14. Dezember 1968: Protest gegen Huber

14.12.2018, 07:00 Uhr

© Foto: Hans Kammler

Rund tausend Studenten des Ohm-Polytechnikums trugen symbolisch die bisherige bayerische Bildungspolitik zu Grabe. Ihr Widerstand richtet sich gegen Kultusminister Dr. Ludwig Huber, der ihrer Ansicht nach nicht gewillt ist, die Ingenieur- und höheren Wirtschaftsfachschulen in den Hochschulbereich einzugliedern.

Der friedliche und geordnete Zug bewegte sich in einer langen Kolonne vom Keßlerplatz zur Lorenzkirche. Vorangetragen wurde auf einer Bahre eine „Leiche“. Die Schleifen der Kränze trugen die Aufschrift: „Die still verschiedene Bildungspolitik. Von Ihren trauernden Ingenieurschulstudenten.“ Auf dem freien Platz vor der Lorenzkirche verweilten die Demonstranten eine Zeitlang. Sie stellten ein Mahnmal auf und feuerten drei Böllerschüsse ab. Dann marschierten sie durch die Lorenzer Straße zurück zum Polytechnikum.

Der Trauerzug bildete einen Teil der dreitägigen Warnaktion, mit dem die Lernenden an den Ingenieur- und höheren Wirtschaftsfachschulen in ganz Bayern den Kultusminister auffordern, endlich ihre Forderungen zu erfüllen. In dieser Zeit werden die Vorlesungen boykottiert und Sachgespräche geführt. Dabei hat sich ergeben, daß die Dozenten in der Zielsetzung mit den Studierenden übereinstimmen.

Junge Union: geschmacklos

Heute unternehmen die Studenten eine Sternfahrt nach München, um in einer Großkundgebung die gleichzeitig mit dem CSU-Parteitag abgehalten wird – ihr Begehren der Öffentlichkeit nachdrücklicher zu unterbreiten. Sie hoffen die Zusage zu erreichen, die beispielsweise die Länder Hamburg und Hessen schon gegeben haben.

Die Junge Union in Nürnberg wendet sich in einem Flugblatt, das sie an die Studenten des Ohm-Polytechnikums verteilen wird, gegen den Trauerzug. Sie schreibt: „Wer unsachlich argumentiert, gefährdet sein eigenes Anliegen. Ihre Demonstration war geschmacklos. Der Unwillen der Bevölkerung gegen Studenten und Kulturpolitik wird durch solche Kindereien nur geschürt. Die Junge Union Nürnberg ist bereit, Ihr Anliegen zu vertreten, wenn es vernünftig ist. Wir sollten darüber sprechen.“ Als Termin der Aussprache wird die zweite Januarwoche vorgeschlagen.

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