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11. Juli 1970: Das Fernsehauge des Gesetzes sieht alles

Überwachung aller neuralgischen Kreuzungen vom Polizeipräsidium aus - 11.07.2020 07:00 Uhr

Verkehrsüberwachung vom Schaltpult der Leitstelle aus. Auf den bisher fünf angeschlossenen Monitoren erkennt man folgende Straßenkreuzungen (von links): Plärrer, Hauptbahnhof, Lorenzkirche, Marientor und Peterskirche.

© Kammler


Mit einem Kostenaufwand von bisher rund 270.000 DM entstanden in den vergangen zwei Jahren die technischen Voraussetzungen, um eines Tages 24 verschiedene Kreuzungen beobachten zu können. Vorerst aber flackern nur fünf der bereits installierten acht Bildschirme auf.

Die ersten Erfolge haben sich bereits eingestellt, nicht bei der Jagd auf Verkehrssünder, sondern bei Verkehrsunfällen und Schlangenbildung. Schneller als dies bisher möglich war, konnten Unfallkommandos und BRK alarmiert und rechtzeitig Verkehrsumleitungen vorgenommen werden.

Nur zur Kontrolle

Die Polizei legt Wert auf die Feststellung, daß man an den Monitoren nicht die Möglichkeit hat, Kfz-Kennzeichen von Verkehrssündern abzulesen. Das wäre auch gar nicht Sinn und Zweck dieser kostspieligen Einrichtung, die vielmehr allen Autofahrern dienen soll.

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Bisher sind erst fünf Kameras in acht bis zehn Meter Höhe aufgehängt an folgenden Kreuzungen: Plärrer, Hauptbahnhof, Lorenzkirche, Marientor und Peterskirche. In den nächsten Monaten folgen: Hauptmarkt und Rathenauplatz. Von der Leitzentrale aus kann ein Beamter alle diese stark befahrenen Kreuzungen im Auge behalten und auch im Bedarfsfall die Blickrichtung mit Hilfe eines kleinen „Schaltknüppels“ nach Belieben bis zu 320 Grad verändern. Auf diese Weise ist es möglich, beginnende Verkehrsstauungen rechtzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Außerdem besitzt die Polizei noch einen Fernsehübertragungswagen, der an jeder beliebigen Stelle der Stadt eingesetzt werden und Bilder ins Präsidium funken kann. Bis zum endgültigen Ausbau der Leitzentrale auf die geplanten 24 Fernseh-Monitoren (24 TV-überwachte Kreuzungen) werden noch viele Jahre ins Land ziehen. Immerhin sind für das gesamte Projekt erhebliche Mittel erforderlich, die die Stadt erst einmal haben muß.

Bis zum Ende dieses Jahres soll in der Leitstelle noch ein großes Schalttableau für 40.000 DM installiert sein, auf dem alle mit Ampelanlagen versehenen Straßenkreuzungen mit verschiedenfarbenen Lämpchen gekennzeichnet sein werden. So wird es möglich sein, sofort ablesen zu können, wo eine Ampel defekt ist, und welcher spezielle Fehler vorliegt.

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In diesem Zusammenhang noch ein Wort zu dem elektronischen Verkehrsrechner, über den die einzelnen Ampelphasen vorprogrammiert und gesteuert werden. Von den bisher bestehenden über 200 Ampelanlagen der Stadt sind 155 an diese Anlage angeschlossen.

Zwei Millionen DM investiert

Die Anlage, in die bis jetzt rund 2 Millionen DM investiert wurden, befindet sich ständig im Ausbau, der erst mit sechs Stufen abgeschlossen sein wird. Heute hat man die zweite Ausbaustufe erreicht. Noch wird vorn Präsidium aus die vorprogrammierte Phase (länger grün oder länger rot) mit Hilfe von Lochstreifen gewählt.

Obwohl schon bis ins Detail projektiert, aber dennoch vorerst Zukunftsmusik: eines Tages wird sich der Verkehr selbst steuern. An den Straßen werden Zählmechanismen die Verkehrsdichte registrieren und sofort an die elektronisch geschaltete Ampel weitergeben, die dann ohne weitere menschliche Hilfe aus den Programmen das richtige auswählt und einschaltet. 

NN

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