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1. Juni 1970: Friedensmarschierer in Nürnberg unterwegs

Nachdenklich stimmende und provozierende Aussagen wurden registriert - 01.06.2020 08:31 Uhr

Ein Sit down vor der Lorenzkirche gehörte zum Höhepunkt des Friedensmarsches.

© Fischer


Die Nürnberger hatten gerade eingekauft oder in einem Restaurant der City gegessen, als sie durch Spruchbänder und Lautsprecher mit der Not in der dritten Welt konfrontiert wurden. Sie erfuhren, dass 1,5 Millionen Menschen wegen Unterernährung dahinvegetieren und dass jährlich 30 Millionen Menschen an Hunger sterben.

Den Friedensmarsch bildeten Mitglieder der Evangelischen Jugend Deutschlands, des Bundes der katholischen Jugend, der Aktion 365, Terre des hommes, der Aktion "Selbstbesteuerung" und der Arbeitsgemeinschaft "Brüderlich teilen". Viele Nürnberger reihten sich in den geordneten Protestzug ein. Sein Weg: über die Deutschherrnwiese – Hauptmarkt – Breite Gasse – Königstraße – Rathenauplatz bis zum Eichenkreuz-Sportplatz.

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Die Aktion hatte – durch viele persönliche finanzielle Opfer ermöglicht – zentnerweise Druckschriften herstellen lassen, die zum Beispiel am Weißen Turm oder vor der Lorenzkirche verteilt wurden. Stoßtrupps fuhren – von einem Radfahrer der Polizei eskortiert – mit einem Lastwagen in die Zentren der Stadt und sangen von den Lastwagen über Lautsprecher über die Menschenmenge hinweg. Ihre Aussage reichte von dem bewusst provozierend abgeändeten Operetten-Refrain "Glücklich ist – jeder Christ – weil er, ach, so schnell vergisst" bis zu dem nachdenklich stimmenden Vers: "Sie hungern, nicht weil wir zu viel essen, sondern weil wir zu wenig denken."

S. R.

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