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11. Oktober 1971: 80 Pferde wühlten den See auf

11.10.2021, 07:00 Uhr
Ein Bild, das die Zuschauer immer wieder an den Marienbergsee zieht: die Reiter preschen durch den See.

Ein Bild, das die Zuschauer immer wieder an den Marienbergsee zieht: die Reiter preschen durch den See. © Contino

Viele Hundert Menschen waren in den Volkspark Marienberg gepilgert, um dieses Schauspiel zu sehen. Nervös tänzelten die Pferde, während Reitclub-Präsident Lorenz Heiss die Gäste begrüßte; unter ihnen Regierungspräsident Burkhardt. Dann endlich erfolgte das Signal: "Jagd ab."

Dem Felde voran hetzte die Cappenberger Meute, englische Foxhounds mit braungeflecktem Fell. Der bekannte Master Franz Jandrey konnte diesmal die Schleppjagd nicht anführen. Er war schon am Vormittag unglücklich gestürzt und hatte sich eine Gehirnerschütterung zugezogen. So jagte das Feld ohne den bewährten Master rund um den Marienberg und setzte über Hindernisse und Gräben hinweg.

Die ersten Hürden wurden genommen, die ersten Reiter landeten im Gras. Inzwischen bildeten die Zuschauer einen Halbkreis um den Marienbergsee. Zwei Reiter vorweg durchfurchten das Wasser und legten die Spur. Dann hechelte die Hundemeute durch den noch glitzernden See.

Ihr folgten noch mehr als 80 Reiter. Die Hufe der Pferde wühlten den Schlamm auf, das Wasser wurde schwarz und schwärzer und ein dünner Gestank stieg den Zuschauern in die Nase. Fünf Minuten nur ... und der Höhepunkt der Schleppjagd, der Ritt durch den flachen Marienbergsee, war vorüber.

Ein "Stop" brachte Zuschauern und Reitern die wohlverdiente Pause. Die schweißnassen Pferde wurden abgerieben, die Akteure gestatteten sich einen erfrischenden Schluck.

Herbstjagd

Dazu gab die Militärkapelle ein Platzkonzert. Während Reiter und Amazonen im Jagdzelt kaltes Büfett und traditionellen Bügeltrunk genossen, führte die Verwandtschaft die Pferde herum. So manche hilfreiche, das erregte Pferd liebkosende Hand war von schweren Ringen und Armbändern geschmückt. Eine junge Frau, die hier Stallknecht mimte, trug dazu ein elegantes schwarzes Pelzcape.

Anders als bei großen Rennen bevorzugt die Gesellschaft bei der Herbstjagd nicht die mondäne, sondern die sportliche Eleganz. So bestimmten langbeinige Schöne in Hosenanzügen, mit modischen Hüten oder im Trachtenlook das Bild. Gegen 18.30 Uhr versammelten sich die Jagdteilnehmer und geladenen Gäste zu einem Jagdessen im Kulturverein, dem ein Tanz mit dem Orchester Atlantik folgte.

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