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NN-Wanderreporter: Timo prüft das saftige Streuobst

Lokalredakteur erkundete vier Tage lang das Nürnberger Land - 31.08.2019 05:25 Uhr

Heuer fällt die Apfelernte im Obstsortengarten etwas spärlich aus. Das liegt an den alten Sorten, die vergangenes Jahr dafür mächtig viel abgeworfen haben. Die schmecken auch recht sauer, wie Wanderreporter Timo Schickler hier gleich testet. © Timo Schickler


Es trommelt nicht. Die dumpfen Schläge, die sonst hier zu hören sind, wenn Äpfel auf den Boden fallen, bleiben heuer aus. Anders im vergangenen Jahr, "da haben sich die Äste gebogen", sagt Ottmar Fischer. Er gehört zur Streuobstinitiative Hersbrucker Alb, die es heuer seit zwanzig Jahren gibt. Seit 15 Jahren bewirtschaften die Mitglieder den Obstsortengarten, durch den Fischer gerade schlendert.

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Dass die Ernte in diesem Jahr kleiner ausfällt, überrascht ihn nicht. So sei das nun mal mit alten, nicht künstlich gezüchteten Sorten. "Auf ein gutes Jahr folgt ein weniger gutes."

Initiative zum Erhalt der Sorten

280 Obstsorten gibt es im vier Hektar großen Garten der Initiative, vor allem Äpfel. Einen Gravensteiner schneidet Ottmar Fischer für mich in Schnitze, die saftig und sauer schmecken. "Sauer sind Äpfel aus dem Supermarkt ja kaum noch", sagt Fischer. Anders im Garten der Initiative, durch den Sorten erhalten werden sollen, "die es sonst irgendwann nicht mehr gibt". Weil sie diese Sorge teilen, hat sich die Streuobstinitiative 1999 gegründet, sieben Mitglieder sind es damals gewesen, "so viel man halt für einen Verein braucht".

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Und heute? Sind sie 150 Menschen, die nicht nur den Obstsortengarten bewirtschaften, sondern die Kurse geben, zum Thema "Sommerschnitt und Baumgesundheit" beispielsweise. Oder zur Sensen- und Dengeltechnik. "Dieses Wissen geht sonst verloren", sagt Ottmar Fischer und hängt eine Sense an einen Ast. Zeit für eine Pause.

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Die Wissensvermittlung ist den Obst-Fachleuten wichtig, sie laden Schulklassen in ihren Garten oder sind mit Infoständen unterwegs. Ein großer Posten ist auch die Vermarktung des Obstes. Dafür hat der Verein eine eigene Saftlinie – für die die Initiative vergangenes Jahr 45 Tonnen Obst geerntet hat, das auf 30 Hektar biozertifizierten Streuobstwiesen wächst, die inzwischen beim Verein mitmischen. Und der Saft? Erfrischend, lecker, leicht sauer.

Abriss der Eisenbahnbrücke

Sauer ist auch Anneliese Morner. Der Grund dafür dringt momentan lautstark durch ihre Wände. In Artelshofen wird die alte Eisenbahnbrücke abgerissen, sehr zum Ärger von Morner. Sie gehört zur Bürgerinitiative Eisenbahnbrücken Pegnitztal. Seit 2011 kämpfen sie und ihre Gruppe für den Erhalt der 23 Brücken, die die Bahn dort ersetzen will. Anneliese Morners Haus steht direkt an dem Übergang, vor dem sie früher Angst hatte, "wenn die Dampfloks drüber gedonnert sind". Längst aber sei sie mit der Brücke zusammengewachsen. "Sie ist wie eine gute Bekannte, die einem entrissen wird."

7000 Unterschriften hat die Initiative gesammelt, Treffen und Diskussionen organisiert. Genützt hat es nichts. Obwohl die Artelshofenerin und ihre Mitstreiter Fachleute finden, die sie unterstützen. Zwei Uni-Professoren in München und Coburg bestätigen, "dass die Brücken nicht so schlecht sind, wie sie schlechtgeredet werden". Jetzt fühlt sich Anneliese Morner als Verliererin. "Und ich fühle mich auch betrogen", sagt sie. Erst habe man die Denkmalbehörde versucht zu übergehen – eine Urlaubsvertretung gab dort letztlich das O.k. an die Bahn. "Außerdem wäre ein Erhalt die kostengünstigste Lösung gewesen", sagt Morner. Interessiert habe das aber auch die zuständigen Bürgermeister in den betroffenen Orten kaum. Nun sollen wohl alle Brücken abgerissen werden.

Abwege erwünscht: Timo bekommt Tipps vom Profi

Dort der Trümmerhaufen, hier die Wiesen mit Apfel-, Zwetschgen-,Birnen- und Kirschbäumen, die aufblühen. Auf beiden Seiten Menschen, die sich engagieren – mit unterschiedlichem Erfolg. Die Streuobstinitiative hat gar ein "Luxusproblem": "Viele Mitglieder sind jung, wir haben keine Nachwuchssorgen", sagt Fischer. Allerdings: Die tägliche Pflege bleibt oft mehr an denen hängen, die schon in Rente sind.

Tipps und Infos zur Strecke

Nicht einmal eine Viertelstunde fährt man mit dem Regionalexpress von Nürnberg nach Hersbruck. Eine genussvolle Wanderung durch drei beschauliche Dörfer beschreibt der VGN-Freizeittipp "Nauf aff die Houbirg". Der knackige Anstieg zur 617 m hohen Hobirg belohnt mit herrlichen Ausblicken weit über den Happurger Stausee hinaus. Dieser und viele weitere Tipps stehen zum Download bereit unter www.vgn.de/freizeit.

47 anspruchsvolle Rundwanderungen in der Region beschreibt unser frisch überarbeiteter Wanderführer-Klassiker "Mit Lenkrad und Wanderstab". Er ist erhältlich in den Geschäftsstellen Ihrer Zeitung oder unter www.zeitungsshop.nordbayern.de.

In Hersbruck ist ein Übergang vom Fränkischen Gebirgsweg auf den Frankenweg möglich (www.frankenweg.de, www.fraenkischer-gebirgsweg.de, www.frankentourismus.de). Demnächst soll hier auch der Hirtenwanderweg entlangführen. Für erprobte Wanderer lohnt sich der Ausflug zum Wachtfels in Kirchensittenbach.

Weniger steil ist der Rundweg um den Riffelsfelsen von Eschenbach nach Vorra. Traumhaft und flach: entlang der Pegnitz nach Lungsdorf.
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