicht veränderbar sind, oder sich diverse Zukunftsszenarien auszumalen, sind Energiefresser allererster Güte. "Nehmen Sie das jeweilige Gefühl an, was Stress in Ihnen auslöst und nutzen Sie Ihre Handlungsoptionen, egal wie klein sie erscheinen", riet die Referentin.

 

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