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10. August 1968: Regen treibt Fremde fort

Die Gastronomen und Kaufleute warten noch immer auf die Flut der Touristen - 10.08.2018 07:00 Uhr

Die Unentwegten unter den auswärtigen Besuchern: sie lassen sich auch durch das schlechte Wetter nicht abhalten. In Regenkleidung gehüllt treffen sie sich jeden Mittag auf Hauptmarkt und schauen zum Männleinlaufen an der Frauenkirche hinauf. Sie verfolgen aufmerksam, wie sich die sieben Kurfürsten vor dem deutschen Kaiser verbeugen.

08.08.2018 © Kammler


Die optimistischen Prognosen – bei der Jahreshauptversammlung des Verkehrsvereins im Juni war wegen der hohen Übernachtungszahlen in den ersten Monaten dieses Jahres noch mit der beachtlichen Zuwachsrate von sieben v. H. gerechnet worden – scheinen sich leider nicht zu erfüllen. Im Gegenteil: der Fremdenverkehr in der nordbayerischen Metropole ertrinkt im großen Regen, die Urlauber fliehen in sonnigere Gefilde. Das verübelt ihnen niemand.

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Allerdings können die Hoteliers, Wirte und Geschäftsleute mit einem kleinen Ersatz der Ausfälle rechnen. Im September beginnt mit der Tagung des Deutschen Forstvereins und mit dem Deutschen Juristentag nach dem Ferienende wieder die Reihe der Kongresse, die Geld in die Kassen bringen. Eine Betrachtung über die Lage im Fremdenverkehr muß mit einer Rückblende beginnen. Denn 1967 hatten nur 445.000 Gäste Nürnberg besucht, rund 12.500 weniger als im Jahr zuvor. Auch die Übernachtungen waren um über 19.000 zurückgegangen. Kein Wunder, daß die von der Rezession betroffenen Betriebe und Geschäfte auf bessere Zeiten in dieser Saison hofften, zumal nach der Eröffnung der Rhön-Autobahn zwischen Bad Hersfeld und dem Biebelrieder Dreieck auch norddeutsche und skandinavische Touristen auf dem Weg nach Süden Nürnberg berühren.

Leere auf einem der schönsten Nürnberger Plätze: wo sich sonst Touristen drängen, beherrschen parkende Autos, leere Stühle und zusammengefaltete Sonnenschirme die Szenerie. Nur das Dürer-Haus erfreut sich eines überraschend großen Besucherstroms.

08.08.2018 © Kammler


Doch die Hoffnung trog bisher. "Wir dürfen nicht vergessen, daß in Nürnberg in den letzten eineinhalb Jahren 400 bis 500 neue Betten dazukamen. Das größere Angebot wirkt sich natürlich in einer geringeren Belegung in den einzelnen Unternehmen aus", erklärt Direktor Armin Gläser, der erste stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, zum einen. Zum anderen aber verschweigt er nicht, daß auch weniger Gäste kamen: "Wir haben eine absolute Minderung in den letzten Tagen hinnehmen müssen!"

Neue Autobahnbeschilderung

Auf der Kaiserburg beobachtet: Pendelverkehr im Regen. Beschirmt kommen die einen (links), während sich unter dem Torbogen eine Schar Kinder unterstellt.

08.08.2018 © Kammler


Um noch mehr Urlauber von der Autobahn herunter in die Stadt zu locken, hat sich der Verband inzwischen an das Autobahnamt gewandt und gebeten, die Ausfahrt Tennenlohe an der Strecke nach und von Frankfurt so zu beschildern, daß sie für den Fremden als Hauptzufahrt kenntlich wird. "Nürnberg-Nord" – so meint Direktor Gläser – "ist nicht die richtige Ausfahrt. Dann ist der Autofahrer schon an Nürnberg vorbei."

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Weniger Touristen, die ihre müden Häupter in weiche Pfühle betten, klagen die einen. Aber auch an den Tischen der Gaststätten, die stets von auswärtigen Besuchern wegen ihres Lokalkolorits und ihren Spezialitäten angesteuert werden, gibt es mehr freie Plätze als früher. "Ich hab' es schon gemerkt. Es kommen weniger Auswärtige", berichtet ein Wirt, bei dem sich es freilich auch schon Leute schmecken ließen, die in der nordbayerischen Metropole einige Tage Rast einlegten. Mit der gleichen Beobachtung wartet der Inhaber einer Bratwurstküche auf. "Es kommen weniger Fremde, aber der Verlust wird ausgeglichen durch das Stammpublikum, das stets auswärtige Freunde mitbringt."

Der tüchtige "Chef am Grill" konnte außerdem die Beobachtung machen, daß – und da stimmt er mit Dr. Rudolf Eberhard überein – weniger Leute aus Übersee kommen, vermutlich wegen der Sparsamkeit, die von Washington verordnet worden ist. Statt dessen lassen sich bei ihm mehr Schweizer und Franzosen sehen, während ein anderer Gastronom mit Petrus hadert, denn sein Gartengeschäft ist ins Wasser gefallen.

Von der Touristensaison 1968 haben sich auch die Geschäftsleute mehr versprochen. Ob sie ihr Angebot nun allein auf den Bedarf der Souvenirjäger abgestellt haben, ob sie – beispielsweise mit kunstgewerblichen Gegenständen oder Antiquitäten – höheren Ansprüchen gerecht werden können: sie sind mit dem Umsatz bisher nicht recht zufrieden. „Die Leute schauen bissig, laufen den ganzen Tag mit dem Regenschirm herum. Das Wetter ist nicht dazu angetan, die Kauflust zu erhöhen“, erklärt eine Geschäftsinhaberin, die jetzt mit den Kongreßteilnehmern rechnet, mit denen sie bereits gute Erfahrungen gemacht hat.

NN

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