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11. Dezember 1969: Als der Club vor dem Bankrott stand

Stadt bewahrte den Verein mit kräftiger Finanzspritze vor dem Ruin - 11.12.2019 07:08 Uhr

Nach dem 0:3 gegen den ersten 1. FC Köln stieg der Club am 7. Juni 1969 zum ersten Mal in die zweite Liga ab. Vorne (von links) trotten Hennes Küppers, Hanni Müller und Jürgen Rynio vom Feld. © Roland Fengler


Oberbürgermeister Dr. Urschlechter kurbelte die Rettungsaktion an – Die Stadt greift dem Club mit einem Darlehen von 1,5 Millionen Mark und einem 380 000-Mark-Zuschuß unter die Arme – Der Vorstandschaft wird zugetraut, daß sie das Vereinsschiff wieder flott macht.

Der 10. Dezember wird als einer der schwärzesten Tage in die Annalen des 1. FC Nürnberg eingehen: gestern wurde bekannt, daß Deutschlands Fußbalirekordmeister nach dem Abstieg aus der Bundesliga auch vor dem finanziellen Ruin stand!

Liquidität aufs Äußerste gefährdet

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Nachdem die Club-Verwaltung mit ihrem Vorsitzenden Walther Luther an der Spitze in den letzten Tagen vor der Stadt und dem Rechnungsprüfungsamt den „Offenbarungseid“ hatte ablegen müssen, teilten Oberbürgermeister Dr. Andreas Urschlechter und Rechtsreferent Dr. Richard Sauber der Öffentlichkeit mit, daß die „Liquidität des Vereins auf das Äußerste gefährdet war“. Zurückzuführen ist das finanzielle Dilemma vor allem auf die Kostenerhöhung beim Valznerweiher-Projekt von veranschlagten neun Millionen auf 12,6 Millionen Mark. Insgesamt stehen 4,75 Millionen Mark Schulden zu Buche. darunter „sehr viele kurzfristige und auch hochverzinsliche Kredite“.

Mit einer kräftigen Investitionsspritze – die Stadt will dem FCN sofort 380.000 Mark an verlorenen Zuschüssen zur Verfügung stellen und ihm ein Darlehen zu günstigen Bedingungen in Höhe von 1,545 Millionen Mark einräumen – soll dem Verein wieder auf die Beine geholfen werden. Entscheidend für die finanzielle Gesundung des Club mit Hilfe der Stadt wird aber sein, daß „die Banken zu Ab-strichen bereit sind“, wie Oberbürgermeister Dr. Urschlechter sagte, und das Rechnungsamt der Regierung von Mittelfranken die Hilfsaktion zugunsten des FCN billigt.

Mehrkosten für neuen Zabo

Trotz der großzügigen Hife wird die Finanzlage des Vereins angespannt bleiben. „Aber wir haben zum Vorstand des Club Vertrauen, daß er die Schwierigkeiten meistert“, begründete das Stadtoberhaupt die Tatsache, daß kein Zwangsvorstand eingesetzt wurde. Bei der Größenordnung der finanziellen Unterstützung wäre eine solche Regelung durchaus denkbar gewesen.

Das ganze Ausmaß der Schwierigkeiten, die den FCN zu erdrücken drohten, wurde den wichtigsten Gremien der Stadt bekannt, als die Clubverwaltung erneut um einen Zuschuß bat. Der Oberbürgermeister nannte in der gestrigen Pressekonferenz – sie wurde einen Tag früher anberaumt als vorgesehen, weil eine Nürnberger Zeitung auf die Finanzkrise des Club hingewiesen hatte – drei Faktoren, die die Liquidität gefährdeten: die Mehrkosten für den neuen Zabo, die erheblichen Verluste durch den Bundesligaabstieg und die hohen Ausgaben für den Amateursportbetrieb.

Erinnerung an große sportliche Erfolge

Das Rechnungsprüfungsamt der Stadt, das vom Stadtoberhaupt sofort eingeschaltet wurde, stellte fest, daß dem Verein mit den üblichen städtischen Zuschüssen nicht mehr geholfen werden konnte. Dr. Urschlechter, Rechtsreferent Dr. Richard Sauber, der als Mittler zwischen dem FCN und den Banken eingesetzt wurde, und die Stadträte standen daraufhin vor den Fragen: Sollen wir helfen? Ist es unsere Aufgabe, den Club zu unterstützen? Wenn ja, wer soll mithelfen?

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Dazu Dr. Urschlechter: „Wir sprachen uns dafür aus und bejahten auch die Funktion eines Mittlers, denn der Name des FCN ist eng mit dem Namen der Stadt verbunden“. Das Stadtoberhaupt erinnerte in diesem Zusammenhang an die vielen großen sportlichen Erfolge des Vereins, zuletzt erst wieder durch die Handballfrauen und meinte: „Unsere Hilfe entspringt einem gewissen Treuegefühl. Wir waren dabei, als Hurra geschrien wurde. Das bedeutet, auch dabei zu sein, wenn es dem FCN schlecht geht.“

Lizenzspieler unschuldig

Während Dr. Urschlechter fest davon überzeugt ist, daß das Regierungs-Rech-nungsamt keine Einwände gegen die Unterstützung macht, erwartet er von den Banken „die schriftliche Fixierung der in mündlichen Verhandlungen gegebenen Zusagen“.

Der Sanierungsplan, von Rechtsreferent Dr. Sauber vorgetragen, sieht die Reduzierung des jährlichen Schuldendienstes von bisher 700.000 Mark auf 100.000 bis 120.000 Mark vor. Entscheidend wird dabei sein, daß die Banken die Zinsen senken und der Club die schon zugesagten Zuschüsse von Land und Bund erhält. Ausdrücklich stellte Dr. Sauber fest, daß die Lizenzspielerabteilung an der finanziellen Notlage des FCN nicht schuld ist. „Unsere eingehenden Prüfungen haben das einwandfrei ergeben.“

NN

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