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1000 Wohnungen: Das sind die Pläne des Quelle-Investors

Gerchgroup will eine Milliarde Euro in das Versandzentrum investieren - 12.12.2018 05:54 Uhr

Zwischen 1000 und 1500 Wohnungen sollen in den kommenden Jahren in der alten Quelle entstehen. Die Bewohner dürfen sich auf kurze Wege zum Discounter, Supermarkt und ins Fitnessstudion freuen. All das und noch viel mehr soll schließlich ebenfalls in die denkmalgeschützten Gemäuer ziehen. © Foto: Michael Matejka


NZ: Die Gerchgroup war schon seit 2015 am ehemaligen Quelle-Versandzentrum interessiert und wollte es für Wohnungen umbauen. Warum hat die Zusammenarbeit mit dem portugiesischen Immobilienentwickler Sonae Sierra nicht geklappt?

Mathias Düsterdick: Im Grunde genommen war seit Jahren klar, dass Sonae sich mit der Stadt nicht einig wird. Sonae Sierra wollte ein reines Shopping-Center, eine reine Verkaufsmaschine entwickeln. Die Firma war nicht daran interessiert Kultur, Wohnungen oder städtische Einrichtungen unterzubringen. Sie haben über Jahre hinweg nur um die Größe der Verkaufsfläche gekämpft und um die Anzahl der Parkplätze. Als wir Interesse zeigten, war Sonae Sierra schon ein Stück weit mürbe. Da wir nichts anderes wollten als das, was die Stadt auch selbst wollte, war es eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Ohne jegliches Konfliktpotenzial.


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Welche technischen Probleme hat es gegeben, die eine gemeinsame Entwicklung des ehemaligen Quelle-Versandzentrums verhindert haben?

Düsterdick: Das lag dran, dass Sonae Sierra eben ein dreigeschossiges Einkaufscenter machen wollte und wir darüber Wohnungen gebaut hätten. Wenn man das machen will, dann bedeutet das, dass alle Stränge und Leitungen von unten nach oben gezogen werden müssen. Sonae Sierra war aber nicht bereit, Abstriche beim Shoppingcenter zu machen. Wir hätten keine Leitungsrechte bekommen, um überhaupt die Wohnungen zu erschließen.

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Sie haben von einem völlig neuen Nutzungsmix gesprochen, der untergebracht werden soll?

Düsterdick: Wir bauen ein vertikales Wohnquartier, mit allem, was an Dienstleistungen und Nahversorgung dazu gehört. Es wird keine Fremdnutzung geben. Ein Shoppingcenter mit Wohnungen befruchtet sich weniger gut als Wohnungen, die eine gute Nahversorgung haben.

Mathias Düsterdick ist der Vorstandsvorsitzende der Gerchgroup. © Foto: Eduard Weigert


Was ist an Nutzungen geplant?

Düsterdick: Das steht noch nicht genau fest. Das Erdgeschoss steht in erster Linie für Handel und für Dienstleistungen zur Verfügung. Wir überlegen, ob es ein SB-Warenhaus geben wird. Ganz sicher ist, dass ein Bio-Supermarkt, ein Drogeriemarkt und ein Discounter einziehen werden. Es sollen möglichst auch ein kleiner Bäcker und ein kleiner Metzger, eine Reinigung, eine Kindertagesstätte sowie ein Fitness-Studio unterkommen. Das einzig Besondere wäre, ob auch das Sozialrathaus einzieht. Sonst werden Wohnungen gebaut.

Sie wollen auch viele Sozialwohnungen bauen. Wo?

Düsterdick: Sozialer Wohnungsbau ist geförderter Wohnungsbau. Auf einem Nachbargrundstück, das Sonae Sierra für Parkplätze vorgesehen hatte, werden ungefähr 10.000 Quadratmeter an Wohnfläche entstehen, die für geförderte Wohnungen vorgesehen sind.

Welchen Quadratmeterpreis stellen Sie sich bei den Wohnungen vor? Wie viele Wohnungen entstehen?

Düsterdick: Einen Betrag für Miete oder Kauf zu nennen, wäre zu früh. Das hängt auch vom Wohnungsmix ab. Wir überprüfen derzeit, wie viel kleine, wie viel große Wohnungen gebaut werden können. Uns ist die Durchmischung sehr wichtig, weil unser Ziel ein Mehrgenerationenwohnen ist. Es werden definitiv über 1000 Einheiten werden.

Das ehemalige Quelle Versandzentrum hat eine Nutzfläche von 250 000 Quadratmetern. Was wird für den Wohnungsbau genutzt? Wird es einen Teilabriss geben?

Düsterdick: Es bleiben zwischen 170.000 und 190.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche oder Bruttogrundfläche übrig. Abzüglich Einzelhandel, Sozialrathaus und andere Nutzungen. Im Inneren werden Lichthöfe entstehen, um eine Belichtungssituation herzustellen. Insofern haben wir einen Teilabriss in Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Ein weitergehender Abriss macht keinen Sinn: Wir haben das Denkmal erworben, weil es einen Charme hat.

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Wie sieht der Zeitplan aus?

Düsterdick: Wir wollen im April die Bauvoranfrage einreichen. Bis dahin soll das Konzept stehen. Wir brauchen deshalb schnelle Gewissheit, ob wir mit Sozialrathaus planen oder nicht.

Wann geht es mit dem Bau los?

Düsterdick: Die Bauvoranfrage wird schnell beschieden werden. Das ist vorab abgestimmt. Wenn wir den Bescheid bis zum Sommer bekommen, dann können wir den Bauantrag im Herbst stellen. Für die Bearbeitung rechne ich mit maximal sechs Monaten. Damit wird der Bau in jedem Fall 2020 beginnen.

Wann sind die ersten Wohnungen fertig?

Düsterdick: Ich gehe davon aus, dass es 2022 sein wird. Es wird abschnittsweise gebaut. Bis 2024 rechne ich mit der Fertigstellung.

Wie hoch ist die Investitionssumme?

Düsterdick: Ich hab immer grob von einer Milliarde Euro gesprochen.

  

Fragen: André Fischer

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