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Volksbegehren soll umweltfreundlichere Ausrichtung anstoßen

Durch "Rettet die Bienen" werden die Bürger zum Nachdenken angeregt - 09.02.2019 14:40 Uhr

Wie abhängig der Menschen von einer intakten Natur ist, thematisierte die Künstlerinitiative Neustadt mit einer Ausstellung, wie hier mit den Folgen des Bienensterbens. © Harald Munzinger


Zum Volksentscheid kommt es, wenn sich bis Mittwoch, 13. Februar, zehn Prozent der Wahlberechtigten in Bayern für das Volksbegehren „Artenvielfalt – rettet die Bienen“ aussprechen. Zu dem veranlasste dessen Initiatoren der in ganz Deutschland wie auch in Bayern festgestellte Rückgang bei den Insekten. Dies betreffe die absoluten Zahlen der Tiere, aber auch die einzelnen Arten, wird dazu ausgeführt. Dieser Rückgang habe Auswirkungen auf andere Tierarten, denn die Insekten seien wichtige Glieder der Nahrungskette zum Beispiel für viele Vögel und Fledermäuse.

Die meisten Vogelarten brauchen Insekten, um ihre Jungen großzuziehen. Auch viele Zugvögel sind auf Insekten als Futter für sich angewiesen, betont Herbert Klein, der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz im Landkreis. Ameisen, Raupen, Mücken, Käferlarven und Schmetterlinge landeten im Schlund der schnell wachsenden und immer hungrigen Jungvögel.

Bei der Stunde der Gartenvögel, die der LBV zweimal im Jahr veranstaltet, fiel nach Kleins Feststellung im Sommer 2018 auf, „dass fast alle Vogelarten, die ihre Jungen mit Insekten füttern, besonders niedrige Zahlen aufweisen. Auch bei den langjährigen Sorgenkindern, den Luftinsektenjägern Mehlschwalbe und Mauersegler, sind die Zahlen schlecht und entsprechen nur noch 60 Prozent der Ausgangsbestände im Jahr 2006. Die Ursache dafür liegt offenbar im massiven Insektenschwund“.

Biene bester Indikator für Futtermangel

Für den Vorsitzenden im Kreisverband der Imker, Dietmar Lisson,, steht natürlich die Honigbiene im Mittelpunkt. Ihre Bestäubungsleistung sei wichtig für Obstbäume und sonstige Blühpflanzen. Honig sei für alle Menschen ein hochwertiges und beliebtes Lebensmittel. 35.000 Imker betreuten etwa 300.000 Bienenvölker in Bayern. Lisson: „Für ihre fleißigen Bienen finden sich häufig immer weniger Blüten, die Nektar und Pollen für die Bienen, die Aufzucht des Nachwuchses und die Herstellung des Honigs bereitstellen. Als Indikator für Futtermangel ist die Honigbiene bestens geeignet, steht sie doch unter der intensiven Betreuung ihres Imkers.“

Dieser könne zwar bei Futtermangel mit Zufüttern helfen. Nichts desto trotz zeigten die Probleme bei der Imkerei auf, dass das „System Biene“ und die damit verbundene Landschaft mit großen Schwierigkeiten kämpfe. Dies lasse sich zum Teil auf die anderen Insekten übertragen, die nicht unter intensiver Beobachtung des Menschen stünden. „Nach dem Ende der Obstbaum- und Heckenblüte, der Rapsblüte und der Mahd der Wiesen haben wir eine Futterlücke, die Windbestäuber Getreide und Mais bieten keine Nahrung für Bienen und viele andere Insekten“, so der Imker Dietmar Lisson.

Nahrungsgrundlagen sind bedroht

Wildbienen, Hummeln, Schmetterling sind zum großen Teil Spezialisten, die an bestimmte Pflanzen gebunden sind. „Mit dem Rückgang von Ackerwildkräutern und Wiesenpflanzen, die auf magere Standorte angewiesen sind, ist ihre Nahrungsgrundlage bedroht. Auch die Möglichkeiten für die Hummelnester, die Puppen der Schmetterlinge, die Überwinterungsquartiere werden weniger“, stellt Karin Eigenthaler, Kreisvorsitzende des BN, fest. Viele Arten wie Käfer oder Libellen hätten mehrjährige Entwicklungszyklen und komplexe Ansprüche an ihre Lebensräume. Für viele Insekten fehlten verbindende Strukturen in der Landschaft. Aber auch in vielen Siedlungsbereichen fänden Insekten keinen Platz mehr, sehe man in den Baugebieten eine Zunahme an „versteinten“ Flächen“. Eigenthaler: „Bei den Anhörungen zu den Bebauungsplänen fordern wir daher ein Verbot dieser Flächen“.

Im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim gibt es seit zwei Jahren ein Bündnis der Imker mit dem Bayerischen Bauernverband und dem BUND Naturschutz. Hier trifft man sich, um Ideen für eine insektenfreundliche Landwirtschaft zu besprechen: „Erste Anregungen wurden schon erprobt“. 

nb

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