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13. September 1967: Sechsecke am Frauentorgraben?

Architekten-Wettbewerb für das neue Verwaltungsgebäude der AOK ist entschieden - 13.09.2017 07:00 Uhr

So stellt sich Horst Fink den Verwaltungsneubau der AOK Mittelfranken zwischen Frauentorgraben, Zeltner- und Sandstraße vor: ein Gebäude mit sechs Etagen und zwei Kellergeschossen, die als Parkplätze genutzt werden. Der 1. Preisträger verzichtet bewußt darauf, in die Höhe zu gehen, weil der Frauentorgraben seiner Meinung nach keine weitere „Höhendominante“ verträgt. © Gerardi


Den ersten Preis mit 22.000 Mark bekam der Nürnberger Architekt Dipl.-Ing. Horst Fink zugesprochen. Über seinen Entwurf urteilt die Jury lobend: "Die aus wenigen, gut proportionierten und vom Frauentorgraben klar abgerückten Baukörper bestehende Anlage ergibt bei bescheidener Höhenentwicklung eine sehr ausgewogene und maßstäblich gut in die Umgebung eingefügte Komposition". Auffallend ist dabei, daß der Planer eine Anlehnung an die alten, inzwischen abgerissenen Bauten des Kulturvereins gesucht hat.

Aber auch die anderen sechs, mit Preisen bedachten oder angekauften Entwürfe sind wohlgeraten. Die Nürnberger können sich selbst davon überzeugen, denn die Pläne und Modelle werden von heute an bis zum 27. September werktags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr im Künstlerhaus (Eingang Königstormauer) ausgestellt.

Der Laufer Architekt Rudolf Müller schlägt diese interessante Lösung vor. Er setzte die mehreckigen Stockwerke aufeinander, die sich gleich einer Pyramide nach oben verjüngen. © Gerardi


Unter dem Vorsitz von Architekt Dr.-Ing. Friedrich Seegy tagten im Preisgericht Ministerialdirigent Professor Clemens Weber (München), Baureferent Heinz Schmeißner, Architekt Dipl.-Ing. Ferdinand Reubel, Ernst Albert als stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Mittelfranken, AOK-Vorstandsmitglied Josef Zappold und AOK-Geschäftsführer Ernst Pirner. Sie sahen sich vor der schwierigen Aufgabe, aus den 24 eingereichten Arbeiten die auszusuchen, die den städtebaulichen Forderungen am besten entsprachen und dem Wunsch der AOK gerecht wurden, zwar gediegen, aber auch einfach zu bauen.

Jury urteilte einstimmig

In vier Runden schieden sie zuerst 16 Arbeiten aus und zogen acht Entwürfe in die engste Wahl. Einstimmig – was Reihenfolge und Prämierung angeht – vergaben sie im entscheidenden Stechen fünf Preise und entschlossen sich zu zwei Ankäufen. Lorbeeren ernteten dabei außer Horst Fink die Architektengemeinschaft Harald Loebermann. Gerhard und Hermann Scherzer mit dem zweiten Preis und 18.000 Mark, der Erlanger Architekt Franz Schubert mit dem dritten Preis (13.000 Mark) sowie Architekt Albin Hennig mit dem vierten Preis (11.000 Mark). Auf dem fünften Platz folgte Architekt Walter Meyer, dessen Entwurf mit 9.000 Mark honoriert wird.

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Die beiden Arbeiten, die mit je 4.500 Mark angekauft werden, stammen von dem Laufer Architekten Rudolf Müller, der eine interessante sechseckige Lösung vorschlägt, und von Architekt Bernhard Heid aus Zirndorf.

Bei dem neuen AOK-Verwaltungsgebäude, wie es sich Architekt Horst Fink vorstellt, war die Jury von der äußeren Gestalt beeindruckt, die gelassen und wie selbstverständlich aussieht und vorzüglich in die westliche Nachbarbebauung übergeht. "Am Frauentorgraben entsteht durch das Zurücksetzen der Baufronten ein geräumiger Vorplatz für die Besucher. Die Einfahrt an der Sandstraße liegt richtig", bemerkte das Preisgericht. Bei der vorgesehenen inneren Erschließung sei außerdem die Grundrißanordnung der Schalterhalle einleuchtend und führe zu einer wohltuenden Gliederung der Innenräume. Das einzige Haar in der Suppe: "Bedenken bestehen jedoch wegen der geringen Hallengeschoß-Höhen".

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Mit der Entscheidung der Jury ist freilich erst ein Schritt zur Bebauung des ehemaligen Kulturverein-Geländes getan worden. Die Reihenfolge, die von den Richtern festgelegt wurde, sagt noch nichts darüber aus, wer von den erfolgreichen Architekten schließlich zum Zuge kommt. Doch wie der letzte Beschluß der AOK – er ist in einigen Wochen zu erwarten – auch ausfallen mag: schon jetzt steht fest, daß ein modernes Haus entsteht, das der Bedeutung des Platzes gerecht wird.

K. E.

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