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14. Januar 1972: Nürnberger PH möchte Computer haben

14.1.2022, 07:00 Uhr
Noch sind die Computer in Kisten verpackt. Werden sie in Nürnberg ausgeladen und installiert?

Noch sind die Computer in Kisten verpackt. Werden sie in Nürnberg ausgeladen und installiert? © NN

Die Frage wäre vor wenigen Monaten noch müßig gewesen, weil es am Geld fehlt. Jetzt ist sie aktuell geworden: Standard Elektrik Lorenz (SEL) hat zwei Computer vom Typ ER 56 verschenkt. Empfänger war zunächst der „Verein für Bildungsforschung, Kommunikationstheorie, Systemtheorie und Ästhetik Stuttgart“, dem die Aufgabe zufiel, einen würdigen Spender auszuwählen. Der Verein wählte die Stuttgarter Kunstakademie und ließ die 25 Tonnen wiegenden Einzelteile in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in der Ausstellungshalle der Akademie deponieren. Rektor Hirche mochte sich jedoch mit dem Mammutpräsent nicht befreunden und erstattete sogar Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.

Daraufhin meldeten sich zwei Institutionen, die gewillt waren, das Geschenk – Anschaffungspreis vier Millionen DM – anzunehmen: eine private Technikerschule in Stuttgart und die PH Nürnberg. Professor Otto Heller, Leiter des psychologischen Seminars in Nürnberg, hatte von einem ehemaligen Assistenten, der jetzt in Stuttgart lehrt, davon Kunde erhalten, daß von SEL ein Computer kostenlos zu bekommen sei. Professor Heller, der bereits vorher bei der Volkswagenstiftung einen Computer beantragt hatte, setzte sich an die Maschine und schrieb an SEL. Heller hält einen eigenen Computer für die Forschungsarbeit für unerläßlich. Gerade bei der empirischen Psychologie fällt eine Fülle von Daten an, die ohne Großrechner nicht bewältigt werden können. Ein weiterer Vorteil bietet sich den Studierenden, weil sie mit Hilfe des Computers gezielt „programmiert“ lernen könnten. Damit würde wegfallen, was bis jetzt immer noch das Studium erschwert: daß die jungen Menschen mit einer Wissensfülle vollgestopft werden, wie sie für ihre eigentliche Aufgabe nicht erforderlich ist.

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