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Wegen Corona: Neustädter Kirchweih mal anders

Prosit bei informativ-heiterer Lektüre über das Brauchtumsfest - 05.06.2020 18:40 Uhr

Der Verleger Hans Karl Friedrich Schmidt (l.) überreicht Autor Dr. Wolfgang Mück das druckfrische erste Exemplar der „Neischdädder Kerwa“. Die Miszelle zur Geschichte der Stadt Neustadt/Aisch ist umgerechnet für zwei Maß Bier mit Trinkgeld als Trostpflaster für die ausgefallene Kirchweih erhältlich. © Harald Munzinger


Wenn die Kirchweih erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg ausfallen müsse, dann sollte ein "hochemotionales Buch wenigstens ein Trostpflaster sein" und deutlich machen, was den Neustädtern und ihren Gästen die Kirchweih seit jeher bedeutet! Mit diesem Auftrag des Verlegers Hans Karl Friedrich Schmidt machte sich der Historiker Dr. Wolfgang Mück an die vierte Auflage der "Miszellen", nachdem er mit dem Vorschlag der Kerwa-Geschichte einmal mehr bei dem Heimatverlag weit offene Türen gefunden hatte. In dieser Serie hatte er schon den "Weg in bessere Zeiten" sowie "700 Jahre Stadterhebung" und die Geschichte des Traditionsgasthauses "Zur Sonne" beschrieben.

Nun also sollte die Kerwa und die mit ihr verbundene eigenwillige Zeitrechnung der Neustädter "fünften Jahreszeit" den Stoff für 125 Seiten Kirchweih-Geschichte und Geschichten liefern. In sie sollten "mehr als sieben Jahrzehnte eigene Kirchweiherfahrungen" des Autors (als ehemaliger Neustädter Bürgermeister aktiv im Geschehen) wie auch umfangreiches Quellenstudium ebenso einfließen wie Erzählungen von Kerwaboschn und -madla in ihren vielfältigen Facetten.

Eine gute Grundlage für die eigentlich genau auf den Festauftakt terminierte Publikation sollte ihm ein VHS-Vortrag aus dem Jahr 2009 über die Kirchweih bieten, berichtete Dr. Wolfgang Mück über seine Arbeit an dem Buch. Dabei galt es eine Bilderflut zu bewältigen, um die Artikel zu illustrieren. Er lässt für das lebensnahe Bild, wie die Menschen früher ihr Kirchweihfest gefeiert haben, Chronisten zu Wort kommen, lässt Gedanken um Brauchtum sowie Feierlaune schweifen, stimmt überlieferte Liedla an.

"Spinnerte Idee" jetzt bittere Realität

In einem wird die "spinnerte Idee" besungen, dass man lieber auf sie verzichten will, wenn die "Kerwa ned lusdi sei soll". Dass dies einmal bittere Realität sein könnte, hätte man sich nie vorstellen können, war man sich doch sicher, dass die "nur ein deoredischer Dischkurs" sein und die Kerwa trotzdem kommen sollte. Und nun? Wie lustig sollte eine Kirchweih in 1,5 Metern Abstand und den unter einer Glasscheibe durchgereichten Maßkrügen oder mit ausgestreckten Armen empfangenen Bratwürsten sein? Da rät Verleger Hans Karl Friedrich Schmidt eher zur Kerwa-Lektüre bei einem "Fläschla Kerwabier".

Mit dem Autor Dr. Wolfgang Mück verspricht er dabei "zumindest einen Hauch von Kerwa, den herrliche alte farbige Bildpostkarten aus der Zeit um 1900 ebenso vermitteln wie die vielen schönen Schnappschüsse von vergangenen Kirchweihfesten" – auch aus den Neustädter Ortsteilen. Da sollte "wenigstens einen Anflug von Kirchweih empfinden lassen". So lautet die Einladung: "Tauchen Sie also ein in den virtuellen Taumel der frühsommerlichen Neustädter Seligkeit…! Die Zeit vor der nächsten Kerwa, sie hat schon begonnen", also verlängern sich nur die hier gängigen "beiden Jahreszeiten nach und vor der Kirchweih".

Dr. Wolfgang Mück beleuchtet deren Ursprung sowie das Brauchtum in früheren Zeiten sowie in neuer Zeit und stimmt eine "Hommage auf unsere Kirchweih an", beschreibt "den besonderen Platz" und die besondere Mischung". Ein bunter Streifzug durch die Ortsteilkirchweihen rundet diese "Miszelle" ab, die Rahmen eines "kurzen Beitrags" sprengt. Und das "für gerademal zwei Maß Bier und etwas Trinkgeld", wie der Verleger Schmidt den Preis für die informativ-kurzweilige Kirchweihlektüre beschreibt, die ab sofort im Buchhandel erhältlich ist. Vom Aufstellen der Fichte, über Anstich, Schützenauszug, Kinderfest oder Frühschoppen und Kirchweih-Feuerwerk lässt sich jeder Höhepunkt im (gestrichenen) Festprogramm durch ein Kapitel "Neischdädder Kerwa" ersetzen und dafür sicher ausreichend Festbier bereitstellen.

Harald J. Munzinger

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