1000 Jahre: Wie Nürnbergs ältester Stadtteil feiert

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Timo Schickler

Lokalredaktion Nürnberg

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23.10.2020, 12:23 Uhr
Wie malerisch Großgründlach, in diesem Fall die Kirche St. Laurentius samt Wächerhaus und Bürgeramt, sein kann, wissen die Hobbyfotografen, die jedes Jahr einen Kalender gestalten. Außer fürs Jubiläumsjahr.

© Bernd Schwinn Wie malerisch Großgründlach, in diesem Fall die Kirche St. Laurentius samt Wächerhaus und Bürgeramt, sein kann, wissen die Hobbyfotografen, die jedes Jahr einen Kalender gestalten. Außer fürs Jubiläumsjahr.

Ein Dorffest mit allen Vereinen inklusive Seifenkisten-Rennen, ein ökumenischer Gottesdienst gefolgt vom Empfang bei der Freiwilligen Feuerwehr, eine Kinder-Trödelmeile und sogar Highland-Games, also Sport-Wettkämpfe wie auf der Insel. All das hat Gründlach für das kommende Jahr geplant. Oder besser: hatte. Denn Corona hat einen Strich durch das Festprogramm für das 1000-jährige Jubiläum des Dorfs gemacht.

In wenigen Wochen wäre es losgegangen, pünktlich zum Adventsmarkt. Doch auch den haben der Vorstadtverein Alt-Gründlach und das Festkomitee längst abgesagt. Der Grund sind "so viele Auflagen, die zum einen nur mit großem Aufwand zu erfüllen wären und zum anderen eine Kostenexplosion für die Beschicker verursachen würden", teilt der Verein mit.

Auf dem Papier älter als Nürnberg selbst

In Nürnbergs ältestem Stadtteil heißt es also warten. Gefeiert werden soll aber trotzdem, eben mit Verzögerung. "Wir verschieben alles ein halbes Jahr nach hinten", erklärt Helmut Bresler, stellvertretender Vorsitzender des Bürgervereins. So soll was geplant ist, auch stattfinden. Die Veranstaltungen aus dem ersten Halbjahr 2021 rücken dann ins 1001. Jahr, werden aber trotzdem durchgeführt. Die Sommer-Serenade im Großgründlacher Schloss beispielsweise soll dann wie auf dem schon gedruckten Programm nachzulesen im Juli stattfinden - 2022.


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Immerhin: Der tatsächliche Jubiläumstag ist ohnehin erst im nächsten Winter. Am 13. November 1021 wurde Gründlach zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Kaiser Heinrich II. schenkte damals dem Bistum Bamberg den zum Königsgut Aurach gehörigen Reichsforst mitsamt mehrerer Orte. Darunter: „Crintilaha“, das heutige Großgründlach. Schon damals leitet sich der Name vom Fluss ab, der durch den Ort fließt ab, der Gründlach.

Mit der bald Tausend Jahre alten beurkundeten Nennung ist das Dorf an der Stadtgrenze zu Erlangen auf dem Papier sogar älter als Nürnberg selbst. Wenngleich das viel älter ist als ursprünglich gedacht, datiert dessen erste Erwähnung von 1050.

Zuerst feiert also Großgründlach. Erst ab dem Sommer, aber dafür "mit einem Paukenschlag", kündigt Helmut Bresler an. Nämlich einem Festakt, der nicht steif, sondern ein Familienfest werden soll. Die Ehrengäste: Ministerpräsident Markus Söder, Oberbürgermeister und Schirmherr Marcus König - und Kaiser Heinrich II. höchstpersönlich. Wenn auch nur in Person von Oliver Tissot, der die Schenkungsurkunde dann noch einmal unterzeichnet.

Jubiläums-Chronik gibt Vorgeschmack auf Feier

Geplant ist die Feier im Festzelt vor der Kirchweih stattfinden zu lassen. Ob aber eine Kärwa im August möglich ist und überhaupt ein Zelt steht, können auch die Organisatoren des Jubiläums nicht abschätzen. "Wir wissen nicht, was kommt", sagt Helmut Bresler. Er weiß aber, was die coronabedingte Änderung des Zeitplans bedeutet: viel mehr Arbeit und höhere Kosten.

Die stemmt der Verein aus eigenen Mitteln. "Wir haben uns für die Feierlichkeiten ein finanzielles Polster erwirtschaftet." Das hält auch die Mehrkosten durch die Corona-Krise aus. Zumal noch ein paar Euro dazu kommen sollen. Denn einen Vorgeschmack auf das Jahr 2021 sollen die Dorfbewohner trotzdem erhalten: Mit der 256 Seiten starken Chronik "Einblicke - 1000 Jahre Großgründlach erleben". Zehn Kapitel hat das Werk, für zehn Euro verkaufen es die Mitglieder des Festkomitees ab 4. Dezember an einem Stand in der Großgründlacher Hauptstraße.

Das Logo wird im kommenden Jahr häufig in Großgründlach zu sehen sein.

Das Logo wird im kommenden Jahr häufig in Großgründlach zu sehen sein. © Vorstadtverein Alt-Gründlach

In der Chronik sollen nicht nur Zahlen gewälzt werden, "wir wollen zum Beispiel zeigen, wie die Welt vor 1000 Jahren ausgesehen hat", sagt Bresler. Vor allem aber geht es um Reutles, Groß- und Kleingründlach. Die Festschrift erklärt, wie aus dem Gründlacher Rathaus das Bürgeramt Nürnberg Nord geworden ist. Und sie stellt die zwei junge Großgründlacherinnen vor, die Christkindern geworden sind - und das erst innerhalb der vergangenen 13 Jahre.

Nun benötigt das Dorf wieder ein bisschen himmlischen Beistand. Damit das Feiern auch wirklich starten kann.

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