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Tod von Lissy Gröner löst in Neustadt Trauer aus

Einsatz für gerechtere Welt - 10.09.2019 18:27 Uhr

Die Europaabgeordnete a. D. Lissy Gröner in ihrem Element bei einem der von ihr initiierten Kinder-Trempelmärkte. © Harald Munzinger


Am 31. Mai 1954 in Langenfeld geboren, trat sie dort 1971 in die SPD ein und engagierte sich mit den Jusos in der neuen Friedensbewegung und für den "Aufbruch in eine neue, gerechtete Welt". "Wir deckten Machtstrukturen auf und versuchten sie zu durchbrechen" beschrieb sie das Wirken der Frauenbewegung in den 70er- und 80er Jahren. Von 1989 bis 2009 gehörte sie für die SPD dem Europäischen Parlament an und war in diesem Mitglied der Sozialdemokratischen Fraktion.

Lissy Gröner brachte sich zunächst als Ortsvereinsvorsitzende, dann als Kreisvorsitzende, im Unterbezirk und Bezirk sowie im Landesvorstand und schließlich auch im Bundesvorstand für die Ziele der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) ein. Mit ihr startete sie 1977 zum Ende der Schulferien eine "Kinderzimmer-Aufräumaktion", die sich als "Kinder-Trempelmarkt" etablierte, der am Samstag, 14. September, im Zeichen des Gedenkens an seine Gründerin stehen wird.

Politische Bildung der Frauen

Da ihr politische Bildung für Frauen stets sehr wichtig erschien, besuchte und organisierte Lissy Gröner oft zusammen mit der damaligen AsF-Landesvorsitzenden Inge Gabert Seminare. Der Appell der Landtagsabgeordneten Uschi Pausch-Gruber an die jungen Frauen in der SPD, Verantwortung zu übernehmen und die Ankündigung der damaligen fränkischen Europaabgeordneten Lilo Seibel-Emmerling, nicht wieder zu kandidieren, waren politische Weichenstellung für Lissy Gröner, die nach "knochenharter Bewerbungstour" für das Europaparlament kandidierte und 1989 in dieses gewählt wurde.

Damit hatte der SPD-Unterbezirk "wieder eine Abgeordnete, die dafür sorgte, dass hier das Verständnis und die Notwendigkeit Europäischer Politik positiver gesehen wird", wurde dieser Weg 2017 bei der Auszeichnung mit der Max Seidel Medaille des SPD Unterbezirks beschrieben. Weitere Auszeichnungen wurden ihr 2007 mit dem "Zivilcouragepreis" zuteil, der an Personen und Einrichtungen verliehen, die sich, "als leuchtendes Beispiel, entschlossen und couragiert für die Belange von Minderheiten in besonderem Maße eingesetzt haben", sowie 2009 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande.)

Sprecherin der SPD-Abgeordneten

Im EU-Parlament war sie unter anderem Mitglied im Ausschuss für Kultur und Bildung und in der Paritätischen Parlamentarischen Versammlung zwischen den Staaten Afrikas, des Karibischen Raumes und des Pazifischen Ozeans und der Europäischen Union (AKP-EU), Vizepräsidentin der Interfraktionellen Gruppe "Gay andLesbianRights", Koordinatorin für die Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Europas im Ausschuss für die Rechte der Frau und Chancengleichheit sowie Frauenpolitische Sprecherin der SPE-Fraktion und Vizepräsidentin der "Children's Alliance". Sie gehörte der Interfraktionelle Gruppe Tibet sowie der Interfraktionelle Gruppe Reproduktive Gesundheit, war Stellvertreterin im Haushaltsausschuss und Sprecherin der SPD-Europaabgeordneten.

Außerhalb des Europäischen Parlaments wirkte Lissy Grönert als Vizepräsidentin der SIW (Socialist International Women) und im AsF-Bundesvorstand. Sie brachte sich in der Arbeiterwohlfahrt, im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, in der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF), im Touristenverein "Die Naturfreunde", in "EUROPA-DONNA", im Beirat Frauencomputerzentrum Berlin, in der Deutsch-Griechischen sowie Deutsch-Finnischen Gesellschaft und im Marie-Schlei-Verein ebenso ein, wie in der Europa-Union Parlamentariergruppe Europäisches Parlament.

Aus ihrer ersten Ehe - mit Gerhard Gröner, ebenfalls ein Urgestein der SPD im Landkreis - gingen ein Sohn und eine Tochter hervor. Im September 2005 heiratete sie in Brüssel ihre Lebensgefährtin. Die Trauung wurde vom Bürgermeister persönlich vorgenommen und fand als erste gleichgeschlechtliche Ehe einer Abgeordneten des Europaparlaments weltweites mediales Interesse. Auch in der Politik engagiert sie sich für die Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen. Für ihr internationales Engagement in diesem Bereich wurde sie 2007 mit dem Zivilcouragepreis des Berliner CSD ausgezeichnet.

"Kinderrecht ist Menschenrecht"

Der Name Lissy Gröner bleibt auch mit dem Kernsatz "Kinderrecht ist Menschenrecht" verbunden. Dazu schrieb sie: "Jedes Kind ist ein Rohdiamant mit dem Potential, die Welt zu ändern. Eigene Kinder waren wichtig für mich, ebenso die Rechte der Kinder weltweit. Im EP setzte ich mich dafür ein, und organisierte eine Mehrheit für ein kostenloses, europaweites Kinder-Nottelefon. An der UN Charta für die Rechte der Kinder arbeitete ich mit und bei zahlreichen Projekten vor Ort unterstützte das 116 111 -  KINDER-NOTTELEFON".

Sie sei "unmittelbar in Zeitgeschichte rund um die Welt involviert gewesen und von vielen Menschen und Kulturen inspiriert worden", resümierte Lissy Gröner über vier Jahrzehnte aktives Wirken in der Sozialdemokratie, davon  20 Jahre  als Abgeordnete im Europäischen Parlament. 12 Jahre kämpfte sie mit mehreren Therapien gegen den Krebs, strahlte dabei stets Zuversicht aus. So wird sie in Neustadt in Erinnerung bleiben, wo sie interessiert die Arbeit im SPD-Kreis- und Ortsverband verfolgte und ihre politischen Erfahrungen und Ansichten einbrachte.

Mit Lissy Gröner verliert der SPD-Kreisverband die wohl bekannteste SPD-Politikerin aus dem Landkreis. "Dieser Verlust tut uns Mitgliedern im SPD-Kreisverband in der Seele weh, im Herzen fühlen wir mit Ihrer Familie", erklärte Kreisvorsitzende Heike Gareis.

"Wir verlieren mit ihr nicht nur eine große Europäerin, sondern auch eine gute Beraterin und überzeugte Sozialdemokratin, vor allem eine gute und herzliche Freundin. Unser Mitgefühl gilt ihren Kindern, der Enkeltochter und allen, die um sie trauern".

hjm

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