Kalenderblatt

13. September 1971: Kampf gegen die Bodenspekulation

13.9.2021, 07:14 Uhr
Der neue Vorstand der Nürnberger Jungsozialisten (in der oberen Reihe von links) Gebhard Schönfelder, Manfred Endebrock, Günter Conrad und Christian Bayerlein. Unten (von links) Rolf Mühldorf, Karlheinz Meeh und Joachim Mößlen.

Der neue Vorstand der Nürnberger Jungsozialisten (in der oberen Reihe von links) Gebhard Schönfelder, Manfred Endebrock, Günter Conrad und Christian Bayerlein. Unten (von links) Rolf Mühldorf, Karlheinz Meeh und Joachim Mößlen. © NN

Im Anschluß an eine außerordentliche Jahreshauptversammlung im Jugendzentrum, gab der neugewählte Sprecher, der 28jährige Gebhard Schönfelder, bekannt, daß man sich bemühen will, dafür zu sorgen, daß die kommunale Wohnungsvermittlung effektiv arbeitet, die Bodenspekulation weiter beobachtet wird und von regionalen Gruppen der Organisation Initiativen zur Errichtung von Kinderspielplätzen ergriffen werden.

Schönfelder erklärte, die Aktionen der Jusos müßten auf eine breitere Basis gestellt werden. Dabei wolle man auch Verbindung mit anderen politischen Gruppierungen suchen. Von Fall zu Fall und, „wenn wir zwingende Notwendigkeiten erkennen“, wird man auch eine Zusammenarbeit mit der SDAJ anstreben.

Ganz besonders wollen sich die Jusos nach Schönfelder um die neuen Mitglieder bemühen. In jedem Monat treten 70 neue Interessenten den Jungsozialisten bei, das sind 65 bis 70 Prozent aller Neueintritte in die SPD. Die Organisation, die vor drei Jahren einen Bestand von 1.000 Mitgliedern hatte, verzeichnet jetzt 1.500.

Zu Beginn der Veranstaltung gab der bisherige Sprecher, Horst Schmidbauer, der in Zukunft für die Arbeit der Jungsozialisten im Bezirk Franken verantwortlich sein wird, einen Rückblick auf die bisherige Tätigkeit. 1968, sagte er, seien die Jungsozialisten „eine lammfromme und ziemlich unbekannte Nachwuchsorganisation der SPD, ein beliebtes Trittbrett für manche Karriere“ gewesen.

Heute sehe die Situation anders aus. Die Jungsozialisten verstünden sich als „radikaldemokratische Erneuerungsbewegung der deutschen Sozialdemokratie“. Man arbeite nicht in der SPD, „um die spätkapitalistische Besitzverteidigungsgesellschaft“ mitverwalten zu helfen. Für die Jusos sei „das Heidelberger Programm immer noch eine tragfähige Grundlage für praktische Politik“.

Schmidbauer räumte ein, daß die Tätigkeit der Jusos in der Öffentlichkeit „bisher nicht ganz das gebracht hat, was wir langfristig wollen“. Auch bei den Bemühungen um Kontakte zu Schülern, Lehrlingen und jungen Arbeitern gab er Mißerfolge zu: „Es ist uns trotz hoffnungsvoller Ansätze noch nicht gelungen, der jungen Generation den Einstieg in die politische Selbstbestimmung zu eröffnen.“ Aus diesem Grund müsse man sich besonders um die Errichtung eines Lehrlingszentrums bemühen. Trotzdem sei die Bedeutung der Jungsozialisten stetig gewachsen.

So habe man beispielsweise die Mehrheit erhalten „zur Ablehnung der großen Koalition im Nürnberger Rathaus“. Verstärkt müsse der Weg „von der Resolution zur Aktion“ führen. Dabei wies Schmidbauer „auf die Gefahr des Linksopportunismus“ hin: „Wenn es bei den Jungsozialisten einmal ‚schick‘ wird, ,links‘ zu sein, dann wird es auch gefährlich.

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