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10. März 1967: Käufer zahlen doppelt

Nach der Pleite der "Bayern-Union" fordert Nürnberg Erschließungskosten - 10.03.2017 07:00 Uhr

Die Freude der Eigentümer über diese neuen Wohnungen an der Heinrichstraße ist getrübt, weil die finanzkranke Bayern-Union die Erschließungskosten nicht an die Stadt Nürnberg weitergab.

07.03.2017 © NN


Er begehrte Bescheid über das keineswegs lupenreine Nürnberger Wirken der in Fachkreisen kurz Bayern-Union genannten Gesellschaft und erfuhr, daß 30 Käufer der von ihr errichteten Eigentumswohnungen Heinrichstraße 27 bis 31 die Erschließungskosten doppelt berappen müssen. Zwar hat die Bayern-Union von ihren Kunden 106.000 Mark für diesen Zweck kassiert, aber die Stadt Nürnberg hat davon keinen Pfennig bekommen.

Sie präsentiert deshalb jetzt ihre Forderung. Einen Teilbescheid über 32.000 Mark hat sie inzwischen schon abgeschickt. Das Vertrauen der Betroffenen, die allesamt nicht in Geld schwimmen, ist schlecht gelohnt worden. Als sie die Wohnungen – 24 davon wurden mit öffentlichen Mitteln gefördert – zum Festpreis von der Bayern-Union kauften, deren Aufsichtsratsvorsitzender der Vorsitzende des Bonner Verteidigungsausschußes und Bundestagsabgeordnete Dr. Friedrich Zimmermann (CSU) ist, stand im Vertrag die Klausel, daß 3.546 Mark "Erschließungskosten der Stadt Nürnberg" fällig sind. Die Unterschrift, die sie daruntersetzten, sollte teuer werden.

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Denn im August des vergangenen Jahres ging der Bayern-Union die Puste aus. Sie beantragte ein Vergleichsverfahren, stellte den Gläubigern 80 v. H. Schuldenersatz in Aussicht und bekannte wenig später, nur 35 v. H. zahlen zu können. Notarinspektor Werner Kattan, dem Wortführer des geprellten Häufleins, schwante schon im April nichts Gutes. Aber er kam zu spät. Als Kattan in München vorsprach, bekam er nur ausweichende Antwort auf die drängende Frage nach dem Verbleib der 106.000 Mark.

Als die Stadt jetzt von ihrem Recht Gebrauch machte und zunächst einmal einen Teil des Geldes sehen wollte, legten die Parteien flugs Einspruch ein, weil sie mit der Höhe der Kosten – sie liegen voraussichtlich bei insgesamt 1.500 bis 2.000 Mark für jede Wohnung und damit wesentlich unter der von der Bayern-Union verlangten Summe – nicht einverstanden waren. Inzwischen aber haben die Bewohner, deren Geldbeutel wegen des Wohnungskaufs und der Ausgaben für den Umzug und Einzug ohnehin schmal geworden ist, die städtische Forderung anerkannt.

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Nicht gefallen lassen werden sie sich aber das seltsame Geschäftsgebaren, das die Bayern-Union nicht nur in Nürnberg, sondern auch in München, Rosenheim und Straubing an den Tag gelegt hat. "Wir werden Anzeige wegen Betrugs und Untreue erstatten", kündigt Werner Kattan an, der nur noch den Vergleichstermin am 4. April abwarten möchte. An diesem Tag könnte es sich entscheiden, ob nicht aus dem Vergleichsverfahren ein Anschlußkonkurs wird.

Die Sprecher der Geschädigten, der in München als Gläubiger und Zuhörer dabei sein will, hegt kaum Hoffnung auf Rückzahlung durch die Bayern-Union. "Die Aussichten sind schlecht", erklärt er achselzuckend.

In Nürnbergs Mauern befindet sich übrigens noch ein weiteres Zeugnis der Pleite. Ein Bauvorhaben an der Landgrabenstraße, für das keine öffentlichen Darlehen beansprucht wurden, gedieh nur bis zum zweiten Obergeschoß. Auf der Baustelle rührt sich nichts mehr.

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